FC Bayern Beckenbauer rät Deisler zu Vereinswechsel

Er gilt als Riesenfußballer, doch Verletzungen und Krankheiten haben Sebastian Deisler immer wieder zurück geworfen. Auch beim FC Bayern München warten die Verantwortlichen bisher vergeblich auf den Durchbruch des 25-Jährigen. Während sich Trainer Magath diesbezüglich nachsichtig zeigt, verliert Präsident Beckenbauer die Geduld.


Sebastian Deisler: "Gut genug, um sich durchzubeißen"
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Sebastian Deisler: "Gut genug, um sich durchzubeißen"

München - "So hat es keinen Sinn, wenn er nur sporadisch zum Einsatz kommt. Wenn er meint, dass er zu wenig spielt, dann ist es besser, er geht woanders hin, wo er Spielpraxis sammeln kann", sagte Beckenbauer am Rande der Champions-League-Partie gegen den FC Arsenal (3:1).

Der Bayern-Präsident denkt dabei offenbar an ein Ausleihgeschäft. "Vielleicht wird es darauf hinauslaufen", so der 59-Jährige. Die Entscheidung träfe der Spieler letztlich aber selbst. Auch die ehemaligen Bayern-Profis Paul Breitner und Lothar Matthäus rieten Deisler schon zu einem Vereinswechsel.

Auch Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hält einen Wechsel Deislers für möglich. "Wir sind zwar bemüht, Sebastian beim FC Bayern zu integrieren, und auch hoffnungsvoll, dass ihm die Integration noch gelingt. Sollte uns das aber nicht gelingen, müssen wir uns Alternativen überlegen", sagte Rummenigge dem DSF.

Magath beweist Langmut

Bayern-Trainer Felix Magath will indes von einem Transfer des 25-Jährigen nichts wissen. "Mein Ziel ist es, ihn beim FC Bayern in die Mannschaft zu bringen", sagte er, "wenn ein Spieler so lange verletzt ist, braucht er eben auch lange, bis er sein altes Leistungsniveau wieder erreicht. Sebastian, aber auch alle anderen, brauchen Geduld. Ich habe sie."

Deisler war zuletzt aufgrund kleinerer Verletzungen immer wieder zum Zuschauen verdammt, nachdem ihn eine krankheitsbedingte Pause von Mitte Oktober bis Ende November 2004 zurückgeworfen hatte. In der Champions League fehlte er gestern aufgrund einer Muskelprellung im Oberschenkel, die er sich im Abschlusstraining zugezogen hatte. "Es ist schade, dass er gegen Arsenal wegen dieser Verletzung passen musste. Da wäre er in der zweiten Halbzeit wieder zum Einsatz gekommen. So werde ich auch in Zukunft wieder verfahren", sagte Magath.

Deisler-Fan Boris Becker

Ein großen Fürsprecher hat Deisler allerdings im ehemaligen Tennis-Star Boris Becker. Der bekennende Bayern-Fan, Verwaltungsratsitglied beim deutschen Rekordmeister, appellierte an das Durchhaltevermögen des sensiblen Mittelfeldspielers. "Die Mannschaft ist natürlich inzwischen ein sehr kompakter Haufen", so der dreifache Wimbledon-Sieger im Interview mit Premiere. "Aber da muss sich ein Sebastian Deisler durchbeißen, wenn er bei der WM mitspielen will. Wenn er es nicht bei Bayern schafft, dann vielleicht bei einer anderen Mannschaft. Aber das wäre meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Als Spieler ist er gut genug, um sich auch beim FC Bayern durchzubeißen!"

Deisler, der im Sommer 2002 für eine Ablöse von 9,2 Millionen Euro plus einem Handgeld von rund 10,2 Millionen Euro von Hertha BSC Berlin nach München gewechselt war, bestritt in dieser Saison bisher elf Bundesliga-Spiele (ein Tor), vier Partien in der Champions League und zwei Begegnungen im DFB-Pokal. In der Rückrunde kam er über drei Kurzeinsätze nicht hinaus, obwohl er noch im Trainingslager der Bayern in Dubai angekündigt hatte, sobald wie möglich in die Stammelf zurückkehren zu wollen. "Ich habe sehr wenig Geduld", sagte Deisler damals, "vielleicht ist das ein Fehler."



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