Facebook-Fieber im deutschen Fußball: Generation "Gefällt mir"

Von Jana Jöckel

Facebook boomt - mittlerweile auch im deutschen Fußball. Neuer, Schweinsteiger und Co. präsentieren sich zunehmend mit eigenen Profilen. Auch die Vereine ziehen mit. Aber längst nicht alle Auftritte der Nationalspieler sind erstklassig.

Die Nationalspieler bei Facebook: Höwedes hui, Mertesacker pfui
Fotos
dapd

Mesut Özil ist der einzige Millionär im DFB-Team. Zumindest, was die Zahl der Facebook-Fans angeht. Etwa 2,6 Millionen Anhänger klickten auf seinem Profil schon den "Gefällt mir"-Button und "outeten" sich damit offiziell als Fan des Nationalspielers. Auch die Anhängerzahlen von Özils Teamkollegen Lukas Podolski und Philipp Lahm (beide rund 600.000) können sich sehen lassen. Ebenso die Vereine. Fast alle deutschen Erstligaclubs betreiben eine eigene Seite. Als unangefochtener Spitzenreiter in der Fangunst führt Bayern München mit rund 1,6 Millionen Anhängern deutlich vor Meister Borussia Dortmund (467.000).

Verglichen mit der ausländischen Konkurrenz ist Deutschland in punkto Facebook allerdings immer noch ein Entwicklungsland. Die 1,6 Millionen Fans der Bayern sind im Verhältnis zu anderen europäischen Top-Vereinen wie dem FC Barcelona (17,5 Millionen), Real Madrid (16,1) oder Manchester United (16,4) Peanuts. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch mit Blick auf die Weltstars Cristiano Ronaldo (30 Millionen) und Lionel Messi, dessen Seite in erst drei Monaten ihres Bestehens schon fast 19 Millionen Anhänger hat.

Dass Facebook aber auch im deutschen Fußball immer mehr an Bedeutung gewinnt, machte erst kürzlich Nationaltorhüter Manuel Neuer deutlich. "Ich habe den Verantwortlichen auf Schalke mitgeteilt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern werde", schrieb der Bayern-Profi auf seiner Seite. Es war das erste Mal, dass ein Bundesligaspieler eine derartige Entscheidung zuerst über Facebook veröffentlichte, bevor die Presse davon erfuhr. Das Beispiel Neuer zeigt einen Trend unter Fußballern. Einen Trend hin zum direkten Kontakt mit den Fans.


Facebook bietet für beide Seiten einige Vorzüge gegenüber einer klassischen Homepage. Das Prinzip des Profils ist immer das gleiche. Die Wege für die Fans sind kurz, der Aufbau ist bekannt. Man agiert auf einer Ebene. Die Profis posten nicht nur Kommentare über fußballerische Themen sondern gewähren den Fans auch Einblicke ins Privatleben. Mesut Özil schickt spontane Foto-Grüße aus einem Restaurant, Sami Khedira fragt nach einer Filmempfehlung und Philipp Lahm berichtet von einem Kurzurlaub in den bayrischen Alpen. Der Fan fühlt sich bestens informiert.

Wenn es aber um die eigentliche Facebook-Stärke, die Kommunikation, geht, stößt man in der Beziehung zwischen Spieler und Anhänger schnell an Grenzen. Der Austausch zwischen Profi und Fan ist so gut wie gar nicht vorhanden. Der Sinn sozialer Netzwerke wird in der Regel nicht erfüllt, da sich die Kommunikation auf einer monologischen statt auf einer dialogischen Ebene abspielt. Auf der einen Seite schreibt der Spieler, auf der anderen Seite kommentiert der Fan. Ein direkter Austausch ist normalerweise nicht möglich, da der Ansturm zu groß ist. Die Fans erhalten zwar tiefere Einblicke als noch in Vor-Social-Media-Zeiten, sie bleiben aber weiterhin unter sich und ihre Fragen meist unbeantwortet.

Mertesacker führt Rangliste der Alibi-Accounts an

Einige Spieler sind zudem echte Facebook-Muffel und betreiben lediglich einen Alibi-Account. Diese Rangliste des Desinteresses der Nationalspieler wird von Per Mertesacker angeführt. Der Bremer ließ in den wichtigsten Saisonwochen zwischen März und Mai nur siebenmal auf seiner "Pinnwand" von sich hören. Nicht viel engagierter zeigen sich Dortmunds Marcel Schmelzer (acht Kommentare) und Philipp Lahm von Bayern München mit nur zehn Einträgen.

"Empfehlenswert ist ein Account nur dann, wenn der Spieler Lust dazu hat. Wird der Account nicht regelmäßig betreut, kann das ganze ein Eigentor werden", sagt Jutta Westphal, selbstständige New-Media-Beraterin. Das dachten sich wohl auch Mario Gomez, Miroslav Klose und Thomas Müller, die gar nicht erst eine offizielle Seite betreiben.

Durchaus aktiv sind dagegen Mats Hummels, Jérôme Boateng und Benedikt Höwedes. Während sich Hummels und der von Bayern umworbene Boateng im Ligaendspurt via Facebook über 50 Mal an die Fans wandten, schrieb Höwedes sogar mehr als 70 Kommentare. Leider geht hier die Quantität aber auch zu Lasten der Qualität. Viele Einträge sind direkte Übernahmen der eigenen Website oder Verlinkungen.

Dass mittlerweile auch Trainer am Facebook-Trend teilhaben wollen, zeigt das Beispiel Felix Magath. Als einer der ersten eröffnete der Coach des VfL Wolfsburg noch zu Schalker Zeiten eine eigene Fanseite, um sein zerrüttetes Verhältnis zu den Anhängern wieder aufzupolieren - ein eher verkrampfter Versuch. Beschwichtigungen und Schönrederei konnten nicht lange über die negative Stimmung der Fans ihm gegenüber hinwegtäuschen.

Dass Magaths Auftritt mehr gewollt als gekonnt wirkt, erkannte auch Fürth-Coach Mike Büskens. Auch wenn er es stets bestritt, war dies wohl eine Art später Rache für seine Ausmusterung durch Magath aus dem Schalker Trainerstab. In einem auf der Facebook-Seite des Clubs veröffentlichtem Video imitierte er diesen nicht nur ironisch, sondern sprach auch davon, dass es wichtig sei, authentisch zu bleiben. Der beabsichtigte Seitenhieb war damit unverkennbar.

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  • Donnerstag, 30.06.2011 – 13:15 Uhr
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