FC Bayern beim Fotoshooting Krach-Ledern

Beim traditionellen Lederhosen-Shooting zelebrieren die Bayern Heiterkeit, doch im Verein brodelt es. Thomas Müller spricht von "Unruhe" im Team. Trainer Ancelotti und sein neuer Sportdirektor müssen rasch reagieren.

AFP

Von Florian Kinast, München


Die Fröhlichkeit wirkte etwas aufgesetzt beim Fototermin am Nachmittag. Der FC Bayern München war in einem Filmstudio im Süden Münchens, zum alljährlichen Lederhosen-Shooting vor dem Oktoberfest. Die Spieler posierten in Tracht und mit gefüllten Weißbiergläsern. Franck Ribéry nahm in der vordersten Reihe Platz, zwischen Rafinha und Sven Ulreich. Und als er sich hinsetzte, war er ruhig und besonnen. Diesmal warf er seine Bekleidung nicht wutentbrannt von sich - so wie er es 15 Stunden zuvor nach seiner Auswechslung beim 3:0-Sieg gegen den RSC Anderlecht getan hatte.

Die Aufregung um den Franzosen beim Auftaktspiel in der Champions League war auch am Folgetag das beherrschende Thema. Genauso wie die derzeit immer größer werdende Unruhe beim FC Bayern. Schon sehr lange hat es nicht mehr so gebrodelt im Verein. In den vergangenen Jahren gaben die Beteiligten auch in schlechteren Zeiten immer artig ihre einstudierten Floskeln von sich, Aufregung gab es kaum. Jetzt kommen die Aufreger aber geballt, mit so vielen Spielern, die innerhalb kürzester Zeit ihrem Unmut Luft machen.

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Erst die Beschwerden von Thomas Müller, dann die Kritik von Robert Lewandowski, nun der zornige Ribéry, auch der Tacheles sprechende Arjen Robben - und zwischen alldem auch noch der Rüffel von oberster Stelle, von Klub-Boss Karl-Heinz Rummenigge. Der FC Bayern erinnert gerade an einen sich aufheizenden Kochtopf, in dem sich viel aufgestaut hat - und in dem Einzelne jetzt mächtig Dampf ablassen, auch unter der Gefahr, dass sie sich dabei die Finger verbrennen.

Gefährlich ist die Situation aber vor allem für Carlo Ancelotti. Der Trainer muss aufpassen, dass er seine Autorität nicht verliert. Bislang kam seine ruhige Art noch gut an. Im ersten Jahr schätzten die Spieler seinen menschlichen Umgang, gerade nach den drei frostigen Jahren unter dem eher kühlen Technokraten Josep Guardiola. Doch allmählich droht Ancelotti die Situation zu entgleiten. Auch nach dem Ausraster von Ribéry vermied er öffentliche Kritik, meinte nur, er habe keine Erklärung für das Verhalten, und man müsse den Spieler nach dem Warum fragen.

Und auch der neue Sportdirektor Hasan Salihamidzic müsste zur Wahrung der hierarchischen Verhältnisse schleunigst dazwischengrätschen, so konsequent wie einst als Spieler auf dem Platz - so wie er sich von Ribéry maßregeln musste, als er nach dessen Auswechslung versuchte, sein Gemüt zu beruhigen. Ob der Franzose, wie man seinen Lippen ablesen konnte, wirklich mit seinem Fingerzeig "Go back", geh zurück, sagte, sei dahingestellt. Als Sportdirektor darf man sich so ein Verhalten, so einen Umgang von einem Spieler aber auf keinen Fall gefallen lassen.

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Stattdessen übten sie sich beim Fototermin wieder in Harmonie. Co-Trainer Willy Sagnol patschte seinem Landsmann Ribéry freundschaftlich auf die Schulter, man scherzte, als sei da gar nichts gewesen am Abend zuvor. War es aber doch. Das erkannten auch die Spieler, bei denen auch am Mittwoch ganz offen die Defizite thematisiert wurden.

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Niklas Süle sprach zur Causa Ribéry: "Optimal war das nicht, aber das weiß er sicher selbst", sagte der Zugang aus Hoffenheim. Deutlicher zur momentanen Gesamtsituation des Vereins wurde Thomas Müller: "Der FC Bayern ist ein Verein, der polarisiert, da wird gerne Unruhe von außen reingebracht", erklärte er - und schob dann den bemerkenswerten Satz hinterher: "Aktuell haben wir schon genug Unruhe. Wir sollten uns wieder auf das konzentrieren, was auf dem Platz passiert."

Kein Wort sagte er zu seiner eigenen Situation, nachdem er gegen Anderlecht wieder erst nur auf der Bank gesessen hatte. Anscheinend hatte die Drohung von Karl-Heinz Rummenigge ("Wer öffentlich kritisiert, kriegt Stress mit mir") Wirkung gezeigt. Doch auch Müller konnte sich offensichtliche Seitenhiebe auf die Mitspieler nicht verkneifen, als er sagte: "Wir müssen auch wieder mehr den Nebenmann sehen und mehr gemeinsam spielen." Eine klare Anspielung auf Lewandowski, der gegen Anderlecht bei einem Angriff den freistehenden Robben aus Eigensinn nicht anspielte und den Niederländer damit erzürnte.

Neuer: "Es geht nicht um einzelne Spieler"

Manuel Neuer wiederum übte verhaltene Kritik an Ribéry, als er zur Szene am Vorabend sagte: "Es geht nicht um einzelne Spieler, es geht um den Verein und die Mannnschaft." Womit er meinte, dass so ein Verhalten dem Verein und der Mannschaft eher schade.

Ribéry selbst sagte am Mittwoch nichts. Dass er aus der Reihe tanzte und als einziger Spieler kein Weißbierglas in der Hand hielt, überraschte nicht, das war schon in den Jahren zuvor so. Als Muslim greift Ribéry nicht zum Glas, und sei auch - so wie beim Fototermin - nur alkoholfreies Bier drin. Nach nicht einmal einer Stunde war das Shooting vorbei, die Spieler waren von den vielen Fotografen erlöst und konnten sich wieder umziehen.

Sie mussten dann auch nicht mehr lächeln.

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