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Münchner FanRun: FC Bayern und "Bild" irritieren mit Charity-Aktion

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Screenshot des "FC Bayern FanRun": Ein Jahr "Bild" obendrauf Zur Großansicht

Screenshot des "FC Bayern FanRun": Ein Jahr "Bild" obendrauf

Eigentlich eine gute Idee: Für die Flüchtlingshilfe sollen Bayern-Fans in die Münchner Arena laufen. Doch die Umsetzung wirft Fragen auf. Wie viel Geld kommt bei Charity-Organisationen an?

Eine gemeinsame Aktion des Bundesliga-Rekordmeisters FC Bayern München und der "Bild"-Zeitung verwundert die Fans. Am 10. Oktober sollen 20.000 Läufer am "FC Bayern FanRun in der Allianz Arena" teilnehmen. Mit dem Fünf-Kilometer-Lauf setze "jeder Läufer ein Zeichen für Menschlichkeit", heißt es auf der Internetseite des Klubs.

"Die größte Flüchtlingswelle seit vielen Jahrzehnten stellt auch Deutschland vor eine große Herausforderung", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. "Die Bundesliga hat hier die Verpflichtung, sich in verantwortungsvoller Weise zu präsentieren. Mit dem FC-Bayern-FanRun besteht für uns, für alle Fans die Möglichkeit, dieser Verantwortung mit einer schönen sportlichen Geste gerecht zu werden."

Der Lauf findet in Kooperation mit der "Bild"-Zeitung statt, demnach unterstützen die Teilnehmer mit der Startgebühr von 29,99 Euro die Aktionen #refugeeswelcome - WIR HELFEN sowie "Ein Herz für Kinder", bei denen das Boulevardblatt federführend ist. Für weitere Informationen wird auf die Seite fan.run verwiesen. Doch dort blieben zunächst zentrale Fragen ungeklärt, hinzu kommen Ungereimtheiten, die viele Fußball-Interessierte ins Grübeln brachten.

GmbH "in Gründung"

Das bekannte Bayern-Blog "Miasanrot" veröffentlichte zu diesem Thema einen Eintrag, überschrieben mit "FanRun mit Fragezeichen". Der Twitteruser @Helmi hatte ebenfalls einige kritische Fragen - und sammelte Hinweise und Rechercheergebnisse in einem Storify.

Es beginnt beim Veranstalter: Im Unternehmensregister sowie im Handelsregister wird kein Unternehmen mit dem Namen FanRun GmbH geführt. Für Aufklärung sorgt hier aber das Registergericht München. Dort sei zu dem Namen der Firma ein Vorgang im System zu finden, sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Die FanRun GmbH habe sich demnach angemeldet. Sie ist also offiziell eine GmbH i.G., also "in Gründung". Auf der Internetseite fehlte ein solcher Hinweis jedoch, erst nach einer schriftlichen Anfrage wurde der Zusatz eingefügt. Eine Handelsregistereintragung werde voraussichtlich am Freitag erfolgen, teilte FanRun-Geschäftsführer Ralf Nagel mit.

Vorher: FanRun GmbH Zur Großansicht

Vorher: FanRun GmbH

Nachher: FanRun GmbH i.G. Zur Großansicht

Nachher: FanRun GmbH i.G.

Ebenfalls merkwürdig: Für die Anmeldung zum Rennen bekommt man es mit drei unterschiedlichen Namen zu tun: Das Anmeldeformular ist auf der Fanrun-Seite zu finden, bereitgestellt wurde es jedoch von Trackmyrace.com. Die Abbuchung wiederum erfolgt zugunsten der Mandigo GmbH. Ein Blick in die Impressen der Seiten zeigt: Alle drei Angebote haben ihren Sitz in der Münchner Gollierstraße, Geschäftsführer von Mandigo ist derselbe wie bei Fanrun: Ralf Nagel.

Dieser begründet das Vorgehen so: "Wir haben kurzfristig eine Veranstaltungsgesellschaft FanRun gegründet, um einer Veranstaltung dieses Formats gerecht zu werden." Trackmyrace.com sei demnach keine eigene Firmierung, sondern ein Produkt der Firma Mandigo.

Und wo landet das Geld?

Eine zentrale Frage bleibt auch beim Blick in die Teilnahmebedingungen und AGBs ungeklärt: Wie viel Geld kommt am Ende bei den konkreten Projekten an? Die gesamte Teilnahmegebühr von 29,99 Euro, wie es die Botschaft des FC Bayern suggeriert? Oder bekommen die Münchner etwas ab? Wie viel landet bei welchem Hilfsprojekt? Und fallen bei der FanRun GmbH, die ja ein kommerzielles Unternehmen ist, wirklich keine Gebühren für Organisation und Ausrichtung an?

Das deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen, das ein Spenden-Siegel herausgibt, schreibt in seinen Leitlinien: "Die Organisation setzt ihre Mittel ausschließlich für die in der Satzung festgelegten Zwecke ein. Sie organisiert, dokumentiert und belegt dies in angemessener Weise. Es besteht kein Missverhältnis zwischen den in der Satzung genannten Zwecken und den tatsächlich realisierten Vorhaben." Beim FanRun ist ein solches Spenden-Siegel nicht zu finden.

Die Zwecke sind zwar vom FC Bayern genannt (#refugeeswelcome - WIR HELFEN und "Ein Herz für Kinder"), die FanRun GmbH gibt hingegen nur allgemeine Infos über die Charity-Aktionen, die Strecke und den Rennablauf bekannt, Hinweise zur konkreten Aufteilung des Geldes lassen sich nicht finden.

Erst auf Nachfrage erklärt Nagel hierzu: "Nach Abzug der Eventkosten werden die Einnahmen aus Spenden und Startgeldern vollständig an Flüchtlingsprojekte gegeben." Wie hoch die Eventkosten jedoch sind, blieb unbeantwortet. Die "Bild"-Zeitung ließ mitteilen, dass man an der Aktion kein Geld verdiene. Der FC Bayern hat sich trotz Anfrage noch nicht zu den offenen Fragen geäußert.

Gutschein fürs "Bildplus"-Abo

Ein weiteres Detail, das für Verwirrung in der Fan-Gemeinde sorgte: Ursprünglich gab es bei der Anmeldung offenbar einen Reiter mit der Botschaft: "1 Jahr Bildplus Digital inkl. Bundesliga bei Bild im Wert von 59,88 Euro in der Anmeldegebühr enthalten." Beinhaltete die Anmeldung etwa den automatischen Abschluss eines solchen Abos? Auch hier gab es später eine Veränderung.

Vorher: Abo enthalten, Quelle: Twitter Zur Großansicht

Vorher: Abo enthalten, Quelle: Twitter

Nachher: Gutschein enthalten Zur Großansicht

Nachher: Gutschein enthalten

Nun heißt es auf der Internetseite, dieses Paket sei lediglich als Gutschein enthalten. Es finde keine automatische Anmeldung statt. Laut Geschäftsführer Nagel sind die Gutscheine automatisch in die Anmeldung über Trackmyrace.com integriert, sie könnten optional genutzt werden.

Alles in allem: Ziemlich viel Intransparenz für einen guten Zweck.

Im Video: Wie die Bundesligisten Flüchtlingen helfen

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insgesamt 81 Beiträge
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1. FCB=Bild
malcom1 18.09.2015
Wieder ein Grund niemals FCB Fan zu werden.
2.
archi47 18.09.2015
ist für die da, die dem System zu viel entnommen haben und den "Zehnten" wieder zurückgeben wollen - aber halt nach ihrem gusto! Die Alternative wäre, dem "Kaiser" / Staat zu geben, was des Kaisers ist, damit er seine Aufgaben nach seinen Regeln erfüllen kann. Da hätte Charity und Werbung allerdings keinen Platz, wäre auch kein Kostenfaktor. Ungleichgewichte in Aneignung und Verteilung werden so jedenfalls nicht verändert.
3.
friedrich_eckard 18.09.2015
Ich gestatte mir eine Anleihe bei Kurt Tucholsky: "Wenn bei des Vollmonds Dämmerlichte, das zagend durch die Zweige sieht, durch dunkeln Hain von Tann' und Fichte ein fauliges Gerüchlein zieht -: Das ist, was da so grauslich riecht, BILD/Bayern, wo vorüberfliecht."
4.
niska 18.09.2015
Es macht schon ein wenig den Anschein, dass hier findige Geschäftemacher mit dem Leid von Flüchtlingen und der aktuellen Woge der Hilfsbereitschaft, Geld machen wollen. Und dann auch noch eine Abo-Falle dazu... Es gibt sicher seriösere Arten zu Helfen.
5. ...
ZeroQ 18.09.2015
Was interessiert mich das? Diese ganzen Hilfs- und Spendenaktionen bringen nichts. Wird damit irgendwie den Menschen langfristig geholfen. Wann macht man sich bewusst dass das keine Flüchtlingswelle ist, sondern eine Völkerwanderung, die Menschen und Bewohner aus den arabischen Ländern fliehen vor dem Elend in ihren Ländern. Ich bin mir sicher dass in den nächsten Jahren die Bilder on Flüchtlingen zum Alltag gehören wird. Also glaubt hier irgendjemand, dass mich interessiert, ob er FC Bayern und die BILD eine bescheidene Aktion durchführen und Menschlichkeit vorheucheln? In tausenden von Jahren wird man noch von dieser Zeit sprechen. In der Vergangenheit sind die Menschen vor den Hunnen geflohen, heute fliehen sie vor IS und den Kriegstreibern EU und Mördern aus den USA und Russland.
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