Ex-DDR-Trainer Krügel Erst Aufsteiger, dann abgesetzt

Heinz Krügel war als Trainer im DDR-Fußball der Spezialist für Aufstiege und junge Talente. Zehn Jahre lang führte er den 1. FC Magdeburg von Erfolg zu Erfolg, dann vergriff er sich nach dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger im Ton. Es war für ihn der Anfang vom Ende.

Von Christian und Martin Henkel


Es gab keinen wie Heinz Krügel. Nie ist das wahrer gewesen als an jenem Sommertag 1976, da der damalige Trainer des 1. FC Magdeburg nach Berlin bestellt wurde und ihm Polit- und Sportfunktionäre nach einem dritten Platz in der Meisterschaft wegen "sportlichen Versagens" Berufsverbot erteilten. Lebenslang. Im Fußball der DDR hat es kaum einen beklagenswerteren Vorgang gegeben. Krügel war mehrfacher Meister, mehrfacher Pokalsieger und einziger Trainer eines Europapokalgewinners. Ihn auf den Posten eines "Objektleiters" beim unterklassigen Club Motor Mitte Magdeburg abzuschieben, bedeutete, einen der erfolgreichsten Trainer der DDR-Geschichte zu entehren.

Wie Meistertrainer Walter Fritzsch (unter anderem Dynamo Dresden) und Karl Dittes (BSG Wismut Aue) entstammte Krügel der berühmten Planitzer Fußballschule. Mit dem Zwickauer Vorortclub war er als Spieler 1948 erster "Ostzonenmeister" geworden, drei Jahre später begann er seine Übungsleiterkarriere. Er trainierte Sachsens Landesauswahl, betreute den "Club der Kasernierten Volkspolizei" in Leipzig in seiner einzigen Oberliga-Saison, wechselte zu Rotation Leipzig, dann zum FC Empor Rostock, trainierte für acht Spiele die DDR-Auswahl, ging zu Chemie Halle und erhielt schließlich die Aufgabe, Magdeburg aus der zweiten Liga zu holen.

Aufstiege schaffen, wie mit Empor, Halle und Magdeburg, darin bestand Krügels erstes großes Talent. Das zweite waren schnelle Erfolge: Rotation wurde im ersten Krügel-Jahr Dritter, Empor erreichte in Jahr zwei das Pokalfinale, Halle wurde gar FDGB-Pokalsieger. Vor allem aber konnte der umgängliche Trainer gut mit jungen Spielern. In der DDR-Auswahl stellte er den sogenannten Baby-Sturm mit Jürgen Nöldner (19 Jahre), Peter Ducke (18) und Dieter Erler (21) zusammen. In Halle formte er Klaus Urbanczyk zu einem Top-Spieler, in Magdeburg schließlich holte er die Junioren-Talente Jürgen Pommerenke, Klaus Decker und Detlef Enge in seinen Kader, anschließend Siegmund Mewes, Axel Tyll, Jürgen Achtel und Bodo Sommer.

Sein Charakter aber wurde Krügel schließlich zum Verhängnis. "Wenn ich nach den Vorgaben des Verbandes trainiert hätte", sagte er nach dem siegreichen Europacup-Finale gegen den AC Milan, "wären wir mausetot gewesen". Eine Provokation, die besonders dem Zweiten Sekretär der Magdeburger Bezirksleitung, Walter Kirnich, missfiel. Dem hatte Krügel einmal nach einem Streit an den Kopf geworfen: "Den FCM und Krügel, den kennt man in ganz Europa. Aber du bist und bleibst ein dummer Bördebauer." Kirnich revanchierte sich für diesen Satz zwei Jahre später - und gab den Anstoß für Krügels Absetzung.



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kellitom 26.12.2011
1. DDR reloaded
Diese DDR Geschichte ist mittlerweile so alt, dass es gar nicht mehr lohnt, derüber zu schreiben. Was bezweckt SPON damit? Ist er ein Platzfüller?
#Nachgedacht 26.12.2011
2. Einer von vielen!
Zitat von sysopHeinz Krügel war als Trainer im DDR-Fußball der Spezialist für Aufstiege und junge Talente. Zehn Jahre lang führte er den 1. FC Magdeburg von Erfolg zu Erfolg, dann vergriff er sich nach dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger*im Ton.*Es war für ihn der Anfang vom Ende. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,805648,00.html
Dieses Schicksal ist eines von vielen, die man durch Gleichmacherei und Ignoranz bisher nicht beachtet hat. Die einseitige Fokusierung auf die Stasi ünd der Jubel um ein paar "Bürger"rechtler oder "Oppositionelle" hat alle Schicksale dieser Art weit in den Hintergrund treten lassen. Ein Schicksal von vielen das leider nur angerissen wird und ausgerechnet an einem 2. Weihnachtsfeiertag unter anderem steht. Angesprochen, dargestellt aber mit möglichst wenig Aufsehen. Geschichte unbewältigt und noch weit entfernt von der Aufarbeitung! Wer jetzt hier ernsthaft ansetzt. dürfte ein neues Geschichtsbild erhalten, dürfte neue Erkenntnisse über Verantwortlichkeiten und Hintergründe bekommen. Allein, ich befürchte das liegt nicht im Sinne des Interesses von Leuten die sich bisher in den Vordergrund gestellt haben. #Nachgedacht
hwolf@gmx.net 26.12.2011
3. Richtig so...
Zitat von #NachgedachtDieses Schicksal ist eines von vielen, die man durch Gleichmacherei und Ignoranz bisher nicht beachtet hat. Die einseitige Fokusierung auf die Stasi ünd der Jubel um ein paar "Bürger"rechtler oder "Oppositionelle" hat alle Schicksale dieser Art weit in den Hintergrund treten lassen. Ein Schicksal von vielen das leider nur angerissen wird und ausgerechnet an einem 2. Weihnachtsfeiertag unter anderem steht. Angesprochen, dargestellt aber mit möglichst wenig Aufsehen. Geschichte unbewältigt und noch weit entfernt von der Aufarbeitung! Wer jetzt hier ernsthaft ansetzt. dürfte ein neues Geschichtsbild erhalten, dürfte neue Erkenntnisse über Verantwortlichkeiten und Hintergründe bekommen. Allein, ich befürchte das liegt nicht im Sinne des Interesses von Leuten die sich bisher in den Vordergrund gestellt haben. #Nachgedacht
Zitat Krügel: "Den FCM und Krügel, den kennt man in ganz Europa. Aber du bist und bleibst ein dummer Bordebauer." Sorry, aber wer sich derart hochnäsig und herablassend, ja beleidigend äußert, dem geschieht es recht, aus einer exponierten Position herausbefördert zu werden, unabhängig vom politischen System.
langenscheidt 26.12.2011
4. Kalte-Kriegs-Posse im Irrenhaus DDR
Krügel wehrte sich vehement gegen politischen Einfluß in den Fußball. Nicht nur seine Trainingsmethoden wurden kritisiert (Leistungsprinzip!). Auch seine Einstellung zum Sport im Westen (West-Sportler als potentielle Spione zu betrachten) brachte ihm den Dolchstoß. Wenn Irre ein Land regieren... Krügel wurde übrigens 1996 vom DFB (Nachfolger des DFV-DDR) rehabilitiert.
pauerkraut 26.12.2011
5. Kruegel
Zitat von kellitomDiese DDR Geschichte ist mittlerweile so alt, dass es gar nicht mehr lohnt, derüber zu schreiben. Was bezweckt SPON damit? Ist er ein Platzfüller?
Mitnichten ein Platzfueller. Diese Geschicht ist insofern relevant; weil unseren Jugendlichen noch fuer ein paar Jahrhunderte ein solches Regime wie die DDR ( Sozialismus ) immer wieder vor Augen gefuehrt werden muss
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