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Bayern gegen Barcelona: Raus mit Applaus

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Bongarts/Getty Images

Bayern-Coach Guardiola: Sieh da, kein Zauberer

Der FC Bayern wird wohl am Abend gegen den FC Barcelona aus der Champions League ausscheiden. Auch wenn viele so tun: Eine Katastrophe ist das nicht. Genauso wenig wie die Saisonbilanz der Münchner.

Das Ding ist durch, oder? 0:3 im Hinspiel, zahlreiche Verletzte, eine Rest-Mannschaft von müden Kriegern, ein Trainer, an dem gezweifelt wird - das Halbfinal-Rückspiel am Abend in der Champions League gegen den FC Barcelona wird unter diesen Vorzeichen wohl der letzte europäische Auftritt der Bayern in dieser Saison sein. Und ist das etwa schlimm?

Rund um den FC Bayern tobt derzeit mal wieder eine Debatte, als stünde der Weltuntergang an der Säbener Straße kurz bevor. Weil man gegen das beste Team der Welt, angetreten mit den besten Stürmern der Welt, verschont von jeglichen Verletzungsproblemen der Welt, zugegeben deutlich verloren hat. Man nenne das Team, das gegen den FC Barcelona in seiner aktuellen Verfassung eine Chance auf ein Weiterkommen hätte. Dazu fällt einem nur eine einzige Mannschaft ein - der FC Bayern in Bestbesetzung.

Gegen Barça braucht man schnelle Flügelspieler, man braucht Leute, die die Defensivschwächen der spanischen Außenverteidiger offenlegen, man braucht Tempospieler auf links und auf rechts, die die Barça-Abwehr aufreißen können. Mit anderen Worten: Man braucht Arjen Robben, man braucht Franck Ribéry, man braucht David Alaba. Alle drei standen verletzt nicht zur Verfügung.

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Und dann, sieh an, ist auch der Trainer kein Zauberer, der alle personellen Ausfälle mit genialer Taktik kompensieren kann. Man stelle sich das Hinspiel ohne einen angeschlagen fehlenden Lionel Messi vor. 3:0 wäre die Partie nicht ausgegangen.

Die Bayern haben an der Fallhöhe selbst gearbeitet

Sicher sind die Bayern für die derzeit herrschende schlechte Stimmung auch selbst verantwortlich. Die Fallhöhe haben sie sich selbst geschaffen. Die Überhöhung des Trainers Josep Guardiola zu einem Taktik-Guru vom Format eines Meister Yoda haben sie selbst mit betrieben und dadurch kräftig mitgeholfen, den klaren Blick auf diese Spielzeit zu verstellen. Nämlich darauf, dass es trotz allem eine starke Bayernsaison war. Mit einem frühen Meistertitel, mit einem unglücklichen DFB-Pokal-Halbfinal-Aus im Elfmeterschießen, mit einem ziemlich souveränen Vorstoß ins Halbfinale der Champions League. Und das trotz aller Verletzungen.

Von daher ist derzeit vieles, was gerade abläuft, das übliche Bayern-Theater. Monate- fast jahrelang hat man auf eine Form- und Ergebniskrise des Teams warten müssen. Jetzt ist sie mal da, und es brechen wie gehabt alle Dämme. Dass zu dieser Champions-League-Saison auch ein 7:1 bei AS Rom, ein 7:0 über Schachtjor Donezk und ein 6:1 gegen den FC Porto dazu gehörten, ist vergessen. So funktioniert das zwar im Sport, aber es bleibt trotzdem vollständig irrational.

Borussia Dortmund hat im Vorjahr im Viertelfinale der Champions League auch das Hinspiel in Spanien 0:3 verloren. Der Gegner war Real Madrid, im Vorjahr das Überteam in Europa. Das 0:3 bedeutete letztlich zwar das Aus, aber im Rückspiel haben sie den Favoriten beim 2:0 teilweise an die Wand gespielt. Weil sie einfach noch einmal alles versucht haben. Es hat nicht gereicht, aber es war im Gedächtnis der Fans das Spiel, das dem BVB die Vorsaison gerettet hat.

Die Bayern haben sich in der jüngeren Vergangenheit oft genug an den Dortmundern orientiert, bei den Dortmundern bedient, dann sollen sie es bitte schön heute Abend auch noch einmal tun. Sie können dann auch ruhig ausscheiden.

Zum Autor
Peter Ahrens ist Redakteur im Sportressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Peter.Ahrens@spiegel.de

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insgesamt 253 Beiträge
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1.
MarkusW77 12.05.2015
Die sind noch nicht raus. Und ganz ehrlich, so eine Halbzeit wie gegen Porto, dann würde ich denen das sogar gönnen. Lieber wäre mir ne verdiente Niederlage, aber möglich ist alles.
2. Gegen die beste Mannschaft der Welt...
maartenk. 12.05.2015
Irre ich mich oder ist es noch nicht allzu lange her, da fast die ganze Sportpresse immer vom FC Bayern als beste Mannschaft der Welt gesprochen hat?
3. Ahrens hat recht
rgsf 12.05.2015
Kann man ruhig zugeben.
4. Wahrheit im Auge des Betrachters.
KuGen 12.05.2015
Da die Bayern-Verantwortlichen ja schon mit der Gründung der Galaxis - Liga liebäugeln (keine Ahnunbg, wieso die Raumfahrt hinterherhinkt), ist das schon eine Schmach, nicht CL-Sieger zu werden.
5.
fränk 12.05.2015
So ist es. Und nächste Saison kann die Meisterschaft auch mal wieder spannender werden. Da darf dann wieder der BVB gewinnen??. Die wären auch damit zufrieden, wenn sie ''nur'' Meister werden.
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