Heynckes-Appell an die Bayern Findet einen neuen Trainer!

Erstmals seit der Rückkehr von Jupp Heynckes haben die Bayern verloren. Gegen Gladbach zeigte das Team alte Schwächen - und alle sprechen über die Zukunft des Trainers, auch er selbst.

imago/Jan Huebner

Aus Mönchengladbach berichtet


Irgendwann sprach ein Reporter es aus. Das, was viele Beobachter nach der Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München im Gesicht von Jupp Heynckes zu erkennen glaubten. Ob der Frust über das Ende der Serie von neun Siegen seit seiner Rückkehr aus dem Ruhestand ein wenig abgemildert werde, weil der Gegner bei der ersten Niederlage Borussia Mönchengladbach gewesen sei, fragte jemand.

Schließlich hat Heynckes bei der Borussia eine noch längere Vergangenheit als bei den Bayern - als Spieler und als Trainer. Solche Gedanken existierten nur "in den Gehirnen von Journalisten" entgegnete Heynckes ausnehmend freundlich: "In erster Linie bin ich Profi." Und als solcher hätte er schon gerne gewonnen.

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Aber in zweiter Linie ist Heynckes ein Trainer mit Gefühlen und in dieser Rolle freut er sich schon mit den Gladbachern über die bislang so gelungene Saison. Und als sensibler Mensch ärgerte er sich außerdem über seinen alten Freund Uli Hoeneß. Es ist gut möglich, dass der 72-Jährige das Verhalten seines Präsidenten tatsächlich störender fand als das 1:2 im Borussia-Park.

Heynckes weiß nicht, "was den Uli bewegt hat"

Hoeneß hatte sich am Freitagabend auf der Jahreshauptversammlung zu der Aussage hinreißen lassen, Heynckes womöglich dazu bringen zu können, die Mannschaft auch in der kommenden Saison zu trainieren. "Ich habe keine Lust, immer auf dieselben Fragen zu antworten", sagte Heynckes nun mit einer Schärfe in der Stimme, die seinen Erläuterungen zum Spiel gefehlt hatte. "Wir haben eine klare Vereinbarung bis zum 30.6.2018 und da bleibt es dabei!" Hoeneß und Heynckes sind bekanntlich Freunde, rund um das Gastspiel in Gladbach sprachen die beiden aber nur übereinander statt miteinander.

Er wisse nicht, "was den Uli bewegt hat", sagte Heynckes und spekulierte, dass der Präsident auf der Jahreshauptversammlung "vielleicht etwas emotional reagiert hat". Noch einmal stellte Heynckes unmissverständlich klar, dass er nicht zu den Bayern gekommen ist, um Geld zu verdienen, oder weil ihm langweilig war, oder weil er der Welt noch etwas beweisen musste. Er hat seinem Freund und dem Klub, bei dem er seine größten Trainererfolge erlebte, einen Gefallen getan.

Mitten in der Saison "einen adäquaten Trainer für den FC Bayern zu finden, ist nicht ganz so einfach", sagte Heynckes nun, nur deshalb sei er eingesprungen. "Aber zur neuen Saison ist das etwas ganz anderes." Dass er nun ohne Rücksprache einem zunehmenden Druck ausgesetzt ist, doch noch länger zur Verfügung zu stehen, ist nicht besonders taktvoll, zumal dieser Wunsch offenbar auch in der Mannschaft kursiert. "Ich habe jetzt in zehn Spielen gute Erfahrungen mit ihm gemacht, deshalb hätte ich keine Einwände", sagte Mats Hummels zur Trainerzukunft.

Unklar ist, ob Hoeneß wirklich glaubt, Heynckes würde eventuell bleiben wollen, oder ob er einfach mal wieder ein bisschen angeben wollte mit der vermeintlichen Unwiderstehlichkeit des FC Bayern. Oder wollte er einfach seine Verhandlungsposition mit irgendwelchen Trainerkandidaten verbessern? Sicher ist nur, dass der bislang so makellos strahlende Heynckes-Glanz dieses Herbstes erste Kratzer abbekommen hat.

Ähnliche Probleme wie unter Ancelotti

Da passte es, dass gerade jetzt der Status der Unbesiegbarkeit verloren ging. Heynckes hat ja nicht nur seine ersten neun Partien in dieser Saison gewonnen. Die Serie reicht zurück bis ins Jahr 2013, als er mit dem Triple Abschied nahm und am Ende 16 Spiele in Folge unbesiegt geblieben war. Der Zauber der Rückkehr ist verflogen, und prompt zeigten sich wieder sportliche Probleme, unter denen schon Carlo Ancelotti zu leiden hatte.

Das Team wirkte müde, träge und habe "ein bisschen zu wenig gemacht", sagte Niklas Süle. Die zentralen Mittelfeldspieler Sebastian Rudy, Arturo Vidal oder Javi Martínez lieben es, das Spiel vor sich zu haben, gehen aber kaum in die Tiefe. Ähnliches galt auch für Kingsley Coman und Corentin Tolisso, die die Flügel besetzten. Wenn man "gegen eine Wand" wie diese Gladbacher spiele, brauche man "Spieler, die im Eins gegen Eins bis zur Grundlinie kommen", sagte Heynckes. Doch solche Typen fehlten - auch, weil Arjen Robben und Franck Ribéry verletzt fehlen. Und die Defensive wirkte auch nicht immer stabil.

Heynckes ist ein großer Diplomat, ein Mann, der klare Botschaften kommunizieren kann, ohne Leuten zu nahe zu treten. Die Bitte, die er in Mönchengladbach an Hoeneß und den Rest der Münchner Klubführung übermittelte war aber sehr eindeutig: Findet einen neuen Trainer und dazu noch passende Nachfolger für die alternden Stars Robben und Ribéry. Und zwar so schnell wie möglich.

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Freifrau von Hase 26.11.2017
1.
"Der Zauber der Rückkehr ist verflogen" Sorry, aber das ist einfach nur....ein nach den letzten Wochen müder und überspielter FC Bayern, bei dem nebenbei die halbe Stammelf fehlt, hat auswärts mit einem Tor Unterschied und sogar etwas unglücklich verloren. Rufen wir mal schnell eine Krise aus? Anders ist es mit dem Trainer. Hier erwartet man eigentlich, dass die Führung schon mit Tuchel, Klopp oder wem auch immer zusammensitzt und den Kader plant.
hans-rai 26.11.2017
2. Was soll der schwarze Trauerrand um die Meldung...
...nur weil Bayern mal wieder ein Spiel verloren hat? Und die ständigen Spekulationen um Heynckes machen die Berichte auch nicht interessanter. Ich kann den Ärger von Heynckes gut verstehen.
Teigkonaut 26.11.2017
3. Kann den Jupp gut verstehen,...
aber man sollte bedenken, dass die Niederlage gestern Abend kein Drama für den FCB war. Das Team hat in der zweiten Halbzeit alles raus gehauen. Mit diesem Personal war aber gegen diszipliniert und leidenschaftlich spielende Gladbacher nicht mehr drin. Vor allem die Durchschlagskraft im Angriff hat den Bayern gefehlt. Was die Trainerdiskussion um Heynckes angeht: Ich denk, dass war der aktuellen Erfolgswelle geschuldet. Logisch, dass dann solche Ideen auftauchen. Das der Hoeness auf der Jahreshauptversammlung des FCB dann sagt er halte ein längeres Engagement für möglich ist diplomatisch ausgedrückt. Da braucht man dann nicht heraus zu lesen, dass er damit die Vereinbarung mit Heynckes ignoriert. Der Jupp sollte sich seine letzten Jahre nicht fremdbestimmen lassen. So viel Geld kann er bei den Bayern gar nicht verdienen.
Bueckstueck 26.11.2017
4. Die Doppelzüngigkeit der Journallie
Die Journallie hat seit Wochen immer wieder darüber fantasiert, ob Heynckes nicht doch weiter machen sollte. Wenn aber Hoeneß aus durchaus nachvollziehbaren Gründen die Hoffnung äussert seinen Freund dazu überreden zu können, wird das gleich zum Skandal - albern im Quadrat. Heynckes hat jetzt nochmals klar nein gesagt und damit ist das Thema erledigt, auch für Hoeneß. Das gleiche Schema F der Journallie gibts beim sportlichen zu beobachten: Es werden die Resultate bejubelt und wenn dann das Erste Spiel trotz Chancenüberlegenheit verloren geht, brechen alle Dämme und das Wasser fliesst bergauf als ob man nicht schon lange sehen konnte, dass die Erfolge vorallem auf Arbeit und nicht auf feinster Gussballkunst fußen. Heynckes ist auch kein Zauberer und seit Guardiola weg ist, ist es häufiger die Brechstange als das Skalpel. Und jetzt kommen wieder längere Verletzungen von Leistungsträgern hinzu. Das wird schwierig für den Verein und das Pflichtenheftchen für die Verantwortlichen ist gut gefüllt um die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen - ohne Heynckes.
tmhamacher1 26.11.2017
5. Umbruch!
Die Bayern stehen vor einem Umbruch, und es ist klug von Heynckes, von vorneherein klar zu machen, dass er diesen Umbruch nicht gestalten wird. Die Mannschaft, die er jetzt abwickeln muss, ist im Kern unter seiner Ägide entstanden. Jetzt ist die Zeit abgelaufen, und entscheidend wird es sein, einen neuen Trainer zu finden, der mit einer eigenen Spielidee das Gerüst der Mannschaft ändert und die Altstars in den Ruhestand schickt.
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