Köln-Gegner Arsenal Verbitterter Favorit

Beim FC Arsenal stellt sich wieder mal die Frage: Ist Arsène Wenger noch der richtige Trainer? Die wichtigsten Spieler wirken lustlos, mit der Europa League können sich die Londoner nur schwer anfreunden.

Arsenal-Teammanager Arsène Wenger
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Arsenal-Teammanager Arsène Wenger

Aus London berichtet


Arsène Wenger hat versucht, das Thema zu umschiffen. Vor dem Start in die Europa League gegen den 1. FC Köln wurde er gefragt, ob es für ihn einen Unterschied bedeute, im internationalen Wettbewerb nicht an den gewohnten Wochentagen anzutreten, dienstags oder mittwochs, sondern an einem Donnerstag. Nein, sagte Wenger, das sei unerheblich: "Ob wir mittwochs und dann in der Liga wieder am Samstag oder donnerstags und dann wieder Sonntag spielen, ist egal."

Arsenals Trainer wusste natürlich, dass es bei der Frage nicht um die Terminierung der Premier-League-Partien ging, sondern darum, mit welchen Gefühlen der Klub zum ersten Mal seit 1999/2000 und dem verlorenen Finale im Uefa-Pokal gegen Galatasaray wieder in den zweitklassigen europäischen Wettbewerb startet.

In den vergangenen Jahren waren die Londoner Stammgast in der Champions League, meist bis zu einem Duell mit den Bayern. 2006 kamen sie sogar ins Endspiel gegen den FC Barcelona. In der abgelaufenen Saison wurde der Klub in der Premier League allerdings nur Fünfter und muss sich deswegen mit der Europa League begnügen.

Europa League als Trostrunde

Und während Gegner Köln der Partie an diesem Donnerstag (21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit einer fiebrigen Aufregung entgegen sieht, als würden Weihnachten und Ostern, Weiberfastnacht und Rosenmontag auf einen Tag fallen, scheint der Wettbewerb für Arsenal eine lästige Trostrunde zu sein.

Zu dieser Erkenntnis brauchte es keine Worte Wengers, ein Blick auf das Personal genügt: Er schont gegen Köln eine Reihe wichtiger Spieler, unter anderem Stammtorwart Petr Cech, den ehemaligen Mönchengladbacher Granit Xhaka, Rekordeinkauf Alexandre Lacazette und Mesut Özil. Die Premier League und das Stadtduell mit dem FC Chelsea am Sonntag (14.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) haben Vorrang.

Doch es könnte sich als Fehler erweisen, die Europa League gering zu schätzen. Denn Arsenal kann im Moment jedes Erfolgserlebnis gebrauchen. Manchester United hat in der vergangenen Saison gezeigt, wie sich mit einem Triumph im kleineren der beiden kontinentalen Wettbewerbe eine ansonsten eher trübe Kampagne aufhübschen lässt.

Wenger-Protest
REUTERS

Wenger-Protest

Nach vier Ligaspielen umgeben den FC Arsenal die bekannten Debatten. Fans und Fachleute diskutieren, ob Wenger nach 21 Jahren noch der richtige Trainer ist. Dass sein Vertrag um zwei weitere Jahr verlängert wurde, hat Entsetzen bei Teilen der Anhängerschaft ausgelöst. Beim 0:4 gegen den FC Liverpool Ende August erlebte der Klub früh in der Saison einen verstörenden Zusammenbruch, dessen Eindrücke der 3:0-Erfolg gegen Bournemouth am vergangenen Wochenende nicht verdecken kann.

Ärger bei Sanchez, Witze über Arsenal

Seit Jahren geht es nicht voran beim FC Arsenal. Der Verein hat es sich bequem gemacht im Verfolgerfeld der Premier League, wird mal Dritter, mal Zweiter, aber so oft Vierter, dass es schon ein Dauerwitz in Sozialen Netzwerken ist. Arsenal spielt nie eine richtig schlechte aber eben auch nie eine richtig gute Saison. Es ist eine gewisse Lethargie zu spüren, eine gewisse Anspruchslosigkeit.

Und ab und an macht sich der Klub zum Gespött, wie beim 2:8 gegen Manchester United im August 2011 oder zuletzt in Liverpool. In England werden über Arsenal ungefähr genau so gerne Witze gemacht wie in Deutschland über den Hamburger SV. Die wenig erbauliche Gemengelage führt dazu, dass die besten Spieler weg wollen oder zumindest ein langfristiges Bekenntnis vermeiden.

Der Chilene Alexis Sánchez drängte in der abgelaufenen Transferphase auf einen Wechsel und wäre beinahe bei Manchester City gelandet. Der Handel scheiterte daran, dass Arsenal keinen Ersatz fand. Sánchez musste bleiben und hat seitdem schlechte Laune. "Innerhalb weniger Stunden ging es bei ihm von Fröhlichkeit zu Verbitterung", verriet der bei City angestellte Nationalmannschaftskollege Claudio Bravo. Der Wechsel ist wohl nur aufgeschoben. Sánchez kann den FC Arsenal nach der Saison ablösefrei verlassen.

"Unterschreib einen neuen Vertrag, wenn du dich ungerecht behandelt fühlst"

Genau wie Özil. Der deutsche Nationalspieler steht wieder einmal in der Kritik, ihm werden Lauffaulheit und fehlende Bereitschaft zur Abwehrarbeit vorgeworfen. "Er hat ein Weltklasse-Talent, macht aber zu wenig daraus. Wenn der Ball weg ist, ist Arsenal mit ihm in Unterzahl", sagte Liverpools Legende Steven Gerrard.

Die Verhandlungen über Özils auslaufenden Vertag blieben bislang ohne Ergebnis, angeblich gibt es im Moment keine Gespräche. Deshalb hat er ein Glaubwürdigkeitsproblem. Als Özil sich neulich mittels Facebook gegen seine Kritiker wehrte, war die Reaktion vernichtend. "Unterschreib einen neuen Vertrag, wenn du dich ungerecht behandelt fühlst", rief ihm Arsenals ehemaliger Angreifer Ian Wright zu.

Trotz der Störgeräusche gehört der Klub in der Europa League zu den Favoriten, der Kader ist stark genug für den Titel. Gegen Köln werden voraussichtlich Theo Walcott, Olivier Giroud und Sánchez die Offensive bilden. Andere Teilnehmer würden sich freuen, über eine solche B-Auswahl zu verfügen.



insgesamt 2 Beiträge
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Nonvaio01 14.09.2017
1. jaja die Fans
die Bosse von Arsenal sind aber super zufrieden mit Arsene, unter Arsene hat der Club richtig geld gescheffelt und hat auch ein Festgeldkonto wie der FCB hat/hatte. Zwischendurch gewinnt Arsenal dann den FA cup immer mal wieder. Arsene hat noch nie wert auf verteidigung gelegt, merkt man an den Torhuettern.
gerechtzz 14.09.2017
2. Bei der Konkurrenz
schlägt sich Arsenal nicht schlecht, dass wissen auch die Bosse. Und ein frühes Aus in der EL kommt Arsenal ganz gelegen. Auch dieses Jahr dürfte es eng um Platz vier werden, nur das Liverpool, Chelsea und Tottenham noch in der CL ran müssen.
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