Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Match gegen Barcelona: Darum ließ Guardiola Götze auf der Bank

Von

Champions League: Der doppelte Neymar ist zu viel Fotos
DPA

Die Bayern brauchten im Rückspiel gegen Barcelona Tore. Trotzdem ließ Trainer Josep Guardiola Mario Götze lange außen vor. Die Analyse zeigt: Der Maßnahme lag ein Taktik-Kniff zugrunde.

Es lief die 68. Minute im Spiel zwischen dem FC Bayern und dem FC Barcelona, da sorgte Münchens Trainer Josep Guardiola beim Stand von 2:2 mit einem Wechsel für irritierte Blicke bei einigen Stadionbesuchern. Er nahm Philipp Lahm vom Feld und brachte Sebastian Rode. Nicht Mario Götze, seinen besten Offensivjoker.

Dass es Götze wie schon im Hinspiel in Barcelona nicht in die Startelf geschafft hatte, überraschte. Dass Guardiola es später offenbar eher Rode zutraute, der Mannschaft Impulse zu verleihen, als dem WM-Helden, dürfte manch einer als Demütigung interpretiert haben. Doch das stimmt so nicht.

Schweinsteiger und Lahm statt Götze

Denn: Grund für Götzes Ersatzrolle war die taktische Lehre, die Guardiola aus dem 0:3 vom vergangenen Mittwoch gezogen hatte. Für das Rückspiel hatte der Bayern-Coach einen Plan ausgetüftelt, der sowohl Barcelonas Schwächen offenbarte als auch bessere Kontrolle und Absicherung gegen Konter bot. Ein Plan, in den Götze mit seinem Taktikprofil nicht optimal hineinpasste.

Die Rolle, die Götze normalerweise bei den Münchnern einnimmt, existierte im zweiten Duell mit Barça nicht. Meist spielt der 22-Jährige in einem 3-4-2-1 als linker der beiden Halbstürmer oder gibt einen richtigen Linksaußen. Gegen die Katalanen strich Guardiola beide Positionen.

Die Bayern, obwohl in derselben Besetzung wie in Barcelona aufgelaufen, traten diesmal völlig anders auf. Ein entscheidender Unterschied war die Staffelung im Ballbesitz. Die Münchner versuchten, sehr breite Anspielstationen zu schaffen. Dadurch sollte die Formation der Katalanen entzerrt und Raum für Angriffe speziell über den rechten Flügel geöffnet werden. Denn über die Außenbahnen sind die Katalanen durchaus verwundbar.

Sämtliche Ballaktionen von Philipp Lahm in der ersten Hälfte: Bayerns Kapitän spielte wie schon gegen Porto vorne rechts und sorgte für Breite im Spiel der Münchner. Zur Großansicht
Opta

Sämtliche Ballaktionen von Philipp Lahm in der ersten Hälfte: Bayerns Kapitän spielte wie schon gegen Porto vorne rechts und sorgte für Breite im Spiel der Münchner.

Lahm klebte konsequent an der Seitenlinie und lockte den Gegner nach außen. Bekam er den Ball, versuchte er häufig, in den Strafraum zu flanken. Waren die Mitspieler in Ballbesitz, suchte er kaum den Weg in die Tiefe, sondern bot sich für Kurzpässe an, immer bereit, die Kollegen abzusichern, falls sie sich vorwagten. Götze wäre in dieser Rolle verschenkt gewesen; weder hätte er seine starken Bewegungen zwischen die gegnerischen Linien einbringen können, noch ist er ein besonders guter Flankengeber.

Die Grafik zeigt alle Tor- und Torschussvorlagen sowie sämtliche Flanken der Bayern. Guardiolas Elf versuchte es meist über die Flügel, bevorzugt über rechts. 20 Flanken schlugen die Münchner, im Hinspiel waren es elf gewesen. Zur Großansicht
Opta

Die Grafik zeigt alle Tor- und Torschussvorlagen sowie sämtliche Flanken der Bayern. Guardiolas Elf versuchte es meist über die Flügel, bevorzugt über rechts. 20 Flanken schlugen die Münchner, im Hinspiel waren es elf gewesen.

Während die Bayern über rechts nach vorne spielten, rückte Bastian Schweinsteiger ins Zentrum. Dort kontrollierte er mit Thiago und Xabi Alonso das Mittelfeld. Schweinsteiger wägte ab, ob er von dort in den Strafraum aufrücken sollte, um als Abnehmer für Flanken zu Abschlüssen zu kommen, oder ob er absichern sollte. Der 30-Jährige war mehr zentraler denn linker Mittelfeldspieler und sorgte mit dafür, das Team nach einem Ballverlust gegen Konter zu stabilisieren.

Götze hingegen ist keine Passmaschine, ihm fehlt Schweinsteigers Kopfballstärke und Aufmerksamkeit in der Defensive. Er ist keiner, der die Dominanz im Mittelfeld erhöht, sondern ist stark darin, Angriffe in den Strafraum zu bringen. Ein Dribbler und Kombinierer. Und aus Guardiolas Sicht ein Wagnis gegen das wohl beste Konterteam der Welt.

Bayerns Fokus auf die rechte Angriffsseite und Schweinsteigers Einrücken hatten einen positiven Nebeneffekt: Waren die Münchner im rechten Offensivbereich am Zug, lag die größtmögliche Distanz zwischen dem Ball und Lionel Messi, der auf Barças rechtem Flügel, also dem gegenüberliegenden Spielfeldeck begann.

Die Dreiecke symbolisieren gelungene (grün) und misslungene (rot) Dribblings von Lionel Messi; der grüne Kreis markiert einen Torschuss, der gelbe einen geblockten Abschluss. Im Hinspiel waren Messi neun von 14 Dribblings, vier Abschlüsse und zwei Tore gelungen. Zur Großansicht
Opta

Die Dreiecke symbolisieren gelungene (grün) und misslungene (rot) Dribblings von Lionel Messi; der grüne Kreis markiert einen Torschuss, der gelbe einen geblockten Abschluss. Im Hinspiel waren Messi neun von 14 Dribblings, vier Abschlüsse und zwei Tore gelungen.

Dass Guardiola auch auf Götze verzichtete, als er in der zweiten Halbzeit auf ein 4-3-3 umstellte, hatte ähnliche Gründe. Zwar offenbarte Barça Lücken in der Formation, die Götzes Spielweise entgegengekommen wären. Doch der fürchtete offenbar auch dann noch die katalanischen Konter, als das Spiel der Gäste längst an Intensität verloren hatte und sie den Vorsprung zu verwalten versuchten.

Götze ist für Bayern verzichtbar - noch

Mit Götze wären die Bayern wohl gefährlicher gewesen. Doch Harmlosigkeit war nicht das Problem der Münchner. 19 Torschüsse und drei Treffer zeugen davon. Das Problem war, dass es nicht konstant gelang, Barcelonas Offensive zu kontrollieren. Mit Guardiolas Taktik ließen die Bayern im Rückspiel nur fünf Abschlüsse zu.

Götze ist nicht zu schlecht für die Bayern, immerhin hatte ihn Guardiola immer wieder auch in wichtigen Spielen von Beginn an aufgeboten, etwa in beiden Partien gegen Porto, im DFB-Pokal gegen Bayer oder im Liga-Hinspiel gegen den BVB.

Es ist aber so, dass Götze längst nicht die Dominanz ausstrahlt, um eine solche Bedeutung für Guardiolas Team einzunehmen, dass dieser seine Taktik auf Götze ausrichtet. Götze ist verzichtbar. Noch. Es fehlt ihm ein weiterer Schritt in seiner Entwicklung, und das ist völlig normal: Mario Götze ist erst 22 Jahre alt.

Fotostrecke

14  Bilder
FC Bayern in der Einzelkritik: Vorne getrickst, hinten gepatzt

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 142 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Karbonator 13.05.2015
Vielen Dank für diese nachvollziehbare Analyse, die sich wohltuend von anderen Artikeln abhebt, in denen entweder Götze schlechtgeschrieben wird oder Pep dafür kritisiert wird, daß er Götze nicht jede einzelne Minute durchspielen läßt.
2.
Mähtnix 13.05.2015
Die taktische Analyse Schweinsteiger/Götze betreffend mag ja schlüssig sein. Sie trifft den Sachverhalt imo jedoch nicht voll. Die Frage ist doch: Warum zieht Guardiola Götze nicht für andere Aufgaben/Positionen in Betracht? Warum lässt er hinten Rafinha rumstümpern und davor den noch nicht wieder in Form befindlichen Lahm? Für mich war diese rechte Seite eine echte Schwachstelle. Warum nicht Lahm nach hinten und Götze davor oder Weiser? Und da liegt die Antwort auf der Hand: Weil Beiden das Vertrauen des Trainers fehlt. In beiden Fällen für mich ein Indiz dafür, dass es mit der Trainerherrlichkeit nicht unbedingt so weit her ist. Beide Spieler sind (in unterschiedlicher Art) im Handling nicht einfach, aber weit überdurchschnittlich begabt. Aber Guardiola bekommt sie nicht eingebunden.
3. Götze ist verzichtbar für den FCB
dasistdasende 13.05.2015
Treffende Analyse. Und daran wird sich in Kürze wohl auch kaum was ändern. Götze muß sich halt überlegen, ob er sich weiterentwickeln will oder einfach beim FCB eine ruhige Kugel ohne bedeutende Rolle bei üppigem Gehalt schieben möchte. Seine Wahl.
4. Kann es sein
romeov 13.05.2015
...dass er zur Kategorie "ewiges Talent" zählt? Leider hat man immer das Gefühl, dass er nie zu den Spielern aufschließen wird, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen oder an die Grenze ihrer Leistung gehen.
5. ein anderes Spiel
hammelbein84 13.05.2015
Das Rückspiel war doch ein ganz anderes als das Hinspiel! Barca hat verwaltet und wäre nach dem 1:1 maximal in der Situation in Hälfte 2 angreifbar gewesen als der Schlendrian sich eingeschlichen hatte. Genau da wäre Götze der perfekte Mann gewesen auch Lewandowski durchzustrecken. Man gucke sich z.B. mal das Video "BVB- road to wembley" bei YT an, da sieht man wie gut das mal geklappt hat. Jung, komm nach Hause in den Pott!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Schnellste Champions-League-Tore: Clarence und Roy
Sieger Uefa Champions League
Jahr Verein
2015 FC Barcelona
2014 Real Madrid
2013 FC Bayern München
2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: