FC Bayern-Ersatztorhüter Starke "Tom, wie geil ist das denn?"

Meisterschaft, Pokal, Klub-WM, Champions League - Tom Starke hat in zwei Jahren mit dem FC Bayern alles gewonnen. Als Ersatztorwart. Im Interview mit dem Fußball-Magazin "11FREUNDE" spricht der 33-Jährige über seine Rolle als Back-up des vielleicht besten Keepers der Welt.

FCB-Ersatzkeeper Starke: "Gehöre zu den besten Torhütern des Landes"
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FCB-Ersatzkeeper Starke: "Gehöre zu den besten Torhütern des Landes"


Frage: Herr Starke, fühlen Sie sich als Deutscher Meister?

Starke: Natürlich. Nur, weil ich nicht auf dem Platz stehe, heißt es doch nicht, dass ich keinen Anteil an den Erfolgen meiner Mannschaft habe.

Frage: Von welchem Anteil sprechen Sie?

Starke: Ich lebe und trainiere genauso professionell wie jeder Stammspieler, ich halte unsere Nummer eins, Manuel Neuer, im ständigen Konkurrenzkampf, ich bin jederzeit einsatzbereit - und ich versuche der Mannschaft mit meiner Erfahrung und meinem Charakter weiterzuhelfen.

Frage: Definieren Sie bitte Ihre charakterlichen Vorzüge.

Starke: Ich habe eine Antenne, wenn es um die Gefühlswelt meiner Mitmenschen geht. Ich spüre schnell, wenn jemand unzufrieden ist. Gerade beim FC Bayern kommt es schon mal vor, dass es nicht allen Spielern gut geht.

Frage: Und dann legen Sie den Arm um die Schultern der Kollegen und fertig?

Starke: Ich profitiere eher von meinem offenen Wesen - ich kann ohne Hemmungen auf Menschen zugehen. Manchmal hilft ja schon ein kurzes Gespräch, um die Laune der Kollegen zu verbessern.

Frage: Sind Sie zufrieden mit Ihrer Rolle als Ersatztorwart?

Starke: Wie hat es Matthias Sammer gesagt: "Zufriedenheit bedeutet Stillstand!" (Lacht.) Natürlich möchte ich lieber spielen, als auf der Bank zu sitzen. Aber Sie wissen ja selbst, wen ich vor mir habe: den besten Torwart der Welt. Da wäre es doch vermessen zu sagen: Leute, jetzt lasst mich mal endlich ran, ich kann der Mannschaft wesentlich besser helfen als der Manu! Womit ich zufrieden bin, ist der Fakt, dass ich Teil dieser außergewöhnlichen Mannschaft sein darf.

Zur Person
    Tom Starke, Jahrgang 1981, steht seit 2012 beim FC Bayern unter Vertrag. Seine Karriere begann der Torhüter bei Bayer Leverkusen. Anschließend spielte er unter anderem für Paderborn, Duisburg und 1899 Hoffenheim. Seine größten Erfolge hat Starke bisher bei den Bayern gefeiert. Neben zwei Deutschen Meisterschaften gewann er die Champions League, den DFB Pokal und die Klub-Weltmeisterschaft mit den Münchnern.
Frage: Haben Sie sich nicht längst daran gewöhnt?

Starke: Erst neulich saß ich beim Spiel gegen Bayer Leverkusen auf der Bank, schaute nach links und rechts und da saßen dann: Philipp Lahm, Franck Ribéry, Dante, Javi Martínez und Thiago Alcántara. Da musste ich mich schon kurz kneifen. Und nicht selten überkommt mich eine sehr angenehme Euphorie, wenn ich morgens mit dem Auto in die Säbener Straße biege und die Fans warten sehe. Dann parke ich in der Tiefgarage und denke: Tom, wie geil ist das denn?

Frage: Ihr Alltag beim FC Bayern besteht vor allem aus Trainingseinheiten. Auf Dauer etwas langweilig, oder?

Starke: Langweilig? Ich sammle hier Erfahrungen, die andere Fußballer nicht in 300 Spielen geboten bekommen. Wenn du mit solchen Ausnahmespielern auf dem Trainingsplatz stehst, macht dich jede Einheit besser.

Frage: Jetzt mal Hand aufs Herz: Sie sind Teil einer Mannschaft, die viele für die beste der Bundesligageschichte halten, und sitzen nur auf der Bank. Das muss doch frustrierend sein?

Starke: Wenn Sie mich das in meiner Zeit in Leverkusen (2000 bis 2006 - d. Red.) gefragt hätten, hätte ich bejaht. Aber ich bin jetzt 33 Jahre alt. Ich habe Erfahrungen in der zweiten und ersten Liga sammeln dürfen. Ich muss niemandem mehr beweisen, dass ich zu den besten Torhütern des Landes gehöre.

Frage: Warum sind Sie dann 2012 zu Bayern München gewechselt?

Starke: Um Titel zu gewinnen! Ich habe schon als kleiner Junge davon geträumt, irgendwann mal die Schale hochzuheben.

Frage: Mit dem Heben wird das wohl nichts: Anfang April haben Sie sich im Training einen Bänderriss am rechten Ellenbogen zugezogen.

Starke: Verletzungen kommen nie zu einem günstigen Zeitpunkt, aber diese ärgert mich schon sehr, denn ich denke, ich hätte in den letzten Saisonspielen vielleicht noch den einen oder anderen Einsatz bekommen können. Wegen der Schiene am rechten Arm kann ich jetzt nicht mal meinen Teamkollegen beide Daumen drücken.

Frage: Wie haben Sie eigentlich erfahren, dass Uli Hoeneß ins Gefängnis muss?

Starke: Auf dem Weg zum Training. Mich hat das schockiert, das muss ich ehrlich sagen. Und natürlich ging das auch nicht spurlos an der Mannschaft vorbei, wenn der eigene Präsident vor Gericht schuldig gesprochen wird und hinter Gitter muss. Ich halte es da aber mit Karl-Heinz Rummenigge, der gesagt hat: "Entweder man zerbricht daran oder geht gestärkt aus der Krise." Und zerbrechen werden wir nicht.

Frage: Sind Sie nach all den Siegen und Titeln nicht längst übersättigt?

Starke: Überhaupt nicht. Ich verrate Ihnen mal, was ich letztes Jahr dachte, als ich mit drei Pokalen in der Hand auf dem Balkon am Marienplatz stand: Was für ein großartiges Gefühl - das will ich wieder haben!

Das Interview führte Alex Raack

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
matthäuspassion 12.05.2014
1. Alles richtig gemacht
auch wenn Tom Starke nicht oft spielen kann, so ist er im vielleicht besten Umfeld überhaupt, kommt viel herum, ja und steht öfters auf dem Rathausbalkon. Bei welchem anderen Verein hätte er diese Möglichkeiten gehabt die letzten Jahre? Und bis Lukas Raeder zur #2 wird, kann er noch eine Weile beim FCB Erfolge genießen, ab und an spielen und danach immer noch mal 2 Jahre beim einem anderen BL-Club anheuern. Ist doch eine gute Perspektive.
politik-nein-danke 12.05.2014
2. Lukas Raeder wird sicher keine Nr. 2 im Bayerntor
Da der Neuer noch etliche Jahre bleibt, wird er wechseln da er viel zu Jung und ehrgeizig ist um Bankdrücker zu sein, der will spielen...
kuchengespenst 12.05.2014
3. Schönes Zitat
"Gerade beim FC Bayern kommt es schon mal vor, dass es nicht allen Spielern gut geht." Das wird man dort sicher gerne hören.
vicarios 12.05.2014
4.
Ich hätte bei so schnippischen Fragen die sich bis zum Ende des Interviews durchziehen schon längst abgebrochen. Es ist O.K. das Thema anzusprechen, hätte der Journalist Fussball/Lebens/Menschenerfahrung hätter er sich vielleicht in die Lage bei einem der Besten Klubs der Welt die Nr. 2 zu sein einfühlen können. Trainingsspiele, Gruppendynamik, Konkurrenz sind enorm wichtig auf diesem Niveau. Allen Respekt Herrn Starke, riesen Leistung! Interview, peinlich.
Freidenker10 12.05.2014
5. optional
Sympathischer Kerl, leider bei einem unsympathischen Verein! Ich gönne ihm die Titel auf seiner Visitenkarte.
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