Clásico ohne Messi und Ronaldo Beim letzten Mal spielte noch Raúl

Erstmals seit fast elf Jahren findet ein Clásico ohne Lionel Messi und Cristiano Ronaldo statt. Niemand hat dieses besondere Duell so sehr geprägt wie diese beiden Spieler.

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Der Clásico am Wochenende wird ein historischer - ganz egal, was in den 90 Minuten auf dem Platz passieren wird. Denn wenn der FC Barcelona am Sonntag (16.45 Uhr) Real Madrid empfängt, werden zwei Spieler fehlen, die ihre Klubs geprägt haben und prägen, wie kaum jemand vor ihnen: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Sie werden erstmals seit fast elf Jahren beide nicht dabei sein. Erstmals seit dem 23.12.2007.

Sonntagabend. Flutlicht. Camp Nou. In der 36. Minute spielten Madrids Júlio Baptista und Ruud van Nistelrooy in vollem Tempo einen Volley-Doppelpass, bevor Baptista per Dropkick mit dem Außenrist in die obere rechte Ecke traf. 1:0, das Endergebnis.

Das Spiel wirkt aus heutiger Sicht wie aus einer völlig anderen Zeit. So spielten die Teams damals:

Barcelona: Valdés - Puyol (77. Zambrotta), Márquez, Milito, Abidal - Touré, Xavi, Deco (57. dos Santos) - Ronaldinho, Eto'o, Iniesta
Real: Casillas - Ramos (88. Torres), Pepe, Cannavaro, Heinze - Diarra, Sneijder, Baptista (79. Gago) - Raúl, van Nistelrooy, Robinho (81. Robben)

Auf den Trainerbänken saßen Frank Rijkaard und Bernd Schuster. Erst anderthalb Wochen vor dem Clásico hatte Barcelona in der Champions-League-Gruppenphase gegen den VfB Stuttgart gewonnen, den damaligen Deutschen Meister.

Viele der Spieler aus der Partie im Jahr 2007 sind heute nicht mehr aktiv. Andere lassen ihre Karriere in Katar (Sneijder) oder Japan (Iniesta) ausklingen. Einige wenige wie Arjen Robben (FC Bayern) oder Iker Casillas (FC Porto) stehen noch jetzt bei internationalen Top-Klubs unter Vertrag. Sergio Ramos ist der einzige Spieler, der auch am Sonntag wieder auflaufen dürfte.

Die vielleicht größte Rivalität der Fußball-Historie

Messi verpasste die Begegnung damals wegen Oberschenkelproblemen. Ronaldo spielte noch bei Manchester United und war auf dem Weg, seinen ersten Champions-League-Titel zu gewinnen. Nun treffen Barcelona und Madrid erstmals wieder ohne die beiden aufeinander. Und bei allem Glanz, den der Clásico auch ohne die fünffachen Weltfußballer ausstrahlt - der entscheidende Faktor, der das Spiel ein Jahrzehnt lang noch spezieller gemacht hat, fehlt.

2009 wechselte Ronaldo zu Real, verpasste danach nur zwei Clásicos. Dass auch der nächste ohne den Portugiesen stattfinden würde, darauf war die Fußball-Welt nach seinem Wechsel zu Juventus vorbereitet. Dass aber erstmals nach elf Jahren ein Clásico ohne Ronaldo und Messi stattfinden wird, kommt überraschend. Messi verpasste nach 2007 keine einzige dieser Partien - bis jetzt. Der Barça-Star brach sich beim 4:2-Sieg gegen den FC Sevilla den Arm und fällt aus.

Cristiano Ronaldo (l.), Lionel Messi
DPA

Cristiano Ronaldo (l.), Lionel Messi

Klar, Barcelona und Real sind mehr als zwei Spieler. Sie sind zwei der größten und erfolgreichsten Fußball-Vereine der Welt. Der Clásico war vor Messi und Ronaldo legendär, er wird es auch nach ihnen sein, wenn eines Tages auch Messi wechseln oder seine Karriere beenden wird.

Alfredo di Stefano, Raúl, Casillas. Johann Cruyff, Pep Guardiola, Xavi. Der Clásico hat auf lange Sicht viele Abgänge mühelos überstanden. So ein Prozess ist jedoch immer gewöhnungsbedürftig. Bei Messi und Ronaldo dürfte das ganz speziell so sein. Nichts prägte die jüngere Vergangenheit dieser Klubs und des Clásicos so sehr wie das Duell Messi versus Ronaldo, die vielleicht größte sportliche Rivalität zweier Spieler in der Geschichte des Fußballs.

30 Clásicos, 38 Tore durch Messi und Ronaldo

In insgesamt 30 Clásicos standen der Argentinier und der Portugiese beide auf dem Platz, erzielten dabei 38 der 101 Tore (20:18 für Messi). In acht Spielen traf keiner von ihnen. Messi (insgesamt 26 Treffer) ist der erfolgreichste Torschütze dieser Partie, Ronaldo (18) liegt zusammen mit Di Stefano auf Platz zwei.

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Messi und Ronaldo im Clásico: Pokalhelden, Matchwinner, Tormaschinen

Barça sucht nun temporär, Real dauerhaft nach anderen Protagonisten für die Geschichten des Cláscios. Messi wird zurückkehren, Ronaldo wohl nicht. Für Sonntag ergibt sich praktisch ein Testlauf für die Suche nach neuen Helden. Denn gerade diese legendäre Partie bietet die Chance, aus dem Schatten anderer Stars herauszutreten. Das weiß Messi selbst am besten: Im März 2007 rettete er seinem Team mit drei Toren ein Remis gegen Madrid und genoss erstmals große internationale Aufmerksamkeit.

Júlio Baptista war damals nicht dabei. Real hatte ihn zu Beginn jener Saison an den FC Arsenal verliehen. Erst neun Monate später sollte er der Siegtorschütze im Clásico werden. Heute ist er 37 Jahre alt. Im Sommer unterschrieb er nach anderthalb Jahren Vereinslosigkeit bei CFR Cluj in Rumänien. Am Sonntag wird nun sein Nachfolger gesucht. Ein Nachfolger für den bis heute letzten Spieler, der einen Clásico ohne Messi und Ronaldo entschieden hat.



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