Messis Strafstoß-Trick "Elfmeter des Jahrhunderts"

Ein Strafstoß, der zur Vorlage wird: Lionel Messi sorgte bei Barcelonas Sieg über Vigo mit einem Elfmeter-Trick für Aufsehen. Für die Aktion erntete der Superstar Applaus - und heftige Kritik.

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Was ist passiert?
Es läuft die 82. Minute im Spiel zwischen dem FC Barcelona und Celta Vigo in der spanischen Primera Division. Die Katalanen liegen bereits 3:1 in Führung, als Lionel Messi nach einem Solo im gegnerischen Strafraum gefoult wird. Der Argentinier tritt selbst zum Elfmeter an. Statt ihn aufs Tor zu schießen, tippt er den Ball nur mit dem linken Fuß an. Sturmpartner Luis Suárez hat darauf gelauert, er prescht nach vorne und schießt den Ball zum 4:1 ins Tor (Endstand: 6:1). Es ist der spektakulärste Elfmeter-Trick seit Langem.

(Hier können Sie sich den Treffer im Video ansehen.)

Entspricht der Elfmeter-Trick den Regeln?
Ja, Schiedsrichter Alejandro Hernández hat alles richtig gemacht. Der klar zu erkennende Schütze, hier Messi, muss laut Regelwerk den Ball nach vorne spielen - unwichtig ist, wie fest geschossen wird. Alle anderen Spieler müssen sich bei der Ausführung eines Elfmeters außerhalb des Strafraums und damit mindestens 9,15 Meter vom Elfmeterpunkt entfernt befinden. Diese Regel wird von den Unparteiischen seit Jahren lasch gehandhabt, aber in Barcelona standen sowohl Torschütze Suárez als auch der ebenfalls anstürmende Neymar bei Messis Ballberührung auf der Strafraumlinie.

Hat es das schon einmal gegeben?
Ja, wenn auch selten. Fußballlegende Johan Cruyff machte es einst im Trikot von Ajax Amsterdam ähnlich: Im Spiel gegen Helmond Sport im Jahr 1982 passte Cruyff den Ball vom Elfmeterpunkt zu seinem einlaufenden Teamkollegen Jesper Olsen, der seinerseits zurück zu Cruyff spielte und dem Superstar damit den Treffer auflegte. Cruyff ist in Barcelona eine Ikone, die Szene vom Sonntagabend kann als Hommage an den Niederländer verstanden werden.

Auch Robert Pires und Thierry Henry versuchten sich 2005 an einem ähnlichen Trick, ernteten dafür jedoch nur Spott. Im Spiel gegen Manchester City verpatzten die damaligen Arsenal-Profis ihre Variante: Pires bewegte den Ball nur wenige Zentimeter und die Verteidiger konnten mühelos klären. Der erste überlieferte Zwei-Mann-Elfmeter stammt aus dem Jahr 1957. Im WM-Qualifikationsspiel gegen Island waren die Belgier Rik Coppens und André Piters die Protagonisten.

War das so geplant?
Nicht ganz. Messi wollte den Ball zwar genau so spielen, wie er es tat. Der Passempfänger sollte jedoch jemand anders sein. Eigentlich sei er als Torschütze vorgesehen gewesen, sagte Neymar nach dem Spiel dem klubeigenen TV-Sender. Demnach hätten er und Messi die Variante im Training einstudiert, doch "Luis war schneller". Das schien den Brasilianer aber nicht zu kümmern: "Er hat getroffen, also hat alles geklappt." Dass sich das Angriffstrio der Katalanen tatsächlich gut versteht, scheint zu stimmen: Messi verzichtete mit dem Elfmeter auf die Chance, einen Jubiläumstreffer zu feiern. Es wäre sein 300. Ligator im 333. Einsatz gewesen.

Warum sieht man das nicht häufiger?
Die Ausführung des Elfmeters wirkte deshalb so genial, weil niemand mit ihr rechnen konnte. Vigos Torwart, die Verteidiger, sie alle erwarteten einen Schuss und verloren deshalb Torschütze Suárez aus den Augen. Je häufiger die Variante zum Einsatz kommt, desto geringer ihr Überraschungseffekt. Und wenn es den Abwehrspielern gelingt, die Zielspieler zu stören, ist der eigentliche Vorteil des Elfmeters, unbedrängt schießen zu können, dahin.

Und dann ist da noch ein besonderer Fakt: Kaum eine Mannschaft vergibt so viele Elfmeter wie der FC Barcelona. Bis zum Spiel gegen Vigo hatte Barça in dieser Saison 14 Elfmeter zugesprochen bekommen - und davon nur acht verwandelt.

Wie sind die Reaktionen?
Die einen schwärmen, die anderen schimpfen. Während die spanische Tageszeitung "AS" vom Elfmeter des Jahrhunderts schrieb, befand das in der Stadt der Barcelona-Rivalen Real und Atlético beheimatete Radio Marca aus Madrid, dass der Trick respektlos gegenüber dem Gegner gewesen sei. Bei Twitter sehen das viele ähnlich: Die Aktion sei arrogant, zumal Barcelona sie erst dann zeigte, als das Spiel längst gelaufen war.

Celta Vigos Coach fühlte sich indes nicht vorgeführt. "Das war kein mangelnder Respekt", sagte Eduardo Berizzo. Barça-Trainer Luis Enrique, der hinterher zugab, von dem Trick nichts gewusst zu haben, zeigte sich entzückt. "Wir wollen nicht nur Titel gewinnen, sondern auch die Leute unterhalten, ihnen Spektakuläres liefern."

mon/krä/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
ge1234 15.02.2016
1. Oh je ...
... wenn ich schon wieder "respektlos" lese. Genau genommen ist jeder Sieg mit mehr als einem Tor Unterschied "respektlos"! Der Elfertrick widerspricht nicht dem Regelwerk, insofern ist er erlaubt. Also, was soll die Diskussion!
jeku 15.02.2016
2. Regeltechnisch erlaubt...
aber RESPEKTLOS und neu ist es auch nicht.
t_n_t 15.02.2016
3. Regelkonform?
Für mich sieht es definitiv so aus, dass Suarez bereits den Strafraum bzw. den 9,15m Kreis betritt bevor Messi den Ball berührt und der Ball sich vorwärts bewegt. Deswegen ist das Tor nicht regelkonform.
f-rust 15.02.2016
4. Elfer so: find ich gut!
Man mag sich als Gegner ärgern; aber die Regeln wurden ja eingehalten. Fußball ist auch Unterhaltung und die Herren tun etwas für Ihre Aufmerksamkeit in den Medien = Marktwert. Why not?
retterdernation 15.02.2016
5. zum totlachen komisch ...
perfektes Entertainment. Fast so genial wie ein erfolgreicher Torschuss aus der eigenen Hälfte. Köstlich und für mich absolut neu. Und das will schon was heißen - bei den gefühlten 50- tausend Spielszenen und mehr - die man schon erlebt hat. Der Messi und seine Companeros sind halt echte Show-Stars...
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