Bayern München am Scheideweg Das Schlimmste wäre das Triple

Der fünfte Versuch: Nach vier Pleiten gegen spanische Topteams spielt der FC Bayern wieder gegen Real Madrid. Klappt es endlich mit dem Einzug ins Champions-League-Finale? Das wäre keine gute Nachricht.

Bayern München nach dem Gewinn der Champions League 2013
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Bayern München nach dem Gewinn der Champions League 2013

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Am Abend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV ZDF) empfängt Bayern München Real Madrid zum Halbfinalhinspiel in der Champions League. Wenn man es gut mit den Bayern meint, müsste man eigentlich hoffen, dass sie krachend scheitern.

Seit Wochen schon erörtern deutsche Medien ausgiebig die Parallelen der aktuellen Saison mit der Spielzeit 2012/2013. Damals hatte der Klub mit Trainer Jupp Heynckes das Triple geholt, also neben Meisterschaft und Pokal auch die Champions League gewonnen.

Da die nationalen Titel in München mittlerweile als Selbstverständlichkeit angesehen werden (und angesichts des großen finanziellen Ungleichgewichts auch sind), ist die Frage nach dem internationalen Erfolg inzwischen der eigentliche Gradmesser für die Bewertung einer Bayern-Saison geworden.

Aber diesmal klappt es doch wirklich, oder?

In jedem Frühjahr denkt man, diesmal könnte es wirklich wieder mit dem Triple klappen. Warum eigentlich? In jedem der vergangenen vier Jahre schieden die Bayern gegen eine spanische Spitzenmannschaft aus der Champions League aus. Jedes Mal führten sie vorher die Tabelle der Bundesliga souverän an. In drei der vier Jahre waren sie zu diesem Zeitpunkt noch im DFB-Pokal.

Der Sportsender "Sport1" nannte vor ein paar Tagen "Sechs Gründe für das Bayern-Triple". Keiner der Gründe hatte etwas mit dem Halbfinalgegner Real Madrid zu tun. Ganz so, als seien die Münchner in den Vorjahren nicht an den spanischen Gegnern gescheitert, sondern an sich selbst.

Hier liegt wohl eine Verwechslung vor. Viele Trainer und Spieler erklären Niederlagen im Fußball gerne mit eigenen Fehlern und nicht mit der Stärke des Gegners. Das ist psychologisch nachvollziehbar - kann man sich doch so einreden, dass man nur selbst sein Potenzial ausschöpfen müsse, um beim nächsten Mal als Sieger vom Platz zu gehen.

Selbstbewusst sind halt alle - es sind Fußballprofis

Das Problem dabei: Im Fußball spielen immer zwei Mannschaften gegeneinander. Und auf höchster Profiebene ist es sehr unwahrscheinlich, dass das eigene Selbstbewusstsein, das der Trainer einem Team vermeintlich "eingeimpft hat", den Unterschied ausmachen wird. Real Madrid hat zuletzt zweimal in Folge die Champions League gewonnen und in dieser Saison bereits Paris Saint-Germain und Juventus ausgeschaltet. An Selbstbewusstsein wird es auch denen nicht mangeln.

Natürlich wird Jupp Heynckes seine Mannschaft akribisch auf den Gegner vorbereitet haben. Aber das ganze Selbstverständnis, das der FC Bayern vor sich herträgt, basiert auf der Tautologie "Mia san mia". Das sei die Basis für den Münchner Erfolg, so scheinen, zumal nach der Rückkehr von Präsident Uli Hoeneß, viele Menschen zu glauben.

Nach dieser Devise betreibt der Verein gerade seine Personalpolitik. Trainer Jupp Heynckes wurde zurückgeholt, zum vierten Mal. Heynckes kann immerhin beachtliche internationale Erfolge vorweisen. Sein Nachfolger Niko Kovac hat nur zwei Jahre Erfahrung als Vereinstrainer vorzuweisen - war aber ehemaliger Spieler des FC Bayern.

Qualifikation? Keine

Das, die Bayern-Vergangenheit, scheint auch die Hauptqualifikation bei Mehmet Scholl zu sein, den die Münchner gerade als Trainer der zweiten Mannschaft zurückgeholt haben. Erfolge als Coach? Keine. Das gilt bisher auch für Miroslav Klose. Der soll die Münchner U17 trainieren. Zwei der wichtigsten Nachwuchsmannschaften des Klubs werden nicht von international anerkannten Experten betreut, sondern von altgedienten Spielern.

Zugleich verlängert der Verein mit Arjen Robben und Franck Ribéry. Die sind 34 und 35 Jahre alt. Als die beiden zu den Bayern kamen, waren sie 24 und 25. Keiner der beiden hatte eine Münchner Vergangenheit, wie auch Trainer Louis van Gaal, der mit Robben kam und wie die beiden Spieler einer der Hauptfaktoren für die große Ära des FC Bayern war, die folgen sollte. Und die sich jetzt dem Ende entgegen neigen könnte.

Denn aktuell sieht alles danach aus, als zöge der FC Bayern die falschen Schlüsse aus seinen Erfolgen. Sollten die Münchner sich diesmal gegen Madrid durchsetzen, könnten sich die Verantwortlichen darin bestätigt sehen, dass alles einfach immer so weiter gehen kann. Nicht wenige Beobachter glauben das auch.

Tatsächlich wäre es das Beste für den Klub, wenn er zum fünften Mal in Folge scheiterte - und dann vielleicht endlich das eigene Geschäftsmodell in Frage stellen würde, das darin besteht, eine überforderte Bundesliga zu dominieren. Und sich damit abzufinden, in Europa die Nummer fünf zu sein. Und in wenigen Jahren nicht einmal mehr das.

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insgesamt 90 Beiträge
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Seite 1
robin-masters 25.04.2018
1. Stimmt
Am stärksten war Bayern international wenn es auch die Liga war - man denke an Bayern vs Dortmund im CL Finale. Leider ist die Liga seit Jahren eher unterer Durchschnitt.
dilido 25.04.2018
2. Ich glaub, mich tritt ein Pferd ....
"Tatsächlich wäre es das Beste für den Klub, wenn er zum fünften Mal in Folge scheiterte - und dann vielleicht endlich das eigene Geschäftsmodell in Frage stellen würde, das darin besteht, eine überforderte Bundesliga zu dominieren. Und sich damit abzufinden, in Europa die Nummer fünf zu sein. Und in wenigen Jahren nicht einmal mehr das." Selten so viel Mist gelesen. Ich fiebere heute für die Bayern - zusammen mit Freunden. Unter ihnen sogar BVB-Fans. Heute sind wir alle Bayern!!!!
Phil2302 25.04.2018
3. Und wenn es klappt
dann wäre es kein Beweis dafür, dass die Bayern es richtig machen? Was ist das denn für eine krude Logik? M.a.W.: Egal wie es ausgeht, Bayern macht alles falsch? Großartige Analyse.
Geissenpeter 25.04.2018
4. Immer gut...
... zu hören, was der FcBayern alles falsch macht. Und dann die Erfolgsmaschinen aus Hamburg, Dortmund und Gelsenkirchen als Benchmark dagegenzuhalten. Und: Miasanmia als Tautologie zu bezeichnen, zeigt schon dass der Autor wenig von Bayern verstanden hat.
mullertomas989 25.04.2018
5. Da mag vieles dran sein....
... und dennoch halte ich es nie für richtig, einem Menschen oder einer Sportmannschaft Schlechtes zu wünschen. Ich (kein Bayern-Fan, trotz des Namens) wünsche der Mannschaft Erfolg - ganz klar! Erst WENN es am Ende nicht klappen SOLLTE, kann den Nutzen einer Niederlage suchen. Aber so lange alles offen ist, wird auf Sieg gespielt, auch auf Seiten von sehr vielen deutschen Fußballfans!!
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