Ex-Bundesliga-Schiedsrichter: Manfred Amerell tot in seiner Wohnung gefunden

Manfred Amerell ist tot. Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter starb aus bislang ungeklärter Ursache in seiner Wohnung. Er war in den vergangenen Jahren wegen eines Streits um Vorwürfe der sexuellen Belästigung in den Schlagzeilen. Die Polizei hat für den Nachmittag weitere Informationen angekündigt.

DPA

Hamburg - Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amerell ist tot. Laut Berichten des Sport-Informations-Dienstes und der Deutschen Presse-Agentur soll die Leiche des 65-Jährigen in seiner Münchner Wohnung gefunden worden sein. "Wir haben unter dieser Adresse heute Nachmittag eine tote Person aufgefunden. Ermittlungen zur Todesursache dauern noch an", sagte ein Polizeisprecher der "Bild"-Zeitung am Dienstag. Am Mittwochmittag sollen laut Polizei neue Informationen über die Todesumstände bekanntgegeben werden.

Amerell war in den vergangenen Jahren besonders durch den Rechtsstreit mit dem ehemaligen Fifa-Referee Michael Kempter in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Er hatte von Kempter Schadensersatz in Höhe von 150.000 Euro gefordert, nachdem dieser ihm sexuelle Belästigung in mehreren Fällen vorgeworfen hatte. Amerell bestand jedoch immer darauf, dass die Beziehung einvernehmlich war.

Der juristische Streit zwischen den Männern endete 2011 mit einem Vergleich. Darin zog Kempter seine in mehreren Interviews getätigte Aussage zurück, Amerell klar signalisiert zu haben, keine sexuellen Kontakte zu wollen. Er habe seine Ablehnung möglicherweise nicht ausreichend wahrnehmbar ausgedrückt, so Kempter. Amerell hatte sexuelle Übergriffe stets bestritten.

Im April kündigte Amerell an, den Verband wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte auf Schadensersatz verklagen zu wollen. Der ehemalige Unparteiische fühle sich vom DFB seit Beginn des Falls Amerell/Kempter diffamiert, hatte sein Anwalt Jürgen Langer im Frühjahr erklärt.

Schiedsrichterdebüt im Profi-Fußball 1984

"Seit dem 1. Februar 2010 lebe ich nicht mehr, ich existiere nur noch", hatte Amerell im April dieses Jahres im Rückblick auf die Auseinandersetzung mit Kempter erklärt. Am 1. Februar 2010 war Amerell in einem Gespräch mit dem damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und dem damaligen DFB-Generalsekretär und heutigen -Präsidenten Wolfgang Niersbach von Kempters Vorwürfen informiert worden. Drei Tage später bat Amerell den DFB, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden. Am 9. Februar gab der DFB bekannt, dass Amerell aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen wird.

Amerell hatte sein Schiedsrichterdebüt im Profi-Fußball 1984 in der zweiten Bundesliga gegeben. Zwei Jahre später leitete der gelernte Hotelier seine erste Begegnung in der ersten Liga. Insgesamt pfiff Amerell 66 Begegnungen in der höchsten deutschen Spielklasse.

Ein Höhepunkt seiner Karriere war das Pokalfinale 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiss Essen (3:1). Weil Amerell aber kein Fifa-Schiedsrichter war, wurde er nie für eine EM oder WM nominiert. Vor seiner Schiedsrichtertätigkeit war Amerell Geschäftsführer bei 1860 München (1970 bis 1975), beim FC Augsburg (1975 bis 1979) und beim Karlsruher SC (1979 bis 1984). Amerell hinterlässt seine Ehefrau und zwei erwachsene Töchter.

lei/ham/sid/dpa

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