Wegen Kollektivstrafen Fan-Netzwerk fordert Umdenken der Uefa

Gegen Komplettausschlüsse: Das Fan-Netzwerk "Football Supporters Europe" ruft die Uefa auf, ihre Sanktionspolitik bei Fanvergehen grundlegend zu ändern. Die jetzige Praxis sei unfair und Augenwischerei.

Leere Ränge in Moskau: Geisterspiel der Bayern 2014
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Leere Ränge in Moskau: Geisterspiel der Bayern 2014


Das Fannetzwerk "Football Supporters Europe" (FSE) fordert die Uefa auf, ihren Umgang mit rassistisch motivierten Diskriminierungen in Fußballstadien grundlegend zu überdenken. In einem offenen Brief wenden sich die FSE-Vertreter an das Uefa-Exekutivkomitee und fordern es auf, Diskriminierung im Fußball ernsthaft und nachhaltig zu beseitigen.

Zwar unterstützen die Unterzeichner die "Null-Toleranz-Politik" des europäischen Fußballverbands gegen Rassismus, kritisieren allerdings deren praktische Umsetzung durch den europäischen Fußballverband. Die Verfasser des Schreibens repräsentieren eigenen Angaben zufolge über 100 Fangruppen und -dachverbände aus ganz Europa und vertreten insgesamt über 100.000 Mitglieder.

FSE-Sprecher Philipp Markhardt begründet den Vorstoß: "Die Uefa wird ihre breite Front gegen Rassismus nicht erreichen, wenn sie gleichzeitig diejenigen sanktioniert, die unschuldig sind oder sich gar selber aktiv gegen Rassismus engagieren."

Wegen rassistischer Entgleisungen des Kiewer Anhangs sollte die Partie zwischen Dynamo Kiew und Manchester City (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) ursprünglich ohne Zuschauer ausgetragen werden. Die Manchester-Fans sahen sich durch diese Maßnahme jedoch entschieden benachteiligt.

Es wäre bereits das zweite Mal innerhalb von zwei Jahren gewesen, dass sie ein Champions-League-Spiel ihrer Mannschaft nicht hätten besuchen dürfen - aufgrund des Fehlverhaltens des gegnerischen Fanlagers. Die Uefa änderte daraufhin überraschend ihre ursprüngliche Entscheidung, so dass die Partie nun doch unter Zuschauerbeteiligung stattfinden kann.

Absprachen hinter den Kulissen?

Derzeit sei es nach Ansicht von FSE gängige Praxis innerhalb der Uefa, Vereine bei rassistischen oder diskriminierenden Vorfällen mit kompletten Zuschauerausschlüssen zu bestrafen. Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit zeigten aber nicht nur "ein großes Maß an Respektlosigkeit" gegenüber allen unschuldigen Fans, wie es in dem Brief heißt.

So waren auch die Fans des FC Bayern im September 2014 von dem Ausschluss betroffen, als Gegner ZSKA Moskau wegen rassistischer Ausfälle ihrer Anhänger zu einem Geisterspiel verurteilt wurden. Schon damals war die Kritik an dieser Maßnahme massiv.

Sie bewirke laut FSE darüber hinaus das genaue Gegenteil einer effektiven Bekämpfung von Rassismus. So würden neben der Stigmatisierung derjenigen, die die Vorfälle öffentlich ansprechen, lediglich öffentlichkeitswirksame Alibi-Aktionen gegen Rassismus initiiert.

In manchen Fällen würden, so die Fanvertreter, Vereine gar geheime Absprachen mit rassistischen Teilen ihrer Fanszenen treffen. Für das Versprechen sich auf europäischer Ebene weitestgehend ruhig zu verhalten, würden die Privilegien der entsprechenden Gruppen in den nationalen Ligawettbewerben im Gegenzug sogar noch erhöht.

So würden lediglich "künstlich akzeptable oder oberflächliche Bilder für TV und die breite Öffentlichkeit" geschaffen, heißt es weiter. Das alles unter Duldung der Uefa. "Wenn man Rassismus und Diskriminierung wirklich bekämpfen will, muss man seine bisherige Strategie ändern", sagt Markhardt daher.

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE möchte sich die Uefa derzeit nicht zu dem FSE-Brief äußern.

elo

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