Klage gegen FC Bayern abgewiesen Überwachung im Fanshop-Hinterzimmer war rechtens

Eine Mitarbeiterin hat gegen Video-Überwachung im Hinterzimmer eines Bayern-Fanshops geklagt. Die Klage wurde abgewiesen - mit einer überraschenden Begründung.

Video-Überwachung im Bayern-Fanshop: Klage einer Mitarbeiterin abgelehnt
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Video-Überwachung im Bayern-Fanshop: Klage einer Mitarbeiterin abgelehnt


Das letzte Wort ließ Christian Nohr sich nicht nehmen. "Überraschungsurteile brauchen wir nicht", polterte der Essener Anwalt für Arbeitsrecht. "Auf nach Düsseldorf."

Gerade hatte Nohr eine Niederlage vor dem Oberhausener Arbeitsgericht erlitten: Richterin Barbara Rolfs wies die Klage seiner Mandantin gegen den FC Bayern München am Donnerstag ab. Die Mitarbeiterin des Bayern-Fanshops im Oberhausener Einkaufszentrum Centro hatte wegen Überwachungskameras in einem Pausenraum geklagt.

Nohr will nun beim Landesarbeitsgericht Düsseldorf Berufung einlegen. Er sei "der festen Überzeugung, dass da unser Vortrag gehört wird", sagte er. Die Oberhausener Entscheidung sei nicht nachvollziehbar. "Es handelt sich um einen Sozialraum. Das Gericht ist der Auffassung, es ist nicht so, demnach dürfen die Kameras dort sein."

Seine 51 Jahre alte Mandantin fordert vom FC Bayern 15.000 Euro Schmerzensgeld, das Löschen der Daten sowie das Abhängen der Kameras in dem Hinterzimmer. Das nutzten die Angestellten für Pausen, zum Essen und Trinken sowie zum Umziehen. Dabei wollten sie nicht gefilmt werden. Zumal niemand wüsste, was mit den Bildern passiert. Wie lange sie gespeichert werden. Und wer sie sich in München anguckt.

Klägerin fühlt sich "permanent überwacht"

Weil das Hinterzimmer aber auch als Lager dient und sich Tresore in ihm befinden, ist es laut der Richterin gar kein Sozialraum. Der FC Bayern sei wegen der zu geringen Anzahl an Mitarbeitern "nicht verpflichtet, einen Sozialraum zu schaffen". Folglich liege das Interesse der Überwachung höher als das der Klägerin.

Die Fanshop-Mitarbeiterin nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis. Zuvor hatte sie im Flur des Gerichts noch erklärt, dass sie sich "permanent überwacht" fühle. "Ich bin in meinem ganzen Arbeitsalltag eingeschränkt".

Bereits am Dienstag hatte der FC Bayern wegen seines Fanshops einen Prozess führen müssen. Der langjährige Leiter klagte gegen seine fristlose Kündigung. Erhalten hatte er sie nur einen Tag, nachdem er die Gründung eines Betriebsrats angeregt hatte. Der Verein wiederum sagte, es habe Unregelmäßigkeiten bei der Inventur gegeben. Zudem habe er die Mitarbeiter nicht gut behandelt. Am Ende gab es einen Vergleich, der Ex-Leiter erhält eine Abfindung.

Ein Tresor als Überwachungsgrund

"Die ganze Atmosphäre ist hinüber, die Mitarbeiter spüren den Druck, aber sie trauen sich nicht, etwas zu sagen. Ich bin nicht die einzige, die sich ärgert, aber die einzige, die sich traut, etwas zu sagen", sagte die Klägerin in Oberhausen. Sie kritisierte, dass es "keinen Winkel mehr" in dem Sozialraum gebe, der nicht überwacht werde; dem Verein gehe es um ein "Bewegungsprofil" und den "gläsernen" Beschäftigten.

Die Bayern-Anwälte kontern, es sei viel "Unsinn" verbreitet worden. Sie hätten sich mit mehreren Mitarbeitern unterhalten, niemand würde sich in dem Raum umziehen, die meisten gingen in den Pausen im Einkaufszentrum spazieren oder an die frische Luft. Außerdem werde der Sozialbereich des Raums ohnehin nicht gefilmt. Nur die Tür und der Tresor. Doch das war für die Richterin unerheblich. Da es ohnehin kein Sozialraum sei, sei die Überwachung rechtens.

Anwalt Nohr sieht das anders: "Beide Parteien sagen ja, dass es ein Sozialraum ist. Kann ich den Raum als Arbeitgeber also einfach überwachen, nur weil ich einen Tresor reinstelle?" Diese Frage wird im Sommer vor dem Landesarbeitsgericht in Düsseldorf verhandelt.



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insgesamt 17 Beiträge
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olga1951 25.02.2016
1. bayern
ist eben nicht Deutschland.
susa_pilar 25.02.2016
2. Damit
ist der Videobeweis nun wohl endgültig in der Bundesliga eingeführt!
Orthoklas 25.02.2016
3. 15000 Euro Schmerzensgeld?
Ein halbes Jahresgehalt als Schmerzensgeld? Sorry, gute Frau, so macht man sich selbst unmöglich!
mlu 25.02.2016
4. Sie haben
Zitat von olga1951ist eben nicht Deutschland.
schon mitbekommen, dass das Urteil in NRW gesprochen wurde?
eigene_meinung 25.02.2016
5. Richter
bestätigen mit ihren Urteilen immer wieder meine Vor-Urteile gegen Richter.
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