Madrids Last-minute-Remis in Barcelona 1:1 gewonnen

Real Madrid dominiert nach dem Klassiker weiter die spanische Liga, Barcelona half auch ein Glücksbringer nicht zum Erfolg, und warum fing das Duell überhaupt schon um 16.15 Uhr an? Alles Wichtige zum Spiel.

Torschütze Sergio Ramos (M.)
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Torschütze Sergio Ramos (M.)

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Ausgangslage: Der spanische Klassiker ist meist das Duell zwischen dem Spitzenreiter und seinem Verfolger. So war es auch diesmal: Der Tabellenzweite Barcelona empfing den Ligaersten Real Madrid. Also, alles wie immer? Mitnichten. Eine Pleite und der zuletzt kriselnde FC Barcelona würde neun Punkte hinter seinem Erzrivalen stehen. Das wäre fast schon eine Vorentscheidung im Meisterkampf. Für Barcelona hätte der Druck nicht größer sein können.

Ergebnis: 1:1 (0:0). Barcelona verpasst den Sieg durch einen Gegentreffer in der Schlussminute.

Aufstellung:
Barcelona: Ter Stegen - Sergi Roberto, Piqué, Mascherano, Jordi Alba - Busquets - Rakitic, André Gomes - Messi, Suárez, Neymar

Real Madrid: Navas - Carvajal, Varane, Sergio Ramos, Marcelo - Modric, Kovacic - Vázquez, Isco, Cristiano Ronaldo - Benzema

Die erste Hälfte: Hätte fast mit einem Schock begonnen. Barcelonas Javier Mascherano brachte Lucas Vázquez nach drei Minuten elfmeterwürdig zu Fall, doch der Pfiff von Schiedsrichter Carlos Gomez blieb aus (mehr dazu unter "Glücksbringer"). Danach war Barcelona wach und drückte Real für 15 Minuten in die eigene Hälfte, ohne zwingend zu werden. Chancen blieben rar. Real versuchte schnell zu kontern und kam so auch zu seiner besten Chance. In der 36. Minute scheiterte Cristiano Ronaldo aus spitzem Winkel an Marc-André ter Stegen. Sonst kam das Team gegen früh pressende Katalanen zwar selten vor das Tor, war aber etwas besser.

Die zweite Hälfte: Nervosität, Fehlpässe und taktische Fouls prägten das Spiel. Bei Real schlich sich dann auch noch eine Unkonzentriertheit ein: In der 53. Minute kassierte das Team das 0:1 durch ein Kopfballtor von Luis Suárez nach einem Freistoß. Raphaël Varane hatte den Uruguayer aus den Augen verloren. Real mühte sich, blieb trotz mehr Risiko ideenlos und bot dem Gegner Platz für Konter. Das nutzte Barcelona und kam über die linke Seite zu zwei gefährlichen Chancen durch Neymar (68.) und den eingewechselten Andrés Iniesta (70.), der sein Comeback feierte. Die Möglichkeiten wurden vergeben, die Vorentscheidung verpasst, dann kam Real: In der Schlussminute gelang Sergio Ramos der Ausgleich per Kopfball (90.). Es war die Belohnung für eine starke Schlussphase der Königlichen.

Vertreter des Spiels: Während der zuletzt verletzte Iniesta (in der 60. Minute eingewechselt) in den vergangenen Spielen nicht zu ersetzen war, muss sich Real um das Fehlen von Toni Kroos (wieder im Mannschaftstraining) kaum sorgen. Das liegt an Luka Modric, der besonders in der ersten Hälfte eine eindrucksvolle Leistung bot. Mit einer fast hundertprozentigen Passquote und seiner Übersicht bei Ballgewinn ist er jederzeit eine Waffe - sein Freistoß in der 90. Minute führte zum 1:1.

Ivan Rakitic gegen Luka Modric (re.)
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Ivan Rakitic gegen Luka Modric (re.)

Glücksbringer: Es ist fast ein Gesetz. Wenn Schiedsrichter Carlos Gomez pfeift, dann verliert der FC Barcelona nicht. Zum 21. Mal hat der spanische Verband den Unparteiischen für ein Barcelona-Spiel nominiert, in 17 Duellen ging der FCB als Sieger vom Feld, vier Partien endeten remis. Nur Zufall? Verschwörungstheoretiker wie etwa der ehemalige Madrid-Trainer José Mourinho dürften sich nach dem verweigerten Elfmeter für Real in der dritten Minute bestätigt fühlen. Allerdings übersah der Referee auch ein Handspiel von Madrids Daniel Carvajal, das einen Strafstoß zur Folge hätte haben können. Ausgleichende Ungerechtigkeit also.

Prime Time: Top-Spieler, historische Rivalität, der Clásico zog zuletzt etwa 500 Millionen Fußballfans weltweit vor den Bildschirm. Jetzt war die Frage, zu welcher Uhrzeit noch mehr Menschen das Duell verfolgen würden? Mit der ungewöhnlichen Anstoßzeit um 16.15 Uhr versuchten die Organisatoren eher internationale Zuschauer als den spanischen Anhänger zu locken. China, Indien oder die USA, das sind die Märkte, die in der TV-Vermarktung immer wichtiger werden. Bereits heute verfolgen aus den Vereinigten Staaten und China über 125 Millionen Fans die spanische Liga - Tendenz steigend.

Erkenntnis: Real Madrid ist nun mehr denn je in dieser Saison der Favorit auf den Titel. Zwar bleibt es statt der möglichen neun Punkte Vorsprung auf Barcelona bei sechs, doch das dürfte für die Katalanen immer noch ein gewaltiger Kraftakt sein.



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feilhammer 04.12.2016
1.
Scheinbar scheint sich das Machtverhältnis im spanischen Clubfußball etwas zu verschieben. Wo jahrelang Barca dominierte, übernehmen die beiden madrider Clubs mehr und mehr die Führungspositionen.
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