Clásico zwischen Barça und Real Madrid Tage des Donners

Die Clásico-Wochen beginnen: Innerhalb kurzer Zeit spielen Barcelona und Real Madrid dreimal gegeneinander. Selbst angeschlagene Stars müssen ran, schließlich geht es um die Ehre. Der Preis dafür kann hoch sein.

Luis Suarez
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Luis Suarez

Von Florian Haupt, Barcelona


Im Frühjahr 2011 ging ein fürchterlicher Sturm über dem spanischen Fußball nieder. Es waren die Tage des "Tormenta de Clásicos", des Clásico-Gewitters: viermal FC Barcelona gegen Real Madrid. Die volle Dröhnung.

Wenn man ehrlich ist, waren die dazugehörigen Pressekonferenzen allerdings oft noch besser als der Fußball. Hauptdarsteller: Barcelona-Trainer Pep Guardiola und sein Gegenüber von Real Madrid, José Mourinho. Dabei ging es unter anderem um Manipulationsvorwürfe und Verschwörungstheorien. Mourinho etwa war überzeugt, dass Barcelona regelmäßig begünstigt wird. Man warf sich allerhand an den Kopf, alle waren sichtlich erledigt.
Zu krass, vier Clásicos - wo doch einer immer schon eine Welt für sich ist.

Duell im August 2011
DPA

Duell im August 2011

Nun kommt es wieder zu einer ähnlich geballten Ladung in der Saga dieses so großen, weil zugleich hochkarätigen und vielschichtigen Duells. Nun stehen die Partien 239 bis 241 an. An diesem Mittwoch um 21 Uhr im Pokalhalbfinalhinspiel in Barcelona, in drei Wochen im Rückspiel und vier Tage später in der Liga, dann jeweils in Madrid.

Einiges hat sich geändert seit den Zeiten von "Pep" und "Mou". Wo der ewige Konflikt zwischen Hauptstadt und Katalonien früher im Clásico sublimiert wurde, steht das Königreich mittlerweile konkret vor der politischen Zerreißprobe. Dafür nahmen die Spannungen auf dem Platz ab - was der Qualität nur guttat.

Es gab hinreißende Fußballspiele, allen voran ein 2:3 im Madrider Bernabéu im April 2017 und etliche Lehrstunden von Barça (0:4, 0:3, zuletzt 5:1) für den Rivalen, der trotzdem vier der fünf letzten Ausgaben der Champions League gewann; was Barcelona fürchterlich nervt.

Ernesto Valverde
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Ernesto Valverde

Eigentlich wollten sie sich bei Barça deshalb diese Saison dem Europacup verschreiben und den Pokal eher nebenherlaufen lassen. Aber das geht jetzt natürlich nicht mehr. Einen Clásico kann man nicht "mit angezogener Handbremse spielen", sagt Trainer Ernesto Valverde. Deshalb steht auch der leicht angeschlagene Lionel Messi im Kader. Sicher spielen dürfte Marc-André ter Stegen, denn Pokaltorwart Jasper Cillessen ist verletzt. Auch Toni Kroos wird wieder dabei sein, bei Reals letztem Ligaspiel wurde er noch geschont.

Die elegante Überheblichkeit

Real-Trainer Santiago Solari erweist sich vor seinem ersten Clásico schon mal als provokationsfreudig. Dass Madrid seine Ligaspiele vor den Pokalpartien sonntags auszutragen hat, während Barça samstags antritt, bezeichnete er als "mindestens seltsam".

Außerdem verwandelte er eine Steilvorlage des alten Klubfeindes Guardiola ("Barcelona, Juventus und der FC Bayern waren die besten Klubs des letzten Jahrzehnts") mit der eleganten Überheblichkeit, die sie in Madrid so lieben. "Wir werden uns jetzt nicht um ein Jahrzehnt streiten, wo Real Madrid doch der beste Verein der Geschichte ist", entgegnete er. "Davon abgesehen war es auch der beste Verein des letzten Jahrzehnts."

Für den eloquenten Argentinier geht es ab heute um seine dauerhaften Jobaussichten. Vom Notnagel nach der Entlassung von Julen Lopetegui (just nach dem 1:5 in Barcelona) ist er immerhin schon mal zum ernsthaften Kandidaten gereift. Er entfachte den Konkurrenzkampf und betätigte dabei offenbar die richtigen Hebel. Der 18-jährige Angreifer Vinícius Júnior, der einsatzfreudige Außenstürmer Lucas Vázquez und der bis vor Kurzem unbekannte Linksverteidiger Sergio Reguilón ersetzen regelmäßig arrivierte Stars wie Bale, Isco und Marcelo. Die Rückeroberung von Leichtigkeit und Selbstbewusstsein, die famose Verfassung von Karim Benzema, die bessere Physis, das höhere Tempo - all das führte zuletzt zu fünf Siegen in Folge.

Vinícius Júnior (Mitte) jubelt mit Daniel Ceballos (l.) und Mariano
AFP

Vinícius Júnior (Mitte) jubelt mit Daniel Ceballos (l.) und Mariano

Man bekomme es mit einem anderen Madrid zu tun als noch beim 5:1, erklärte auch Valverde. Beide Mannschaften kämen mit guter Form. "Was den Reiz noch steigert, wenn das überhaupt geht", so der Barça-Coach.

Ein gewisser Fatalismus schwingt da mit, denn ein Trainer weiß ja um Intensität und mögliche Kollateralschäden so eines Clásico-Gewitters. Harte Anstiege stehen bevor, die in der Presse wahlweise als "Himalaja" oder "Everest" tituliert werden. Barça muss um das Rückspiel herum viermal in elf Tagen auswärts antreten: Lyon, Sevilla und zweimal Madrid. Auf Real wartet schon jetzt eine Woche der Wahrheit mit Gastspielen bei Barça, Lokalrivale Atlético und Ajax Amsterdam.

Festzeiten für die Fans. Und für Real-Kapitän Sergio Ramos, der sagte: "Mich macht das an". Der Clásico ist auch deshalb so groß, weil es immer um alles geht - und wenn man sich dabei gegenseitig in den Abgrund reißt.

Im Pokal duellierten sich Barça und Madrid zuletzt über zwei Spiele im Halbfinale 2013. Es war das letzte Mal, dass keiner dieser zwei Klubs die Champions League gewann.



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