Hamburg - Sie kamen im weißen Schwarm und ließen ihm, Lionel Messi, dem wohl besten Fußballer der Welt, keine Chance. Weder durch die Mitte noch über die Flügel oder aus Freistoßpositionen. Nicht einmal zu einer Vorlage reichte es gegen Real Madrid. Am Ende stand es im Halbfinal-Rückspiel des spanischen Pokals 3:1 (1:0) für den Rekordmeister, er warf den FC Barcelona aus dem Wettbewerb.
Von einer "Demütigung" ist nach diesem Pokalabend die Rede, vom "Ende einer Ära". Es habe ein Erdbeben im Camp Nou gegeben, das in die Geschichte eingehen werde, schreibt die spanische Zeitung "El País", Madrid habe einen FC Barcelona "verprügelt", der ein Schatten seiner selbst war, der "kapituliert" habe. Messi stecke mit seiner derzeitigen Erfolglosigkeit ganz Barcelona an, glaubt die eher Real nahe stehende "Marca" erkannt zu haben.
Was bei ihm, Messi, zurückbleibt, ist einen Tag nach dem Spiel ein fiebriger Infekt und: Ratlosigkeit. 48 Tore hat er in dieser Saison bereits geschossen, sogar den Rekord von Gerd Müller hat er eingestellt. Er mache doch derzeit nichts anders als sonst, wird Messi sich denken, und doch scheint gerade nichts mehr zu klappen. Womöglich liegt es aber genau daran - er macht nichts anders, wie sein ganzes Team nichts anders macht, seit Trainer Tito Vilanova wegen seiner Krebserkrankung die Geschicke des FC Barcelona nicht mehr vor Ort lenken kann.
"Wir haben eine bestimmte Philosophie, und wir können und dürfen sie nicht ändern. Wir wollen schnell spielen und schnell abschließen, aber wenn wir nicht bei 100 Prozent sind, geht es eben nicht", sagte Verteidiger Dani Alves nach dem Pokal-Aus.
Reals Trainer José Mourinho hatte sich ganz genau angeschaut, wie Milan Barça zuletzt schlagen konnte, und seine Mannschaft machte es nach: mit einer kompakten, tiefstehenden Abwehr, die sich so fest um den Angreifer schloss, dass nicht einmal Spielmacher Xavi oder Messi einen Ausweg wussten - obwohl Barça mit rund 62 Prozent Ballbesitz das Spiel weitgehend dominierte.
"Wir haben es nicht geschafft, sie zu kontrollieren, und zu viele Bälle verloren", sagte Cesc Fàbregas nach dem Spiel. "Es ist ein Tiefpunkt, aber von jetzt an kann es nur noch bergauf gehen."
In Madrid weiß man indes ziemlich genau, dass an diesem Abend nicht unbedingt die fußballerisch bessere Mannschaft gewonnen hat. "Wir haben nicht erwartet, dass es so läuft. Barcelona war sehr gut", sagte Doppeltorschütze Cristiano Ronaldo nach der Partie. "Es motiviert aber immer, dieses Team zu schlagen. Das hat uns eine Menge Selbstvertrauen für das wichtige Spiel in Manchester gegeben." Im Old Trafford tritt Real am kommenden Dienstag zum Achtelfinal-Rückspiel der Champions League an, das Hinspiel gegen ManUnited ging 1:1 aus.
Tatsächlich konzentriert man sich in Madrid nach der offensichtlichen Chancenlosigkeit im Meisterschaftskampf nun voll auf den Pokal und das internationale Geschäft. Club-Sprecher Emilio Butragueño sagte nach dem Sieg: "Ich hoffe, es war der Beginn eines Laufes, denn wir haben jetzt einige wichtige Spiele vor uns." Torwart Iker Casillas stimmte zu: "In der Liga sind wir nicht mehr richtig dabei, wir haben zu viele Punkte verloren. Deshalb müssen wir den Pokal und die Champions League als besondere Herausforderung annehmen."
Die nächste Herausforderung wartet allerdings schon am Samstag: In der Primera División bekommt es Madrid gleich wieder mit dem Messi-Team zu tun (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Und die Liga ist, nach wie vor, Barça-Hoheitsgebiet.
psk
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