Bundesliga: Rafati attackiert Schiri-Chef Fandel

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Schiedsrichter Rafati: Rücktritt nach Suizidversuch

Eineinhalb Jahre nach seinem Suizidversuch erhebt Ex-Bundesliga-Referee Babak Rafati im "Stern" schwere Vorwürfe gegen Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel. Der habe ihn mit "Kälte" und "Unerbittlichkeit" behandelt. Fandel wehrt sich.

Hamburg - Ihm sei "übel mitgespielt worden", sagte der 42-jährige Babak Rafati in einem Interview mit dem "Stern" - und erhebt eineinhalb Jahre nach seinem Suizidversuch schwere Vorwürfe gegen Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel. "Als Herbert Fandel mein neuer Chef wurde, habe ich absolut keine Rückendeckung mehr bekommen. Ich war es gewohnt, sachliche Kritik zu erfahren, aber keine aus meiner Sicht persönlichen Verletzungen." Er habe nicht einmal Zuspruch erfahren, dafür nur "Kälte" und "Unerbittlichkeit" durch Fandel erlebt.

"Diese fehlende Wertschätzung für mich als Mensch, dieser Vertrauensentzug vom Chef, der auch eine Fürsorgepflicht hat. Das war entleerend", sagte er. Fandel habe "genau" gewusst, wie verletzt er gewesen sei, sagte Rafati. "Andere wussten das auch. Die Herabwürdigungen durch Fandel waren Tagesgespräch unter den Schiedsrichtern."

Fandel erwiderte im "Stern", Rafatis Vorwürfe träfen ihn emotional sehr. "Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Kenntnis über sein seelisches Krankheitsbild", sagte der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Auch aus dem Kreis der Schiedsrichter habe niemand Andeutungen gemacht. "Deshalb behandelte ich - und musste ich Babak Rafati wie jeden anderen Schiedsrichter nach dem Leistungsprinzip, der Grundlage des Profi-Fußballs, behandeln."

Rafati kritisiert mangelnde Fürsorge des DFB

Dem Sportinformationsdienst gegenüber äußerte Fandel Unverständnis für die schweren Vorwürfe: "Die Sichtweise von Herrn Rafati schockiert mich, das lässt mich nicht kalt. Ich hatte aus meiner Sicht immer ein gutes Verhältnis zu ihm, aber wir mussten bei schwachen Leistungen auch klarmachen, dass Fehler passiert sind." Rafati habe "durch seine Leistungen eine sehr geringe Akzeptanz in der Öffentlichkeit" gehabt.

Vor dem Bundesliga-Spiel des 1. FC Köln gegen den FSV Mainz 05 am 19. November 2011 hatte Rafati in einem Kölner Hotel versucht, sich das Leben zu nehmen. Er erklärte seine Handlung mit einer zu spät diagnostizierten Depression. Wachsender Leistungsdruck für ihn als Schiedsrichter, medialer Druck und die immerwährende Angst, Fehler zu machen, seien zu einer immer größeren Belastung für den Referee geworden. Am Ende habe er sich ihr nicht mehr gewachsen gefühlt, sagte er.

Rafatis Kritik im "Stern" richtet sich auch an die damalige Führungsriege des DFB. Nach seinem Suizidversuch habe niemand Kontakt zu ihm gesucht, was ihn "im Nachhinein extrem aufgewühlt" habe. "Das hat mir gezeigt: Es hat sich eben doch nichts bewegt." Im vergangenen Mai war Rafati deshalb von seinem Amt als Bundesliga-Schiedsrichter zurückgetreten.

Zuvor hatte der Bankkaufmann in sechs Jahren insgesamt 84 Spiele der Bundesliga gepfiffen. Seit 2008 war Rafati Fifa-Schiedsrichter, wurde allerdings im September 2011 vom DFB nicht mehr für internationale Einsätze nominiert.

psk/dpa/sid

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