Trainingslager des FC Bayern: Die perfekte Show

Aus Arco und Riva del Garda berichtet Sebastian Winter

Bayern im Trainingslager: Gut gelaunt am Gardasee Fotos
DPA

Der Aufritt des FC Bayern im Trentino gleicht einer riesigen Inszenierung. Von der pompösen Ankunft per Segelschiff bis hin zu den Testspielen gegen Amateurteams - alles wird medienwirksam in Szene gesetzt. Die Frage ist, wie viel Show der Rekordmeister noch verträgt?

Mehr als 4000 Zuschauer waren am Freitagabend ins Stadion von Arco gekommen. Dort, in der Nähe des Gardasees, haben sie sich das Spiel des FC Bayern München gegen die "Paulaner-Traumelf" angesehen, das 13:0 (2:0) endete und von sehr begrenzter sportlicher Aussagekraft war. Mario Mandzukic vertändelte viele Chancen in der ersten Halbzeit, den Bayern fehlte es an der Abstimmung. Aber genau deswegen haben sie solche Testspiele ja angesetzt. Bayern-Trainer Pep Guardiola hatte nach der Ankunft im neuntägigen Trainingslager gesagt: "Ich wünsche mir, dass meine Spieler viele Fehler machen. Denn daraus können sie lernen."

Ganz nebenbei hat der Triple-Gewinner auch wieder etwas für sein Image getan. Das Stadion war offiziell ausverkauft, selbst Spiele gegen zusammengewürfelte Amateurmannschaften wie dieses üben derzeit eine unheimliche Sogwirkung auf die Zuschauer aus. Jetzt, da die Bayern fast überall wie Popstars empfangen werden. Nicht wenige Fans haben sich den Gardasee als Urlaubsziel ausgesucht, nur um nahe bei ihrer Mannschaft zu sein.

Sie sehen sich nicht nur Testspiele, Trainings und Empfänge ihrer Lieblinge an, sondern zugleich eine riesige Inszenierung. Ein Premium-Sponsor hat die Werbebanden auf dem Trainingsgelände von Arco großflächig besetzt, dazu herrscht bayerisches Biergarten-Gefühl. All das transportiert mittels eines riesigen Medienzentrums, in dem die rund 150 Journalisten aus aller Welt von morgens bis abends arbeiten können, versorgt von großen Videoleinwänden und mit italienischen Naschereien.

Batman-Bayern, Retter der Welt

Dramaturgischer Höhepunkt des großen Theaters war, bislang jedenfalls, der Einzug der Bayern ins Zentrum Riva del Gardas am Donnerstagabend. An Bord der Siora Veronica, eines wunderschönen Segelschiffs, lief der Bayern-Tross an Rivas Seeufer ein, direkt vor dem prall gefüllten Hauptplatz Piazza 3 Novembre. Kurz wurden Spieler und Trainer dem Publikum auf einer kleinen Bühne vorgestellt, dann legten sie mit ihrem Schiff wieder ab und verschwanden, eskortiert von einem Polizeiboot, im Dunkel der Nacht. Während der ganzen Zeit wurde das FC-Bayern-Emblem auf Rivas Wahrzeichen, den Torre Apponale, projiziert. Die Batman-Bayern, Retter der Welt?

Geradezu provinziell wirkte dagegen die Sponsoring-Posse um Adidas und Nike mit den Protagonisten Mario Götze, Jan Kirchhoff und Mario Gomez. Sie alle hatten wohl verdrängt, dass Adidas ein Großsponsor Bayern Münchens ist, und trugen vor wenigen Tagen bei offiziellen Terminen Kleidung ihres Privatausrüsters Nike. Jetzt müssen sie deswegen angeblich eine Strafe in fünfstelliger Höhe zahlen.

Dem Imagegewinn des FC Bayern dürfte der Fauxpas nicht schaden in diesen Trainingslager-Tagen. Er ist kaum in Zahlen zu bemessen, aber er dürfte nicht nur für sie, sondern auch für die Gardasee-Region sehr groß sein. Nicht umsonst lächelten die örtlichen Tourismuschefs kurz nach der Ankunft des Clubs mit Bayern-Trainer Guardiola auf der Pressetribüne für die Kameras. Und wann gab es in den vergangenen Jahren eine bessere Gelegenheit, den Verein zu vermarkten, als jetzt, nach dem Triple?

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte bereits im Mai angedeutet, "dass wir wirtschaftlich Rekorde bei Umsatz und Gewinn erreichen", neben all den sportlichen Bestmarken. Der Umsatz, so die Prognose, dürfte erstmals über 400 Millionen Euro liegen. Die Frage ist nur, wie viel Show der Fußball-Bundesligist Bayern München dabei noch verträgt.

FC Bayern bucht komplettes Hotel

Zumal die ständig extremer werdende Überhöhung der Profis auch kontraproduktiv werden kann. Sie müssen schon jetzt abgeschottet werden, können sich am Gardasee nicht frei bewegen. Das Hotel hat der FC Bayern komplett für sich gebucht, der Bayern-Bus parkt hinter schweren Eisentoren.

"Wir sind langsam an den Rummel gewöhnt, letztes Jahr war hier auch viel los", sagte Xherdan Shaqiri. "Du bist als Bayern-Spieler immer an der Öffentlichkeit. Damit musst du umgehen können." Autogramme geben die Spieler nach Trainings und Spielen flüchtig, es würde sonst kein Ende nehmen. Es ist außerdem bezeichnend, dass nur noch eines von zwei täglichen Trainings öffentlich ist. Im vergangenen Jahr gab es solche Restriktionen nicht.

Schon murren manche Interessierte. Wie Andreas aus Berlin, der mit seiner Familie den Urlaub am See verbringt. Die Stimmung beim Trainingsspiel sei nicht so gut gewesen, die Spieler gäben zu wenige Autogramme, findet er. Und auf der Bühne am See hätten die Fußballstars ziemlich gelangweilt ausgesehen.

Besonders Erhellendes haben Götze und Co. dort tatsächlich nicht gesagt. Auch darin besteht die Gefahr: dass die Fallhöhe der Inszenierung zu groß wird. Und sie dem Sport die Show stiehlt.

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