"Fußball seiner Wurzeln beraubt" Fan-Organisationen beenden Dialog mit DFB und DFL

Ob Montagsspiele oder WM-Affäre: Die organisierten Fußballfans vermissen bei DFB und DFL den wirklichen Willen zu einem Neuanfang. In Gesprächen sehen sie derzeit daher keinen Sinn. Die Verbände reagierten mit Bedauern.

Fanprotest gegen den DFB am vergangenen Wochenende
DPA

Fanprotest gegen den DFB am vergangenen Wochenende


Der Zusammenschluss der Fanszenen in Deutschland hat den Dialog mit dem DFB und der DFL aufgekündigt. In den vergangenen Monaten habe sich der Eindruck manifestiert, "dass der Fußballsport noch weiter seiner sozialen und kulturellen Wurzeln beraubt werden soll, um ihn auf dem Altar der Profitgier von den Verbänden auszunehmen", begründete das Fanbündnis am Dienstag in einem Statement seinen Ausstieg aus den Gesprächen mit den Dachorganisationen des deutschen Fußballs.

Als Beispiele wurden die Einführung von Montagsspielen in der 3. Liga, der aus Sicht der Fans weiterhin willkürliche Strafenkatalog des DFB, mangelnde Transparenz bei der Aufarbeitung der WM-Affäre 2006 sowie die "vermeintliche Neuregelung der Regionalligen", die zu einem Glücksspiel umfunktioniert worden sei, genannt. "Aus diesem Grund sehen wir keine andere Möglichkeit, als die Gespräche mit sofortiger Wirkung zu beenden und den Protest noch engagierter als zuvor in die Stadien zu tragen", heißt es in der Mitteilung.

In den zwei Gesprächen seit vergangenem Sommer habe sich der Eindruck verfestigt, "man wolle diesen Dialog wie in den vergangenen Jahrzehnten nutzen, um mit einem medienwirksamen Gesprächsangebot und netten Worten die Taten um jeden Preis zu vermeiden", heißt es weiter in der Stellungnahme.

DFB und DFL haben mit Bedauern darauf reagiert. Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga verwiesen in ihren Erklärungen jeweils darauf, dass bei zwei Treffen wegweisende Veränderungen angestoßen worden seien. Dazu zählten unter anderem die Aussetzung der Kollektivstrafen für Vereine bei Verstößen von Fans und das Bekenntnis zum Erhalt der Stehplätze. Ungeachtet der Ankündigung würden DFB und DFL die Kommunikation mit den Fans auf verschiedenen Ebenen fortsetzen.

aha/dpa/sid

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insgesamt 20 Beiträge
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Mertrager 21.08.2018
1. Da ist was d‘ran
Das sieht man schon als normaler Zuschauer. - Es geht nur um Geld. Wie die restliche Gesellschaft, zB die Vereine, das organisieren können, ist denen „oben“ egal. Als Arbeitgeber sieht am das am Nachlassen der Leistung bei betroffenen Personen. Der Fullball ist aufgrund der ausgeuferten Termin nicht mehr nebenher zu organisieren. Wer da alles mitnehmen will, bekommt Zeitprobleme mit seinem restlichen Leben. Ggf auch mit seinem Job.
hman2 21.08.2018
2. Korruption ist ja jetzt kein Fall für den Ethikodex der FIFA mehr,
http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/fussball-weltverband-fifa-streicht-korruption-auf-ethikkodex-15738139.html Korruption findet anscheinend nicht mehr statt... Dafür werden aber jetzt interne Kritiker gegängelt: "Künftig muss mit Ermittlungsverfahren rechnen, wer sich öffentlich „in diffamierender Weise gegenüber der Fifa und/ oder jeder anderen Person, die an diesen Kodex gebunden ist, im Kontext von Fifa-Veranstaltungen äußert“. Die sozialen Wurzeln des Fußballs sind sowas von tot auf allen Verbandsebenen...
Strai 21.08.2018
3. Und trotzdem gehen sie weiter ins Stadion
Ich kann den Kummer der „Fans“ verstehen, aber im Grunde sind sie selbst das Problem. Denn sie machen jeden Mist mit, den der DFB ihnen aufbürdet, fahren bspw. zu Montagsspielen und werden vermutlich sogar in die Wüste reisen zur nächsten WM. Wenn diesen „Fans“ der Fußball so wichtig ist, warum machen sie dann nicht Ernst und bleiben den kommerziellen Spielen fern? Einfach mal einen Monat lang nicht in die großen Stadien gehen und sich dafür die Spiele der lokalen Vereine anschauen. Die spielen zwar nicht so ansehlich, aber wer die „sozialen und kulturellen Wurzeln“ des Fußballs bemüht, sollte auch dazu stehen. Stattdessen werden sie brav die hohen Eintrittspreise im kommerziellen Fußball zahen und somit das System, das sie kritisieren, selbst mitfinanzieren und am Leben erhalten.
nochnestimme 21.08.2018
4. Glaubwürdigkeit geht anders
Bei aller solidarischen Kritik am Gebaren des Profifußballs darf man die Widersprüchlichkeit nicht verkennen, wenn sich die Fanszene hier als Hüter von Moral und Ethik darstellt. Immerhin kommen rassistische Zwischenrufe oder fliegende Bengalos und Raketen leider aus genau dieser Ecke. Nein, die organisierten Fanclubs sind nicht der Fußball. Dazu gehören andere Akteure genau so. Die haben ihre eigenen Interessen, in der Regel von Gewinnerwartung getrieben. Was sich also tut und verändert ist absolut systemimmanent, so funktioniert die Chose im Postkapitalismus.
Anna156464641156 21.08.2018
5. Das macht die Aktive Fanszene doch schon.
Zitat von StraiIch kann den Kummer der „Fans“ verstehen, aber im Grunde sind sie selbst das Problem. Denn sie machen jeden Mist mit, den der DFB ihnen aufbürdet, fahren bspw. zu Montagsspielen und werden vermutlich sogar in die Wüste reisen zur nächsten WM. Wenn diesen „Fans“ der Fußball so wichtig ist, warum machen sie dann nicht Ernst und bleiben den kommerziellen Spielen fern? Einfach mal einen Monat lang nicht in die großen Stadien gehen und sich dafür die Spiele der lokalen Vereine anschauen. Die spielen zwar nicht so ansehlich, aber wer die „sozialen und kulturellen Wurzeln“ des Fußballs bemüht, sollte auch dazu stehen. Stattdessen werden sie brav die hohen Eintrittspreise im kommerziellen Fußball zahen und somit das System, das sie kritisieren, selbst mitfinanzieren und am Leben erhalten.
Siehe Hannover 96 oder der Boykott der Borussia Fans des Auswärtsspiel nach Leipzig oder bei Spielen der Nationalmannschaft und schon drei mal nicht beim "Die Mannschaft Cola Fanclub" usw. Nur dann heißt es direkt die böse Ultras. Und von der Medienzunft wird dann unglaublicher Bockmist geschrieben um sich beim DFB und den Vereinen einzuschleimen. Das ganze hat sogar noch weitere Effekte wie, daß die Aktiven, die es ernst meinen, auch irgendwann jede Lust verlieren und am Ende sich nur noch irgendwelche Hohlbirnen im Stadion tummeln die das ganze für ihre kruden politischen Ansichten ausnutzen. Wer das nicht glaub, dem empfehle ich über einen längeren Zeitraum mal in den Kurven zu stehen.
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