Noch-Bayern-Coach Heynckes: "Ich entscheide selbst, wann ich aufhöre"
Die Führung von Bayern München hat mit der Guardiola-Verpflichtung auch das Karriereende von Jupp Heynckes verkündet, den Noch-Trainer mit Lob überhäuft. Dabei scheint der 67-Jährige noch gar nicht aufhören zu wollen. Seinen Entschluss will er aber selbst verkünden.
Da saß er nun, der Trainer, schenkte sich Wasser ein und lächelte. Wieso sollte er auch nicht? So viel Wertschätzung war ihm in den vergangenen Tagen zuteilgeworden, so viel Lob, so viel Verbeugen des Umfelds. Zurückhaltend, wie es seine Art ist, begrüßte er die Journalisten im überfüllten Presseraum des FC Bayern: "Buenos días a todos", guten Tag allerseits. Jupp Heynckes lachte über seinen Coup.
Nach ursprünglichen Planungen hätte in diesem Moment wohl auch Pep Guardiola hier sitzen können. Nun kam es anders. Es grüßte also Heynckes, alter Trainer des FC Bayern und, das wurde rund um die riesige Euphorie um seinen Nachfolger fast vergessen, immer noch Übungsleiter bis Ende Juni. Die natürliche Zurückhaltung des 67-Jährigen verbietet die große Show. Doch dieser Freitag nach dem Pep-Spektakel sollte nun ihm gehören. Es sollte sein Auftritt werden. Wohl auch deswegen blieb Guardiola an seinem 42. Geburtstag in New York.
Heynckes spricht sehr gut Spanisch, dennoch fuhr er auf Deutsch fort. "So können Sie sich schon einmal an den Sommer gewöhnen", ließ er seinem "Buenos días" folgen. Wieder lachte er. Wieso sollte er auch nicht?
Lob für die eigene Arbeit
Vielleicht, weil er die anschließende Pressekonferenz fast ausschließlich damit beschäftigt war, zu dementieren, dass die Entscheidung des Vereins für Guardiola seine Zukunftspläne beim und mit dem FC Bayern durchkreuzt habe. Klar, im Sommer habe seine Entscheidung festgestanden, nach diesem niederschmetternden Saisonende mit drei zweiten Plätzen. Doch was kam dann?
Der FC Bayern spielte unter dem vermeintlich scheidenden Trainer eine der besten Hinrunden der Vereinsgeschichte. Nicht ohne Grund habe sich Guardiola für diese Mannschaft entschieden, die Konzeptfußball spiele, die integer und erfolgreich sei. Heynckes war bemüht, seine eigene Leistung im Subtext mitschwingen zu lassen. Er sagte: "Dieses Team ist nach Barcelona das zweitbeste Europas." Die Entscheidung Guardiolas ist für Heynckes vollkommen nachvollziehbar. "Ich würde auch nicht nach England gehen, wo man nicht weiß, was vier Monate später los ist."
Zu sagen, Heynckes ist stolz auf diese Mannschaft und diesen Verein, wäre untertrieben. Deswegen gibt es viele Beobachter, die seit Saisonbeginn einen Sinneswandel beobachtet haben wollen. Heynckes wirkte zuletzt motiviert wie lange nicht mehr, im Wintertrainingslager in Doha drückte er auch selbst derart aufs Gas, als wollte er zeigen, wie viel noch in ihm steckt. Vielleicht ein weiteres Jahr als Bayern-Trainer?
Heynckes ist für Top-Clubs interessant
Mit seiner Bestimmtheit, die sein niederrheinischer Akzent mit den scharfen Konsonanten unterstreicht, wehrt er sich nun gegen derartige Andeutungen. "Nein, der Entschluss stand fest." Über die Verhandlungen mit Guardiola sei er informiert gewesen. Der FC Bayern müsse auch perspektivisch denken, es sei an der Zeit für einen Generationswechsel. Dieses Argument leuchtet ein. Vor allem aus Vereinssicht. Doch was ist mit ihm? Persönlich spiele das Alter eine Rolle. "Ich bin jetzt fast 68. Wenn alle so lange arbeiten würden, wären die Renten sicher."
Was klang, wie es schon häufig geklungen hatte, nämlich nach Abschied vom Trainerjob im Sommer, sollte so aber gar nicht rüberkommen. Denn plötzlich sagte Heynckes - und damit war dann doch zumindest in dieser Deutlichkeit nicht zu rechnen: "Meinen Entschluss möchte ich selbst verkünden. Ich entscheide selbst, wann ich aufhöre." Auf die als Frage formulierte Anmerkung eines Journalisten, dass er doch aber als Trainer aufhöre, antwortete Heynckes, nicht mehr zurückhaltend: "Das habe ich nie gesagt." Mit der Pressemitteilung des Vereins von Mittwoch, in der vom Karriereende geschrieben wurde, dürfte er also nicht einverstanden gewesen sein.
So klappte es nicht ganz, das Münchner Wintermärchen nach dem Guardiola-Coup geräuschlos bis zum Bundesliga-Start am Samstag gegen Greuther Fürth (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) fortzusetzen. So sehr sich die Verantwortlichen mit einer Pressemitteilung, die Heynckes' Abschied Guardiolas Verpflichtung voranstellte, und viel berechtigtem Lob mühten. Es bleibt die Vermutung, dass hier der beste (und offenbar weiterhin motivierte) Bayern-Trainer eben durch den vermeintlich allerbesten ausgetauscht wird.
Heynckes katapultiert sich mit seinem Dementi eines Karriereendes selbst nun wieder in die Transferlisten europäischer Top-Vereine. Er hat in den kommenden knapp fünf Monaten die Chance, die sehr starke Hinrunde zu einer historischen Saison zu machen. Anschließend wird er Guardiola seine Mannschaft übergeben - und sich eventuell selbst eine neue suchen.
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- Freitag, 18.01.2013 – 17:54 Uhr
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