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Verletzungspech beim FC Bayern: Flucht in den Galgenhumor

Von Christoph Leischwitz, München

AP/dpa

Im Schongang hat der FC Bayern gegen Hoffenheim gewonnen. Das ist wichtig, denn Josep Guardiola gehen langsam die Verteidiger aus. Der Trainer reagiert mit Spott und hat eine kuriose Lösung parat.

Als Robert Lewandowski in der 64. Minute sein zweites Tor des Abends erzielte und die einseitige Partie gegen die TSG 1899 Hoffenheim entschieden war, hielt sich Trainer Josep Guardiola nicht lange mit Jubeln auf. Er blickte sofort ans andere Ende des Spielfeldes. Dorthin, wo sich seine Ersatzspieler warmliefen. Mit hektischen Armbewegungen befahl der Trainer des FC Bayern dem Mittelfeldspieler Arturo Vidal, zur Bank zu kommen. Damit wollte er dem Chilenen noch etwas Spielpraxis geben, er wollte aber zugleich Thomas Müller schonen. Denn dieser wird in den kommenden Wochen vermutlich noch oft genug über 90 Minuten spielen.

Der 2:0-Erfolg durch Lewandowskis Doppelpack am Sonntagabend war nichts weiter als ein Durchschnaufspiel, eine Pflichterfüllung. In gewisser Weise war es sogar ein Testspiel, ehe die entscheidende Phase der Saison beginnt. Zwar hatten sich die Bayern nicht geschont - sie bespielten den Tabellenvorletzten konsequent, hatten 76 Prozent Ballbesitz und gaben im Schnitt fast alle drei Minuten einen Torschuss ab - doch sie waren eben auch nicht wirklich gefordert worden vom Vorletzten der Tabelle.

Die übliche Überlegenheit und eine recht unterhaltsame Doppel-Flügelzange (links Douglas Costa und Kingsley Coman, rechts Arjen Robben und Thomas Müller) brachten willkommene Ablenkung in die Bayern-Welt, die in den vergangenen Tagen andere Sorgen hatte als die Vorbereitung auf einen kriselnden Bundesliga-Gegner. So hatte etwa ein Maulwurf gepetzt, zwischen Mannschaft und Trainer herrsche miese Stimmung - was Guardiola abstritt; dann wurde kolportiert, dass Jérôme Boateng schon vor seiner Verletzung angeschlagen gewesen sein soll. Und am Sonntag wurde auch noch bekannt, dass mit Javi Martínez ein weiterer potentieller Innenverteidiger mit Knieproblemen ausfällt.

Guardiola: "Natürlich haben wir ein Problem"

Zwar spricht Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge von "einer Frage von Wochen, nicht von Monaten", ehe der Spanier wieder spielen kann. Aber: "Natürlich haben wir ein Problem", sagte Trainer Guardiola mit leiser Stimme. Denn er habe im Moment nur einen gelernten Innenverteidiger zur Verfügung. Er habe sich gewünscht, mit einem gesunden Kader in der wichtigen Phase der Saison anzukommen. Das hat ganz und gar nicht geklappt.

Eigentlich müsste deshalb gerade der Trainer gewaltig unter Druck stehen. Zumal es ein offenes Geheimnis ist, dass Verletzungen von Spielern schon mehrmals zu Streitereien zwischen Guardiola und Verantwortlichen geführt haben. Wie etwa im vergangenen April, als Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hinwarf. Immer wieder waren Spieler nach Verletzungen offensichtlich zu früh eingesetzt worden, vor der Winterpause etwa Franck Ribéry, der zurzeit wieder fehlt.

Doch der gemeinsame Wunsch nach Erfolg schweißt noch einmal zusammen. Und genauso, wie das Spiel gegen Hoffenheim mögliche Probleme kaschierte, wurde hernach jeglicher Ärger kleingeredet. Guardiola flüchtete sich in Spott als er sagte, Manuel Neuer sei womöglich auch ein guter Innenverteidiger. Und Rummenigge stellte sich indirekt hinter den Trainer als er sagte, mittlerweile hätten alle Top-Mannschaften mit hohen Verletzungsquoten zu kämpfen. Das läge einfach an der "Spielquantität", die Verbände sollten sich einmal Gedanken machen, ob man daran nicht etwas ändern wolle. Rummenigge war sich nicht einmal sicher, ob es wirklich einen Maulwurf gibt - man müsse nicht alles glauben, was geschrieben werde.

Kimmich überzeugt gegen Hoffenheim

Philipp Lahm allerdings, und nicht nur er, hatte keinen Zweifel an dessen Existenz. "Das wird's immer geben, weil es immer unzufriedene Spieler geben wird", sagte der Kapitän, und fand es zugleich "schade", weil das Ausplaudern von Interna auf dem Weg zu Titeln "nicht förderlich" sei. Gleichzeitig widersprach er dem Maulwurf: "Meine Meinung ist, dass die Mannschaft absolut funktioniert, dass die Mannschaft dem Trainer immer noch folgt." Das Spiel gegen Hoffenheim habe gezeigt, wozu man in der Lage sei.

Bayerische Zweckpessimisten könnten in Bezug auf die angeschlagene Defensive mit einer Szene aus der 56. Minute dagegenhalten: Ein Steilpass von Hoffenheims Jonathan Schmid hatte die gesamte Münchner Abwehr ausgehebelt, dann hatte Andrej Kramaric gekonnt Holger Badstuber ins Leere laufen gelassen, ehe er knapp am Tor vorbeischoss.

Doch immerhin hatte sich der überraschende Ersatz für Martínez, Joshua Kimmich, nichts zuschulden kommen lassen. Guardiola hatte ihn schon die ganze Woche auf dieser Position trainieren lassen - womöglich hatte auch Martínez schon seit Längerem Beschwerden gehabt. "Hat er gut gespielt?", fragte Guardiola mit Blick auf Kimmich dann selbst in der Pressekonferenz. "Ja? Okay, super, wir haben einen neuen Innenverteidiger." Auch, wenn Kimmich tatsächlich gut gespielt hatte: Das klang ein bisschen nach Galgenhumor.

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insgesamt 38 Beiträge
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1. ....
yeyo 01.02.2016
bayern gewinnt und die hater sind immer noch aktiv.
2. krokodilstränchen
power.piefke 01.02.2016
ein Trainer, der bisher nur mit fertigen Stars gearbeitet hat und dafür bekannt ist, diese gnadenlos zu verheizen, hat immer noch Spieler, bei den anderen Vereinen der Mund wässrig wird. was für ein schlimmes Schicksal...
3.
Freidenker10 01.02.2016
Was ist eigentlich mit Robben und Ribery? Leben die noch?
4. nicht alles glauben
skurilla 01.02.2016
Rummenigge hat Recht: Man sollte nicht alles glauben was geschrieben wird - man sollte aber auch nicht alles glauben was erzählt wird, auch nicht von ihm.
5. Was soll das?
Wunderläufer 01.02.2016
Ich kann die Hofberichterstattung über den FC Bayern nicht mehr lesen; das steht mir Oberkante Unterlippe. Auch viele andere Bundesligisten haben große Verletzungsprobleme, nur halt nicht dieses Standing bei den Sportjournalisten
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