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Bayern-Gala in Wolfsburg: Die unerklärliche Leichtigkeit des Seins

Aus Wolfsburg berichtet

Bayern-Sieg in Wolfsburg: Fünf Treffer in 17 Minuten Fotos
Getty Images

Das 6:1 in Wolfsburg bringt die Bayern in Erklärungsnot. Selbst nach einer schwächeren ersten Hälfte gelingt den Münchnern eine erneute Gala. Philipp Lahm sieht sich genötigt, die Star-Elf menschlicher erscheinen zu lassen. Dabei hatte wieder der Trainer die entscheidenden Änderungen vorgenommen.

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Philipp Lahm hob ganz bewusst die Stimme. Während im Hintergrund laute Musik aus der Bayern-Kabine im Wolfsburger Stadion dröhnte und sein Mannschaftskollege Thomas Müller breit grinsend über den "Torklau" durch Schiedsrichter Tobias Welz berichtete, fühlte sich der Kapitän des FC Bayern München offenbar genötigt, die derzeit beste Fußball-Mannschaft Europas etwas menschlicher, ja irdischer, darzustellen.

"Arbeit" seien die 90 Minuten zuvor gewesen, sagte Lahm mit ernster Miene. Der unangefochtene Tabellenführer hatte 6:1 (1:1) beim Tabellenfünften gewonnen, es war, zumindest in den letzten 30 Minuten, wieder eine Gala des Titelverteidigers gewesen. Die nächste nach dem 5:1 gegen Schalke am vergangenen Wochenende, die x-te in dieser Saison. Und wieder steht der FC Bayern erst nach dem Schlusspfiff vor der größten Schwierigkeit: den staunenden Beobachtern das Wie zu erklären.

Lahms Worte wirkten in der Tat nicht deplatziert. Das 6:1 war keineswegs das Ergebnis eines vom Anpfiff weg überzeugenden Auftritts, auch wenn es am Ende so aussah. Das schwächste Ligaspiel unter seiner Führung, hatte Trainer Josep Guardiola zuvor noch einmal betont, hätte sein Team beim 1:0-Erfolg gegen Wolfsburg im Hinspiel absolviert. Und wie schon Ende September brachte der VfL die Bayern auch am Samstag in Bedrängnis. Durch bedingungslosen läuferischen Einsatz, geschicktes Verschieben, hohes Pressing. Eine gute Stunde lang, zumindest.

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Arjen Robben versuchte sich an der Beschreibung einer für Bayern-Verhältnisse bescheidenen ersten Hälfte. "Uns hat ein bisschen der Rhythmus gefehlt", sagte der Niederländer mit Bezug auf die Länderspiele am vergangenen Mittwoch: "Aber Wolfsburg hat das gut gemacht und viel Druck aufgebaut." Die Führung durch Naldo (17. Minute) war verdient, die Bayern hatten mit ihren bis dahin schwachen Außen und fehlendem Zugriff in der Mitte zu kämpfen. Fünf Veränderungen hatte Guardiola in der Startelf der Münchner vorgenommen, in dieser Zusammenstellung hatte die Mannschaft noch nie zuvor gespielt.

Dass Bayern das Spiel drehen würde, "war eine Frage der Zeit", sagte Lahm. "Gegen uns 90 Minuten so hoch zu pressen und zu attackieren, das ist, glaube ich, kaum möglich." Nach dem in der Entstehung etwas glücklichen Ausgleich durch Xherdan Shaqiri, den Schiedsrichter Welz statt Müller als Torschützen notierte (26.), machten sich die Gäste in der zweiten Hälfte mehr zu nutzen als nur den Kräfteverlust der Gastgeber.

Durch die Einwechslung von Stürmer Mario Mandzukic und Thiago brachte Guardiola dem Spiel die entscheidende Wende. Der spanische Mittelfeldspieler leitete prompt die 2:1-Führung durch Müller (63.) mit einem feinem Pass ein. Zwei weitere Tore in den folgenden acht Minuten ebneten den Gästen den Weg zum nächsten Kantersieg und brachten Hecking in Erklärungsnot. Eine Stunde habe seine Mannschaft ein überragendes Spiel gemacht, was danach kam, sei "schwer in Worte zu fassen".

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Die "Extra-Klasse" von der Bayern-Bank, wie Hecking es nannte, hatte erneut ein Bundesliga-Spiel entschieden. Wie selbstverständlich fielen die Treffer vier bis sechs. "Wir haben viel Qualität in der Mannschaft, es kann fast jeder ein Tor machen", sagte Robben lakonisch.

Deutscher Meister im März - das ist nun wieder ein Stück realistischer geworden für die Elf, die mit dem 16. Sieg in Folge den nächsten Rekord aufstellte. Greifbar ist der FC Bayern in dieser Saison schon lange nicht mehr, nicht für die Konkurrenz und nur selten für jeden Zuschauer. Es sei nicht immer so leicht, wie sich manch einer das alles vorstelle, sagte Lahm.

Es stehe schließlich schon wieder die nächste Partie an. Am kommenden Dienstag wartet das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Arsenal (20.45 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE). Das Hinspiel hatten die Bayern 2:0 gewonnen. Der Sieg in Wolfsburg sei dennoch wichtig gewesen, sagte Robben, als Signal nach innen und außen. Es ist angekommen. Mal wieder.

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins???
niklasnovember 08.03.2014
Bayern ist das Maß aller Dinge momentan in der Liga, ohne Frage. Aber warum wird hier der Titel des Literaturmeisterwerks Milan Kunderas verwendet? Wer das Buch gelesen hat wird feststellen, dass hier keinerlei Zusammenhänge bestehen.
2. ja ist das schön
Veterano48 08.03.2014
"die Leichtigkeit des Seins". Zich-fach-Millionäre und geniale Fußballakrobaten werden von einem genialen Dirigenten geführt. Großes Kompliment, das ein deutscher Verein anscheinend den Olymp erklommen hat. Es stören nur noch ein wahrscheinlicher Steuerhinterzieher und eine irre Glatze.
3.
Philip J. Fry 08.03.2014
Einfach nur noch langweilig. Konsequenterweise sollten die jeweiligen Gegner nur noch eine B- oder C-Elf aufstellen, wenn's gegen die Bayern geht, und die Stammspieler schonen. Hat ja doch alles keinen Zweck. Ich schaue inzwischen fast nur noch 2. Liga, da geht's wenigstens noch spannend zu.
4. Kenne das aus'm Studium.
tomy1983 08.03.2014
Da gab's Studenten, die immer die 1,0 erreicht haben und trotzdem haben sie sich nach jeder Prüfung ausgeheult, wie unglaublich schwer das ganze gewesen ist und wie unfair. Solche Leute sind irgendwie unsympathisch und hatten keine Freunde, genau wie das Lämmchen.
5.
Hübitusse 08.03.2014
Seit wann muss sich der haushoch überlegene Sieger erklären? Allenfalls wieso das Resultat nicht zweistellig ausgefallen ist. Aber die wahre Erklärungsnot betrifft ja wohl die Gegner die sich solche Packungen einfangen.
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