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Fans wenden sich vom Profifußball ab: Auf der Suche nach Liebe

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Die zweiten und dritten Mannschaften der Bundesligavereine haben so viele Zuschauer wie selten. Die Teams bieten Zuflucht für jene, die vom Kommerz des Fußballgeschäfts enttäuscht sind. Einige haben sich bereits komplett vom Profisport abgewandt.

Regionalliga-Derby zwischen Bayern II und 1860 II: Voll besetzte Tribünen Zur Großansicht
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Regionalliga-Derby zwischen Bayern II und 1860 II: Voll besetzte Tribünen

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Die Fans von Union Berlin haben die Hoffnung nicht aufgegeben, noch nicht. Für jedermann sicht- und hörbar protestierten sie am Wochenende gegen Kommerz im Profifußball. Mit 15 Minuten Stille und einer Wand aus schwarzen Regenponchos machten sie ihren Gästen von RB Leipzig deutlich: "Mit eurem Brausegeld seid ihr hier nicht willkommen." Die Union-Anhänger nutzten die Öffentlichkeit, um gegen das zu demonstrieren, was ihnen am Fußballgeschäft zuwider ist. Sie wehrten sich.

Andere Fangruppen haben dagegen kapituliert. Sie erheben ihre Stimmen nicht mehr, sie halten keine Spruchbanner mehr hoch; sie ziehen sich zurück. Schluss, aus mit der Beziehung. Sie sind enttäuscht von undurchsichtigen Verboten auf den Tribünen, von teuren Ticketpreisen, von Spielern und Trainern, die kommen und gehen, von Eventfans in der Vip-Loge.

Doch aufgeben wollen sie den Fußball, ihre Liebe, nicht. Sie verabreden sich jetzt nur woanders: bei zweiten und dritten Mannschaften ihrer Vereine. Zu Spielen, bei denen die Bratwurst zwei Euro kostet und die im Beekestadion in Hannover-Ricklingen oder am Mainzer Bruchweg ausgetragen werden. Weil ihr Verlangen nach Fußballromantik von den Erstligateams nicht mehr ausreichend gestillt wird, oder weil sie derzeit keine Hoffnung auf Versöhnung haben, suchen sich etliche Fans eine neue Heimat (aktuelle Zahlen siehe Grafik).

Die Details mögen variieren, doch das Hauptproblem ist immer das gleiche: Entfremdung. Am auffälligsten zu beobachten ist das beim Hamburger SV und bei Hannover 96, bei denen sich in den vergangenen Monaten diejenigen von der Bundesligamannschaft abgewandt haben, die sich für die treuesten Fans halten.

Die Hannoveraner Ultras besuchen neuerdings die Spiele der U23 in der Regionalliga Nord. Dass sie bei den Profis fehlen, fällt vor allem auswärts auf. Beim ersten Gastspiel der Saison in Mainz waren deutlich mehr leere als besetzte Plätze im Gästeblock zu sehen. Ein kümmerliches Bild. Es ist das Ergebnis eines Streits mit der Vereinsführung um Klubchef Martin Kind. Die Fans haben sich in der Vergangenheit mehrere Verfehlungen geleistet mit der massiven Nutzung von Pyrotechnik unter anderem beim Derby gegen Eintracht Braunschweig in der vergangenen Saison.

Von Kind ist die Aussage überliefert, wonach er einen Teil der Hannoveraner Fans für "Arschlöcher" hält, und er reagierte mit Härte auf die Ausfälle des eigenen Anhangs. Er erhöhte vorübergehend die Eintrittspreise für die beiden Fanblöcke, in denen sich die Ultras aufhalten, um davon Verbandsstrafen zu bezahlen; "Kollektivstrafen sind manchmal nötig", erklärte er. Außerdem verbot der Verein seinen Fans beim Rückspiel in Braunschweig in der vergangenen Saison zusammen mit dem Innenministerium die private Anreise, einige Anhänger klagten gegen das Modell.

Vor der neuen Saison wollte der Klub die Dauerkarten der Fans in den beiden Ultra-Blöcken zunächst nicht verlängern, ehe Kind doch noch einlenkte. Da hatten die Ultras sich aber schon gegen die erste Mannschaft und für die zweite entschieden. Sie seien "einfach nicht mehr bereit, die Jubelperser abzugeben", sagte ein Fan dem Portal Faszination Fankurve.

"Abschaffung sämtlicher Mitbestimmung"

Auch in Hamburg hat sich die Ultragruppe "Chosen Few" komplett zurückgezogen, sie werde "in der kommenden Saison die ausgegliederte Profiabteilung nicht unterstützen. Das beinhaltet sämtliche Aktivitäten im Stadion", teilte sie im Juli mit. Das Misstrauen gegenüber der Vereinsspitze war zu groß geworden.

Schon länger hatten die Ultras wegen der Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Gesamtverein Bauchschmerzen, für sie ist es eine "Abschaffung sämtlicher Mitbestimmung". Doch wirklich kritisch wurde es erst nach der Stellungnahme des Vorstandes zu den Auseinandersetzungen von Fans mit der Polizei am 2. Mai beim Spiel gegen Bayern München. 150 Menschen waren damals verletzt worden. "Zu keinem Zeitpunkt hat uns der Verein hier unterstützt", klagten die "Chosen Few".

Da die zweite Mannschaft des HSV ebenfalls zur AG gehört, besuchen die "Chosen Few" seit Beginn der Saison Spiele des Hamburger SV III - der ersten Mannschaft des HSV e.V. Einigen war aber auch das noch nicht genug, sie gründeten einen eigenen Verein, den HFC Falke. Auf dessen Homepage erklären die 15 Gründungsmitglieder ihren Antrieb:

"Die allgemeine Entwicklung des professionellen Fußballs, gerade in den letzten 15 Jahren, hat leider nun auch unsere Heimat eingeholt. Angefangen mit dem Verkauf von Stadionnamen über Änderungen von Vereinsnamen und dem Verkauf von Vereinsanteilen bis hin zu Politikern, die den Fußball als Wahlplattform nutzen, hat sich der moderne Profifußball immer mehr entfremdet und entwickelt sich zu einem Event- und Kapitalmonster. Irgendwann kommt der Punkt, an dem auch die letzte Schmerzgrenze überschritten ist und man sich fragt, was man nun machen soll."

Das Ziel sei es, zur Saison 2015/2016 mit einer eigenen Mannschaft in der Kreisklasse anzutreten, "und uns das wieder zurückholen, was wir glauben, verloren zu haben: die Liebe zum Sport".

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2. Liga: Erst schwarz, dann bunt
Doch nicht immer muss die Trennung so dramatisch verlaufen wie in Hamburg oder Hannover. Die Bayern-Fanvereinigung Club Nr. 12 berichtet etwa seit einiger Zeit mit einem Twitter-Liveticker von den Spielen ihrer Amateure, und in Mainz oder Dortmund besuchen zwar mehr Fans die Spiele der zweiten Mannschaften, doch für die meisten von ihnen ist es ein Zusatzhobby. "Bruchweg zieht", sagt ein Mainzer Anhänger, "man kann guten Fußball sehen und dabei in Ruhe sein Bier trinken." Auf Bundesligaspiele wolle er dafür nicht verzichten, auch wenn er dafür in die "Coface-Arena" müsse.

Auch deshalb spüren viele Vereine nur wenig vom Unmut ihrer Fans, und bleiben Plätze auf den Tribünen leer, werden sie von zahlenden Nachrückern schnell aufgefüllt. Es ist wohl wie im Leben: Die Stimmung muss erst kippen, damit beide Seiten merken, was sie aneinander hatten.

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1. Nichts Neues
kein_gut_mensch 24.09.2014
Wir gehen schon seid Jahren in die Rote Erde (BVB) um die Amateure zu sehen. Das ist viel entspannter und wesentlich intensiver (trotz des Tabellenplatzes) und man hat schon eher das Gefühl das es um Fussball geht anstatt um die Show. Trotzdem schaue ich auch noch die BL wenn auch immer weniger. Und wenn RB nächste Saison in der BL spielt werde ich es wohl noch weniger schauen.
2.
fussball11 24.09.2014
So ist das halt. Der Fussball verkauft sich an den Freier mit der meisten Kohle und irgendwann hat der Fan keinen Bock mehr und die "ich will guten Fussball" sehen Fraktion rückt ein. Das geht so lange gut wie der Verein auch gute Leistungen zeigen kann, danach steht er allein im Regen. Ich wünsche den Investoren und Vermarktern viel Glück, ihr werdet es brauchen.
3.
DerUnvorstellbare 24.09.2014
Ja, auch ich verabschiede mich so langsam. Noch nie hat es mir so wenig Spaß gemacht Fussball zu schauen wie in dieser Saison. Ich glaube die Berichterstattung von RTL als Deutschland gegen Schottland speilte hat mir noch einmal klar gemacht worum es geht, als die Spieler nach Anzahl von Twitter-Fans bewertet wurden und wieviel Geld sie von Sponsoren bekommen. Ich hatte noch nie ein Problem damit dass Fussballer so viel Geld verdienen, doch irgendwie geht es jetzt nur noch ums Geld.
4.
mauerfall 24.09.2014
Die Zweitvertretungen nerven, die will kein Mensch sehen. Die Stimmung bei denen ist bei den meisten Spielen ein schlechter Witz und sie blockieren Plätze für wirklich interessante Vereine wie Essen, Offenbach oder Jena... Und ja, ich kenne die Videos, bei denen sich BVB- oder Bayernfans versehentlich mal in größerer Zahl unters Stadiondach gestellt haben und sich feiern, wie laut sie sind...
5. Keineswegs
smsmoewe 24.09.2014
....gibt es in Hamburg eine dramatische Trennung....die paar Leutchen der Chosen Few, die die erste Mannschaft nicht mehr unterstützt fällt keineswegs auf noch werden diese von 99% der wirklichen Fans vermisst. Grade die übermäßige Mitbestimmung der Mitglieder eines Universalsportvereins, den 99% der Fußballfans so nicht wollen haben den Verein steil gen Abgrund geschickt....die Mitglieder er Chosen few sind durchweg sehr jung und können von daher schon gar nicht zu den treuesten gezählt werden. Dem Zuschauetschnitt und der Stimmung wird deren Fehlen kein Abbruch tun, lediglich die Choreos für die sie sich selbst feierten werden verschwinden, ebenso wie deren Darstellung als Opferrolle gegenüber der Polizei wird verschwinden...nochmal, vermissen tut sie keiner der richtigen Fußballfans des HSV!
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