Nach dem Abschied des Trainers Und jetzt, Arsenal? Und jetzt, Arsène?

Diese Frage musste sich seit Jahrzehnten niemand stellen: Wer wird der nächste Arsenal-Trainer? Und auch diese nicht: Was macht Arsène Wenger in Zukunft beruflich? Vier Szenarien.

Arsène Wenger
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Vielleicht läuft es am Ende wie bei Guy Roux. Der saß 44 Jahre lang auf der Trainerbank der AJ Auxerre. Roux führte den französischen Kleinstadtklub aus der dritten Liga bis zum Meistertitel und ins Viertelfinale der Champions League. Zwei Jahre nach seinem Abschied von Auxerre übernahm der damals 68-Jährige den RC Lens. Nach vier Spielen warf er den Job wieder hin. Es war einfach nicht das Gleiche.

So schwer wie man sich Roux und seine berühmte Mütze irgendwo anders vorstellen konnte als in Auxerre, so schräg wirkt der Gedanke, Arsène Wenger könnte irgendeinen anderen Verein betreuen als den FC Arsenal, den der Franzose seit 1996 geprägt hat - und damit den ganzen europäischen Fußball gleich mit. Jetzt aber steht fest: Nach 22 Jahren ist am Ende dieser Saison Schluss für Wenger in Nordlondon.

Wie geht es nun weiter für den Franzosen? Und wie geht es weiter für Arsenal?

Arsène Wenger - Was er machen sollte

Eigentlich hätte Wenger vor zehn Jahren bei Arsenal aufhören sollen. Damals hätte er sich fast jeden Klub der Welt aussuchen können. Nun, nach Jahren des Niedergangs, in denen Wenger nicht zuletzt seine mangelnde taktische Flexibilität zum Verhängnis wurde, ist die Auswahl für den Elsässer deutlich kleiner geworden. Ein absoluter europäischer Top-Klub kommt nicht mehr infrage. Aber warum sollte Wenger es sich antun, jetzt nach Southampton, Wolfsburg oder Vigo zu wechseln?

Viel attraktiver wäre der Job als Nationaltrainer. Zum Beispiel bei der englischen oder der französischen Auswahl. Eine solche Position wäre ein ganz neues Kapitel, das nicht immer mit der großen, alten Arsenal-Zeit verglichen würde. Zugleich wäre damit die Chance verbunden, noch einmal auf der ganz großen Bühne zu stehen. Das klingt nach einem runden Szenario.

Arsène Wenger - Was er machen wird

Erst im November sagte Wenger dem "Guardian": "Die wahre Erfahrung, ein Team zu trainieren, gibt es nur auf täglicher Basis." Das spricht gegen eine Zukunft als Nationaltrainer, zumindest für die kommende Saison. Wenger fühlt sich fit, er will noch nicht vom Traineralltag lassen, der sein Leben über Jahrzehnte geprägt hat. Aber was will er genau? Und wer will ihn?

Da Wenger bis zu seiner plötzlichen Ankündigung immer davon sprach, bei Arsenal weitermachen zu wollen, gibt es bisher keine Anhaltspunkte für seine eigenen Pläne. Ein Sabbatical, wie Thomas Tuchel es schon mehrfach einlegte, passt auf den ersten Blick nicht zum 68-Jährigen. So gerne Wenger in England bliebe, so schwer ist es andererseits, sich ihn bei Crystal Palace vorzustellen. Ein Klub auf dem Kontinent käme da schon eher infrage. Einer von der Kategorie Borussia Dortmund zum Beispiel.

Arsenal - Was sie machen sollten

Thomas Tuchel und Arsenal - das wäre für beide Seiten die attraktivste und sinnvollste Lösung. Haben wir zumindest im März geschrieben, als Tuchel dem FC Bayern abgesagt hatte. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll der deutsche Trainer sich allerdings bereits mit Paris Saint-Germain einig sein. Weitere Namen, die gut zu den Gunners passen würden, sind Diego Simeone und Massimiliano Allegri. Simeones Fußball ist zwar auf den ersten Blick die Antithese zu Wengers Stil. Aber Wenger war 1996 auch die Antithese zum Defensivfußball, der Arsenal jahrelang geprägt hatte. Allegri wiederum wäre nach erfolgreichen Jahren bei Juventus bereit für den Schritt in die Premier League. Mit dieser Personalie würden die Londoner nichts falsch machen.

Arsenal - Was sie machen werden

Die Quoten der englischen Buchmacher deuten darauf hin, dass kein klarer Favorit auf die Wenger-Nachfolge bekannt ist. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe wiederum deutet darauf hin, dass es bereits einen Plan gibt. Warum sonst sollte der Klub direkt vor den wichtigen Halbfinalspielen in der Europa League mit der Trennung an die Öffentlichkeit gehen?

Wenn Arsenal insgeheim bereits mit einem Wenger-Nachfolger einig sein sollte, so spräche das dann bei allen Dementi doch wieder für jemanden wie Tuchel, der frei ist. Oder für jemanden, der bereits angekündigt hat, aufhören zu wollen, wie Simeone.

Denkbar ist es allerdings auch, dass Arsenal sich für eine Variante entscheidet wie Real Madrid mit Zinedine Zidane: für eine Vereinslegende ohne große Trainererfahrung, bei der man dann sehen kann, ob sie eine Übergangslösung oder die Zukunft des Vereins sein wird. Eine solche Personalie wäre Patrick Vieira. Der langjährige Schlüsselspieler Wengers trainiert zurzeit New York City. Bei einem Angebot der Gunners müsste Vieira nicht lange überlegen. Vieira hätte aus Sicht Arsenals den Vorteil, dass er viel Kredit bei den Fans genießt, was allen Beteiligten mehr Zeit gäbe, herauszufinden, ob ihm der Sprung auf den Premier-League-Trainerstuhl gelingt. Wenn nicht, könnte man dann im zweiten Jahr immer noch eine andere, namhaftere Lösung suchen.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Ignorant00 20.04.2018
1. Rente?
Warum wird soviel über die Zukunft Wengers geschrieben? Soll er doch in Rente gehen. Alles andere wird ein Fiasko! Wie kommt der Autor darauf, das er weitermachen will? "Wenger fühlt sich fit, er will noch nicht vom Traineralltag lassen, der sein Leben über Jahrzehnte geprägt hat. " Dazu hätte ich gerne ein Indiz gelesen oder einen Hinweis gelesen.
Everhard88 20.04.2018
2.
Jeder der Wenger über Jahre verfolgt und Interviews gesehen hat, weiß das er nicht vom Fussball loslassen wird. Und warum sollte es ein Fiasko werden? Es ist nicht auszuschließen, dass es bei einem anderen Verein wieder klickt.
torflut 21.04.2018
3. unlogisch
Sie, Herr Raecke, bringen einen Job als Nationaltrainer ins Spiel und bescheinigen AW vorher einen Mangel an Flexibelität. Das passt doch nicht zusammen. Er wird schon selber wissen was ihm gut tut. Ich wünsche ihm dazu Alles Gute!
Prussia Culé 21.04.2018
4. Indiz
Zitat von Ignorant00Warum wird soviel über die Zukunft Wengers geschrieben? Soll er doch in Rente gehen. Alles andere wird ein Fiasko! Wie kommt der Autor darauf, das er weitermachen will? "Wenger fühlt sich fit, er will noch nicht vom Traineralltag lassen, der sein Leben über Jahrzehnte geprägt hat. " Dazu hätte ich gerne ein Indiz gelesen oder einen Hinweis gelesen.
Er hat es selbst durchblicken lassen bei beIN Sports. “Yes, of course [I want to manage after Arsenal], as long as I have the physical strength and the desire to do it (...) I know that depends on my physical status and how well I am mentally. It’s a decision I’ll have to make at some stage." Es kann also gut sein, dass er weitermacht.
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