Liverpooler Remis in Augsburg Die Trainer hatten trotzdem Spaß

Die Aufregung war riesig: Jürgen Klopp kam nach Deutschland zurück! Doch die Partie Augsburg gegen Liverpool enttäuschte. Der Star-Trainer rettete den Abend - auf Kosten des Dolmetschers.

Von Sebastian Winter, Augsburg

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Schon vor dem Spiel unterhielten sich Liverpools Trainer Jürgen Klopp und Augsburgs Coach Markus Weinzierl angeregt auf dem Rasen, die beiden verstanden sich offenbar prächtig. Doch nach dem Euroleague-Zwischenrunden-Hinspiel, das 0:0 endete trieben es die beiden auf die Spitze.

Vor allem Klopp, der Rückkehrer, der die 15 Minuten im überfüllten Pressesaal kreativer gestaltete als seine Spieler die gesamte Partie. Vor sich hatte er eine Riesenbreze liegen, Klopp aß davon, als hätte ihn nach der dürftigen Leistung seiner Mannschaft der Heißhunger überkommen.

Die Leistung nagte tatsächlich an Klopp, der in seinem feinen dunklen Anzug an der Breze kaute und sich zweimal entschuldigte, weil er mit vollem Mund gesprochen hatte. "Ich bin nicht hundertprozentig zufrieden", sagte der 48-Jährige, bevor er dem grauhaarigen Dolmetscher neben ihm zeigte, dass es nicht unbedingt ein Spaß ist, Dolmetscher für Jürgen Klopp zu sein.

Hier die Pressekonferenz mit Jürgen Klopp im Video:

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Zunächst korrigierte er zwei Antworten des Übersetzers, dann sagte er nach einer Frage zu seinem Ex-Klub Dortmund, der gegen Porto gewonnen hatte: "Die sind ja jetzt mit einem Bein in der nächsten Runde. Das werden sie selbst wahrscheinlich auch anders sehen, denn in Porto - jetzt kann ich ein Sprichwort sagen, ohne dass ich an die englische Übersetzung denken muss - hängen die Trauben hoch."

Der Dolmetscher aber verstand "Traum" statt "Trauben", das Unheil nahm seinen Lauf, es war eine herrlich verwirrende "Lost-in-translation"-Szene, Klopp machte dann natürlich noch ein paar Späße auf Kosten des Übersetzers.

Weinzierl hatte die Geschichte mitbekommen, und als Klopp gegangen war, nahm er auf dem Podium Platz und schloss seinen Monolog mit: "Vielleicht schaffen wir eine Sensation. Aber wir wissen auch, dass in Liverpool die Trauben hoch hängen." Großes Gelächter, 1:0 für Weinzierl, für den es aber gewiss ein Traumspiel war am Donnerstagabend.

Auf dem Rasen hatte Augsburg in der ersten Halbzeit ein leichtes Übergewicht, wurde aber jäh geschockt, als Stürmer Raul Bobadilla oberschenkelverletzt zu Boden sank und mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden musste. Der nächste Verletzte im ohnehin ausgedünnten Kader der Schwaben.

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Augsburger Duell mit Liverpool: Zum Remis gekämpft
Liverpool wurde zu Beginn der zweiten Hälfte stärker, doch am Ende hatte Augsburg die besseren Chancen. Erst scheiterte Dominik Kohr an Mignolet (78.), dann traf der eingewechselte Dong-Won Ji nur den Pfosten (86.). Mit ein wenig Glück hätte Augsburg mit 1:0 gewinnen können.

Erstaunlich war ohnehin, wie sehr die Augsburger den Favoriten aus der Premier League geärgert haben. Mit einer extrem gut gestaffelten, sehr kompakten Abwehr um die Viererkette Paul Verhaegh, Christoph Janker, Ragnar Klavan und Konstantinos Stafylidis, die kaum eine Lücke freigab für Liverpools eigentlich so starke Angreifer Daniel Sturridge, Roberto Firmino und Coutinho. "Wir waren ehrlich gesagt schon enttäuscht", sagte der Ex-Leverkusener Emre Can, der sich seit 2014 in Diensten Liverpools befindet: "Das Ergebnis ist nicht so schlecht, aber bei der Art und Weise müssen wir uns verbessern."

Die Art und Weise war pomadig, mutlos, zumindest in der ersten Halbzeit. Augsburg wartete ab, das Spiel lief im Schneckentempo, doch auch FCA-Torwart Marwin Hitz war das egal: "Es war schön, heute mal wieder den Ball in den eigenen Füßen zu haben und nicht nur hinterherzulaufen", wie bei der 1:3-Niederlage vom Sonntag gegen Bayern München. Angst vor den großen Engländern hatte er nicht. "Ich muss ehrlich sagen, es war nicht so besonders, tut mir leid, es war wie jedes andere Spiel auch."

Während die Augsburger viel Selbstvertrauen in das so wichtige Sonntagsspiel beim Tabellenletzten Hannover mitnehmen - vier Tage später ist schon das Rückspiel in Liverpool, das sie nun gewinnen wollen -, kommt Klopps Mannschaft nicht voran. Sie spielt eben zurzeit wie ein Tabellenachter der Premier League - und nicht wie ein Spitzenteam. Immerhin durfte ihr Trainer Klopp noch Reiseproviant mitnehmen. Die Breze hatte er dann doch nicht ganz aufgegessen.

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Liverpool in der Einzelkritik: Viel Hype um Nichts



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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
pb-sonntag 19.02.2016
1. Wir wollen doch mal ehrlich bleiben.
Was bedeutet ein 0:0 gegen Augsburg? Nichts! Außer vielleicht für die Augsburger selbst. Nun, in Liverpool kann es ganz anders aussehen. Und wer da Hoffnung hat, wird enttäuscht. Auf der anderen Seite muss man aber auch festhalten, dass Liverpool seit Anfang des Jahres 24 Spiele hatte. Da würde sogar der selbsternannte "weltallbeste Verein" dicke Backen machen, stöhnen sie nicht schon von der Mehrbelastung im Pokal, der BL und dem CL? Also, Augsburger, das Unentschieden wie ein Sieg gefeiert und sich auf nächste Woche vorbereitet. Vielleicht hat da Liverpool auch eine schlechten Tag wie gestern - was aber nicht glaube.
widower+2 19.02.2016
2. Dolmetscher
Warum bleibt der Autor nicht bei der korrekten Bezeichnung "Dolmetscher", sondern wechselt ständig zwischen Dolmetscher und Übersetzer hin und her? Würde er das bei einem Artikel über eine Werkstatt auch tun und dann in Bezug auf dieselbe Person mal von einem Automechaniker und dann wieder von einem Fahrradmechaniker schreiben?
lofi 19.02.2016
3.
Zitat von pb-sonntagWas bedeutet ein 0:0 gegen Augsburg? Nichts! Außer vielleicht für die Augsburger selbst. Nun, in Liverpool kann es ganz anders aussehen. Und wer da Hoffnung hat, wird enttäuscht. Auf der anderen Seite muss man aber auch festhalten, dass Liverpool seit Anfang des Jahres 24 Spiele hatte. Da würde sogar der selbsternannte "weltallbeste Verein" dicke Backen machen, stöhnen sie nicht schon von der Mehrbelastung im Pokal, der BL und dem CL? Also, Augsburger, das Unentschieden wie ein Sieg gefeiert und sich auf nächste Woche vorbereitet. Vielleicht hat da Liverpool auch eine schlechten Tag wie gestern - was aber nicht glaube.
Also in der PL spielt Liverpool häufig zu Hause noch schlechter als zu Hause. Mit Mut und einem guten Hitz im Tor ist für Augsburg ein 1:1 drin.
Attila2009 19.02.2016
4.
Zitat von pb-sonntagWas bedeutet ein 0:0 gegen Augsburg? Nichts! Außer vielleicht für die Augsburger selbst. Nun, in Liverpool kann es ganz anders aussehen. Und wer da Hoffnung hat, wird enttäuscht. Auf der anderen Seite muss man aber auch festhalten, dass Liverpool seit Anfang des Jahres 24 Spiele hatte. Da würde sogar der selbsternannte "weltallbeste Verein" dicke Backen machen, stöhnen sie nicht schon von der Mehrbelastung im Pokal, der BL und dem CL? Also, Augsburger, das Unentschieden wie ein Sieg gefeiert und sich auf nächste Woche vorbereitet. Vielleicht hat da Liverpool auch eine schlechten Tag wie gestern - was aber nicht glaube.
Für Augsburg war das ein Achtungserfolg. Sie haben gut mitgespielt ,waren aber im Grunde trotz Heimvorteil nicht entscheidend besser. Das Spiel hätte dennoch mit einem knappen Ergebnis jeweils von beiden gewonnen werden können wobei Liverpool doch paar Chancen mehr hatte. Im Rückspiel werden die aber vermutlich alles klar machen. Ein interessantes und unterhaltsames Spiel war es allemal und das ohne viel Reklamationen, Divengejammer und Tricksereien, eben britisch. Hart im Zweikampf und doch fair - wobei auch die Augsburger ihren Beitrag geleistet haben. Solche Spiele sehe ich lieber als das was wir vermutlich nächste Woche geboten bekommen.
lofi 19.02.2016
5.
noch schlechter als auswärts meinte ich natürlich
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