Videobeweis in England Firma entschuldigt sich für krakelige Abseitslinie

Fußball-England spottet über eine krumme Abseitslinie im TV. Hat da ein Kind das Malen geübt? Die zuständige Technikfirma stellte die Sache klar.

Schiedsrichter Kevin Friend (r.), Manchester Uniteds Juan Mata (M.)
AFP

Schiedsrichter Kevin Friend (r.), Manchester Uniteds Juan Mata (M.)


Wenige Themen wurden in der bisherigen Bundesligasaison so stark diskutiert wie der Videobeweis. Die technische Neuerung ist allerdings nicht nur in Deutschland ein Thema, sondern auch in England. In Folge eines FA-Cup-Spiels musste sich die Firma Hawk-Eye Innovations, die die Technologie für die Videoüberprüfung bereitstellt, nun nach einem umstrittenen Fall entschuldigen.

Was war passiert?

In der Premier League ist der Videobeweis noch nicht im Einsatz, er wird allerdings im englischen Pokal bereits getestet. Beim Achtelfinale zwischen Manchester United und Premier-League-Aufsteiger Huddersfield Town hatte Juan Mata das vermeintliche 2:0 für United erzielt. Aber der Videoassistent griff ein, der Treffer wurde wegen einer angeblichen Abseitsstellung zurückgenommen. Es ist nicht klar zu erkennen, ob sich Mata beim Zuspiel von Ashley Young wirklich im Abseits befand.

Für viel größere Aufregung sorgte aber eine Einblendung beim übertragenden britischen Fernsehsender BT Sport. Die Linien, die dort angezeigt wurden, erinnerten eher an handgefertigte Kritzeleien als an technisch kalibrierte Einteilungen des Spielfelds.

Mittlerweile stellte Hawk-Eye klar: Die angezeigten Linien wurden nicht tatsächlich genutzt, um die Abseitsstellung Matas zu belegen. Es habe sich bei der Einblendung schlicht um einen "technischen Fehler" gehandelt. Dieser habe dazu geführt, dass dem Sender BT Sports "eine unkorrekte Grafik bereitgestellt" worden sei. "Der VAR (Video Assistant Referee) hat das richtige Bild mit den richtigen Linien gesehen", teilte Hawk-Eye mit.

Rund um die Übertragung war der Technologie jedenfalls der Spott der Fernsehzuschauer sicher.

Aber auch die eigentliche Entscheidung, das Tor zurückzunehmen, sorgte für Diskussionen: "Das war ganz sicher keine klare und eindeutige Situation", sagte United-Trainer José Mourinho. Wie in Deutschland soll der Videobeweis auch in England eigentlich nur bei klaren Fehlentscheidungen angewandt werden.

David Wagner, der deutsche Trainer von Huddersfield Town, sprach sich gänzlich gegen die Technik aus: "Mir gefällt das nicht, und das habe ich schon vorher gesagt", erklärte er. "Ja, es macht das Spiel etwas gerechter, aber es killt die Emotionen."

Manchester kam durch Romelu Lukaku, der bereits das erste Tor erzielt hatte, letztlich doch noch zu einem zweiten Treffer, gewann 2:0 und steht damit im Viertelfinale. Die Verantwortlichen werden wohl alles daran setzen, dort auch dem Fernsehzuschauer die richtigen Linien anzuzeigen.

aev/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
aggro_aggro 19.02.2018
1. Abseits?
Wenn das nicht "gleiche Höhe" ist, wozu existiert dieser Ausdruck dann? Im Zweifel für den Angreifer. Beim Abseits wird man nie auf den Millimeter bestimmen können wer weiter vorn steht, und auch nicht auf die Millisekunde wann ein Pass gespielt wird. Und jetzt haben wir ein technisch brilliant erstelltes Bild (das Gute, nicht das Krumme), bei dem auch nur 50% der Betrachter sagen "Abseits!", und 50% "kein Abseits!!!!111elf". Ein Abseits, dass man nicht sofort als Abseits erkennt, ist kein Abseits. Lasst die Jungs doch Tore schießen. Die Regel wurde eingeführt, damit kein Stürmer vorne alleine rumsteht und wartet.... nicht als Ausrede für zu langsame Verteidiger: "Er hatte zwar 4 Meter Vorsprung als er zum Schuss kam, aber nur, weil seine Nase zwei Zentimeter im Abseits war, als der Pass kam."
teekesselchen 19.02.2018
2.
wenn man sich die 2 "richtige" Grafik anschaut, fällt auf dass die gezeichnete Linie nicht parallel zu der Strafraumlinie ist. Die sind hinten näher zusammen als vorne. Das kann doch nicht richtig sein, oder? Und es ist auch hier wieder richtig knapp, ne cm Entscheidung.
FX922 19.02.2018
3. Die letzten 5% tuen weh
So is das beim Brandschutz, bei der Arbeitssicherheit oder halt bei Schiedsrichterentscheidungen. Am Beispiel Schalke - Hoffenheim beim ersten Tor von Embolo waren es wirklich nur Bruchteile von Millisekunden, die entscheidend waren. Hinterher hätte jeder vom Riesen spielentscheidender Fehlentscheidung gesprochen.... Hier sollte auch mal einer vor die Kameras treten und allen Beteiligten danken!!
matthias8989 19.02.2018
4. Videobeweis
Kann mir mal jemand erklären, weshalb der Videobeweis z.B. am Samstag in Köln bei einem Torabschluss angewandt wird, aber zwei falsche Abseitsentscheidungen nicht durch den gleichen Videobeweis korrigiert werden. So werden doch Spiele nicht gerechter entschieden. Aber Emotionen sind natürlich mehr... Super.
jhea 19.02.2018
5. und wie immer zeigt sich
wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen *g die Briten haben ja allgemein nen tollen Humor, allein wenn ich an die Namenswahl für Boaty McBoatface für ihr Forschungschiff denke, oder wenn sie abstimmen dürfen wie ihre Schneepflüge heißen... Luke Snowplower, Itsybitsyteenyweenyyellowantislipmachiney, uvm ^^
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.