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Trainer Markus Weinzierl: Wer braucht schon Geld, wenn er Augsburg haben kann?

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FCA-Trainer Weinzierl: Jung, gut und begehrt Fotos
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Schneller als erwartet scheint sich der FC Augsburg in der Bundesliga zu etablieren. Markus Weinzierl sieht sein Projekt aber noch nicht beendet. Der begehrte Trainer könnte länger bleiben, als es manch einem Konkurrenten lieb ist.

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Markus Weinzierl lächelt, wenn man fragt. Der Erfolg, die Auszeichnungen, die Zukunft? Zur Antwort gibt es häufig ein Schmunzeln gratis. Etwas verlegen, gepaart mit leichtem Unbehagen.

Viel sagen möchte Augsburgs Trainer bei Terminen mit Journalisten eigentlich nicht. Über sich, zumindest. Weinzierl, der bereits mit 33 Jahren Drittligatrainer in Regensburg war und schon in seinem dritten Jahr in der Bundesliga zu den begehrtesten Männern an der Seitenlinie zählt, spricht lieber verallgemeinernd. Es fallen Worte wie "Team", manchmal sogar "das ist im Fußball so" oder "Die Mannschaft ist der Star".

Es ist eine manchmal phrasige, aber immer charmante Art, wenig zu preiszugeben. Dabei hätte er viel zu erzählen.

Schneller als erwartet schickt sich der FC Augsburg an, zu einer festen Größe in der Bundesliga zu werden. Es ist auch Weinzierls Leistung, weshalb ihn die Kollegen unlängst zum Trainer der Hinrunde gewählt haben. Nach Platz acht in der Vorsaison liegt der Klub vor dem Spiel am Abend bei Borussia Dortmund (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Platz fünf und würde im Falle eines Sieges auf den vierten Rang klettern. Es ist kein unrealistisches Szenario mehr, dass erstmals in der Vereinsgeschichte die Qualifikation für die Europa League gelingt - vielleicht sogar mehr.

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Das wäre nicht weniger als eine Sensation. Der Mini-Etat (zuletzt angeblich 17 Millionen Euro), die zunächst kaum konkurrenzfähigen, inzwischen aber schnell verbesserten Rahmenbedingungen (Stadion, Trainingsplätze, Nachwuchsleistungszentrum) - an die speziellen Voraussetzungen in Augsburg musste Weinzierl in den vergangenen Monaten immer mal wieder erinnern.

Unaufgeregt, ruhig, bodenständig - das sind Attribute, die auf Klub und Trainer gleichermaßen passen. Das ist angenehm und schützt vor allzu viel (medialer) Neugier. In diesem für Bundesligaverhältnisse geradezu idyllischen Umfeld ist das Projekt von Weinzierl und Manager Stefan Reuter erstaunlich weit.

Das Projekt lautet, ihren erst 2011 aufgestiegenen Klub in der Bundesliga zu etablieren. Keine vier Jahre später ist es so, dass ein Bayern-Talent wie Pierre-Emil Höjbjerg den Klub einem Verein wie Hannover 96 vorzieht und bis zum Saisonende Weinzierls Elf verstärkt. Er gesellt sich zu einem Team, in dem ehemalige Zweitligaspieler wie Daniel Baier oder Tobias Werner ein erstaunliches Niveau erreicht haben und auch vermeintlich gescheiterte Profis wie Halil Altintop nicht abfallen.

Platzierungen des FC Augsburg
Saison Nach der Hinrunde Abschlusstabelle
2014/2015 6. Platz ???
2013/2014 8. Platz 8. Platz
2012/2013 17. Platz 15. Platz
2011/2012 17. Platz 14. Platz
Seit dem Bundesliga-Aufstieg 2011
Natürlich haben das längst auch andere Klubs bemerkt, Bayer Leverkusen und Werder Bremen sollen schon mal bei Weinzierl (Vertrag bis Sommer 2017) angefragt haben. Er selbst würde das nicht bestätigen, er denke ohnehin Tag und Nacht nur an den FC Augsburg, sagte er einmal im ZDF-Sportstudio. Man darf ihm das glauben.

Wer genau hinhört, der merkt, wie sehr Weinzierl vom Projekt Augsburg überzeugt ist. Die Zusammenarbeit mit Manager Reuter preist er regelmäßig, beide soll inzwischen auch eine Freundschaft verbinden. Die sportliche Strategie, kein allzu großes (finanzielles) Risiko bei Transfers einzugehen, um formbare Spieler auf ein neues Level zu heben, funktioniert bisher.

Alles gelingt trotzdem nicht: Die vor der Saison für insgesamt mehr als sechs Millionen Euro verpflichteten Offensivspieler Caiuby, Shawn Parker, Tim Matavz und Nikola Djurdjic konnten die Erwartungen bisher nicht erfüllen. Und so ist häufig auch zu hören, dass Weinzierl in Augsburg bereits das Optimum herausgeholt habe, mehr gehe nicht.

Die branchenübliche Konsequenz? Ein Vereinswechsel. Doch für einen Mann, der bewiesen hat, dass er mit einer individuell allenfalls mäßig besetzten Mannschaft Großes leisten kann, wachsen mit dem Erfolg auch die Ansprüche an einen potenziellen neuen Arbeitgeber. Viele Adressen in der Bundesliga mit (perspektivischen) Vakanzen auf dem Trainerposten, die für Weinzierl ein deutlicher Aufstieg wären, gibt es nicht. Tatsächlich gibt es in Augsburg dagegen noch einiges zu erreichen.

Wenn Weinzierl vor überzogenen Erwartungen warnt, dann nicht ohne Hintergedanken. Freiburg und Mainz, erklärte Vorbilder für den FCA, haben erfahren, wie schwierig schneller Ruhm sein kann. Beide Klubs spielten schon international, beide kämpften anschließend zumindest kurzzeitig wieder gegen den Abstieg. Das soll in Augsburg möglichst nicht passieren.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Ein Aufstieg wie aus dem Bilderbuch
axelmueller1976 04.02.2015
Aber Ähnliches haben wir schon einmal beim BVB mit Klopp erlebt. Denn als Weinzierl kam war nach relativ kurzer Zeit erkennbar ,daß sich die Lauf-Km des FCA-Teams spürbar erhöht haben. Mittlerweile gehört der FCA zu den Spitzenteams bei den Lauf-Km in der BL. Wohin das auf Dauer führen kann sieht man jetzt beim BVB.
2. großes Kino
Champagnerschorle 04.02.2015
Was mir am FCA imponiert ist, dass der Verein immer an Herrn Weinzierl festhielt. Vertrauen und Nachhaltigkeit ist wohl nicht der schlechteste Nährboden für Erfolg. Vielleicht wäre das ja auch eine Idee für den FC mit dem N am Ende.
3. Respekt
imprtr 04.02.2015
Respekt vor dem was alle in Augsburg leisten. Ich wohn seit fast einem halben Jahr in Augsburg und überall spürt man die Identifikation der Stadt mit dem Verein. Das ist der Vorteil an so einem "idyllischen Umfeld". Augsburg ist halt noch ein halber "Dorfverein". Wenn ich seh was dagegen der Verein aus meiner Heimatstadt Stuttgart, ein ehemals großer Bundesligaclub, in den letzten Jahren so geleistet hat kann man direkt neidisch werden.
4.
schilichote 04.02.2015
Zitat von axelmueller1976Aber Ähnliches haben wir schon einmal beim BVB mit Klopp erlebt. Denn als Weinzierl kam war nach relativ kurzer Zeit erkennbar ,daß sich die Lauf-Km des FCA-Teams spürbar erhöht haben. Mittlerweile gehört der FCA zu den Spitzenteams bei den Lauf-Km in der BL. Wohin das auf Dauer führen kann sieht man jetzt beim BVB.
Mit Spannung habe ich das Winterpause erwartet – und Ihre dazugehörenden Beiträge hier im Forum. Wird der FCB seine Dominanz erhalten können? Kommt Dortmund aus dem Keller raus? Und wird User Axelmueller1976 mal wieder die Lauf-KM aus dem Keller holen? Bevor ich eine ernst gemeinte Frage an Sie stelle, möchte ich gerne noch einen weiteren ihrer Forenbeiträge zitieren. Nach dem Wolfsburg - Bayern Spiel schrieben Sie: "Wolfsburg hat absolut verdient gewonnen aber auch mehr Laufarbeit geleistet. Das wird man in der Rückrunde nicht durchhalten. Ich hoffe den überheblichen Bayern wird diese Niederlage eine Lehre sein. Und sie sollten erkennen mehr laufen und Einsatz bringt sie weiter." Was wäre Ihnen denn dann letztenendes lieber? Mehr laufen? Oder doch lieber die Rückrunde durchhalten? Und: Was ist denn so Ihre Idealvorstellung bezüglich Lauf-Kilometern? Machen Sie das irgendwie auch vom Durchschnittsalter des Teams abhängig?
5. Vorbildlich?
bocklos851 04.02.2015
Zitat von imprtrRespekt vor dem was alle in Augsburg leisten. Ich wohn seit fast einem halben Jahr in Augsburg und überall spürt man die Identifikation der Stadt mit dem Verein. Das ist der Vorteil an so einem "idyllischen Umfeld". Augsburg ist halt noch ein halber "Dorfverein". Wenn ich seh was dagegen der Verein aus meiner Heimatstadt Stuttgart, ein ehemals großer Bundesligaclub, in den letzten Jahren so geleistet hat kann man direkt neidisch werden.
Als alter VfB-ler ziehe ich den Hut. Falls Weinzierl in Augsburg bleibt und sich "vorerst" nicht nach "Höherem" berufen fühlt und er dem Geld hinterher rennt, könnte er in Augsburg eine Legende werden. Das hätte mancher Spieler beim VfB auch werden können. Aber die sind ja alle international geworden. Oder Aushilfen.
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