Champions-League-Auslosung Jupp im Glück

Besiktas Istanbul - jeder andere Gegner im Champions-League-Achtelfinale wäre wohl schwerer für die Bayern gewesen. Andere Favoriten räumen sich derweil gegenseitig aus dem Weg.


Es hätte der FC Barcelona werden können oder Manchester City mit Josep Guardiola - es wurde Besiktas Istanbul. Man könnte jetzt wieder den strapazierten Begriff vom Bayern-Dusel hervorholen. In jedem Fall haben die Münchner das vermeintlich einfachste Achtelfinal-Los gezogen. Entsprechend fielen die Reaktionen im Verein auch aus.

"Dass wir die bessere Mannschaft stellen, darüber sind wir uns einig. Aber man muss erst einmal die zwei Spiele bestreiten", sagte Thomas Müller und ordnete den Gegner einigermaßen realistisch ein. Verteidiger Niklas Süle sagte: "Es war dann doch nicht so schlecht, dass wir Zweiter geworden sind, wenn man sich PSG anschaut. Es ist gut gelaufen."

Zum Respekt vor dem Gegner gehört natürlich auch dazu, vor seinen Qualitäten zu warnen und nicht zu selbstsicher aufzutreten. Daher mischten sich auch vorsichtigere Töne in die Reaktionen. Das ist allerdings auch Teil der Folklore solcher Auslosungen.

Heynckes warnt vor Besiktas

Trainer Jupp Heynckes, von Natur aus einer der zurückhaltenden Vertreter, mahnte: "Besiktas hat in der Gruppe vier Siege und zwei Unentschieden geholt, sie sind also unbesiegt geblieben. Zudem haben sie einen sehr guten Trainer. Er hat es verstanden, verschiedene Nationalitäten zusammenzubringen. Das ist kein leichtes Los. Das ist eine sehr gute Mannschaft." Sein Team müsse schon "eine Top-Leistung bringen", um das Achtelfinale zu überstehen.

Trotzdem überwiegt die Vorfreude, einen ebenso stimmungsvollen wie sportlich machbaren Abend beim Rückspiel in Istanbul zu erleben. "Das ist ein schönes Los, ich freue mich auf die Spiele. Uns hätten natürlich auch größere Gegner treffen können. Ich weiß von meinen Leipziger Jungs, dass da eine super Stimmung herrscht", sagte Joshua Kimmich. Und Arjen Robben freute sich, in einem fortgeschrittenen Fußballalter noch eine Premiere zu erleben: "Es ist eine schöne Herausforderung, ich habe noch nicht gegen Besiktas gespielt."

Da geht es ihm anders als den Bundesliga-Kollegen von RB Leipzig. Besiktas hat in der Gruppenphase beide Spiele gegen RB gewonnen - allerdings präsentierte sich der Bundesligist in beiden Partien auch nicht in Bestform. Ein echter Maßstab für das Duell mit den Bayern waren die Spiele nicht. Sie taugen aber dazu, das Team nicht zu unterschätzen.

Mit Real und PSG zwei Endspielkandidaten im Duell

Dieses Problem dürften Real Madrid und Paris Saint-Germain ohnehin nicht haben. Beide treffen im Achtelfinale aufeinander, und es gibt nicht wenige, die diese Paarung fürs Finale im Mai getippt hätten. Neymar gegen Cristiano Ronaldo, Edinson Cavani gegen Gareth Bale, Kylian Mbappé gegen Karim Benzema - das klingt schon gut, aber eher für die Fans als für die Vereine selbst. Überschäumende Freude kam daher bei beiden Mannschaften nicht auf, dass für einen von ihnen der Weg schon früh vorbei sein wird.

Julian Draxler, der deutsche Nationalspieler in Dienst von PSG, wirkte dann auch naturgemäß zurückgenommen in seiner Reaktion: "Das werden zwei sehr spannende, enge und hochklassige Spiele." Die Erfahrung, die Liga in Frankreich fast nach Belieben zu dominieren und in der Gruppenphase den FC Bayern hinter sich gelassen zu haben, führt allerdings auch zu einem solchen Satz von Draxler: "Aber wir sind PSG, haben viel Selbstvertrauen und freuen uns auf die zwei Duelle."

Bei Real nahm man es mit Humor. In Anspielung auf Ex-Real Profi Xabi Alonso, der die Lose gezogen hatte, sagte sein früherer Madrider Teamkollege Alvaro Arbeloa: "Wir alle wissen, dass Xabi Alonso mit den Füßen besser ist als mit den Händen."

Das Achtelfinale im Überblick (vom 13. Februar bis 14. März):
Juventus - Tottenham
FC Basel - Manchester City
FC Porto - FC Liverpool
Real Madrid - Paris Saint-Germain
FC Chelsea - FC Barcelona
Bayern München - Besiktas Istanbul
FC Sevilla - Manchester United
Schachtjor Donezk - AS Rom

aha



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
GustavN 11.12.2017
1.
Auch Besiktas ist keine Thekentruppe, die müssen erst mal geschlagen werden.
ralfbraun 11.12.2017
2. Hochmut kommt vor dem Fall
Was besseres als hochmütige Bayern könnte Besiktas gar nicht passieren. Eine starke Mannschaft, die man nicht einfach aus dem Stadion schießt, wie einige meinen. Leipzig hatte sich das wohl auch leichter vorgestellt und nicht mit zwei Niederlagen gegen BI gerechnet. Allerdings wird Heynckes seine Bayern auch richtig seriös einstellen und motivieren.
diewildedreizehn 11.12.2017
3. Stimmt, aber ...
Zitat von GustavNAuch Besiktas ist keine Thekentruppe, die müssen erst mal geschlagen werden.
.. ich denke, dass ein Team, dass in den vergangenen Jahren im AF gegen Arsenal und Juve bestehen konnte auch ein AF gegen Besiktas meistern dürfte. In Istanbul werden wohl kaum die Champagnerkorken geploppt haben.
roflxd 11.12.2017
4.
Es hat schon seinen Grund, warum der Begriff "Bayern-Dusel" im Lexikon steht. https://de.wikipedia.org/wiki/Bayern-Dusel
diewildedreizehn 11.12.2017
5. Wer behauptet so was?
Zitat von ralfbraunWas besseres als hochmütige Bayern könnte Besiktas gar nicht passieren. Eine starke Mannschaft, die man nicht einfach aus dem Stadion schießt, wie einige meinen. Leipzig hatte sich das wohl auch leichter vorgestellt und nicht mit zwei Niederlagen gegen BI gerechnet. Allerdings wird Heynckes seine Bayern auch richtig seriös einstellen und motivieren.
An der Säbener Straße ist man weder arrogant noch hochmütig. Es sind lediglich manche Kleingeister die das Münchener Selbstbewußtsein bewusst fehlinterpretieren Wer AFs gegen Arsenal und Juve seriös und erfolgreich gemeistert hat, der wird dies auch gegen Besiktas schaffen. Und alles was recht ist, aber zwischen dem CL-Neuling RB und dem FC Bayern bestehen doch gewisse Unterschiede. Das hat man beim Spiel in Leipzig deutlich gesehen.
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