Bayern-Spieler Franck Ribéry Wenigstens einer lacht noch

Die Stimmung bei den Bayern ist trübe - ausgerechnet vor dem Top-Spiel gegen Dortmund. Gut, dass Franck Ribéry so gut gelaunt ist, er könnte am Samstag wichtig werden.

Bayern-Spieler Franck Ribéry
AP/dpa

Bayern-Spieler Franck Ribéry

Von Christoph Leischwitz, München


"BUH!", brüllte Franck Ribéry, als er aus seinem Versteck hinter einem Vorhang hervorsprang. Der Franzose hatte sich mal wieder einen seiner Scherze ausgedacht, das Opfer war Volker Braun, der Mannschaftsarzt des FC Bayern München. Braun verzog keine Miene, Ribéry aber feixte und kriegte sich kaum noch ein. Das Video, von Ribérys Kumpel David Alaba gefilmt und anschließend getwittert, ist nicht relevant, weil es sonderlich lustig wäre. Sondern weil es zeigt, dass der Mittelfeldspieler wieder der Alte ist. Ein glücklicher Ribéry ist ein gesunder Ribéry - und ein gesunder Ribéry kann sogar eine Mannschaft wie den FC Bayern noch besser machen.

Noch führen die Münchner mit fünf Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund, nach dem Duell am Samstag (Anpfiff 18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) könnten es nur noch zwei sein. Daran will bei den Bayern keiner denken, und doch scheint es seit einiger Zeit, als würden sie sich im Verein mit schweren Gedanken herumschleppen. Nach der überraschenden Heimniederlage des Tabellenführers am vergangenen Mittwoch gegen den FSV Mainz 05 war die Stimmung so schlecht, dass nur wenige Spieler vor die Presse traten, nicht einmal der sonst so lockere Thomas Müller.

In den vergangenen Wochen hatten sie sich nach Heimspielen zunehmend selbstkritisch gegeben. Denn der Aufwand, den die Bayern auf dem Platz betreiben, steht zurzeit in keinem Verhältnis zum Ertrag: Trotz einer imposanten Leistung in der Champions League bei Juventus Turin stand am Ende nur ein 2:2. Und ein Rückstand gegen Darmstadt 98, der erst in der zweiten Halbzeit in einen Sieg gedreht wurde, war für Trainer Josep Guardiola und seine Mannschaft verblüffend.

Die Pressekonferenzen des Spaniers sind mehr denn je geprägt von kühler Distanz gegenüber den Journalisten. Die Äußerungen des Maulwurfs, der im Winter von schlechter Stimmung im Team berichtete, hallen noch nach, im Kader fehlen immer wieder Schlüsselspieler wegen Verletzungen. Dass der ehemalige Präsident Uli Hoeneß nun aus dem Gefängnis freikam und am Mittwoch im Stadion die Fotografen beschäftigte, lenkte rein äußerlich von den Problemen der Mannschaft ab. Intern aber gewiss nicht.

Und jetzt wird es sogar im Kampf um die Meisterschaft noch mal ernst. In dieser Phase kann einer wie Ribéry nur guttun, der die Fans immer wieder zu Szenenapplaus animiert. Der in Boulogne-sur-Mer geborene Kreativspieler ist nach Philipp Lahm der dienstälteste Spieler im Bayern-Kader, die Fans haben ihn seit 2007 ins Herz geschlossen. Mit seinen fast 33 Jahren hat sich der begeisterte Playstation-Zocker ein kindliches Gemüt bewahrt. Und das, obwohl er es zuletzt nicht leicht hatte.

Als er bei seiner Einwechslung gegen Darmstadt 98 von den Fans lautstark gefeiert wurde, handelte es sich schon um die zweite Rückkehr innerhalb eines Jahres. "Die Situation war brutal", sagte Ribéry in der Winterpause über seinen Leidensweg. Nach einer komplizierten Knöchelverletzung hatte er Ende November wieder gespielt, sich aber Anfang Dezember einen Muskelbündelriss zugezogen. Das Rumoren im Umfeld, Ribéry könnte nie wieder eine wichtige Rolle spielen, schien sich zu bewahrheiten. Er selbst aber war unermüdlich: "Wenn ich wieder fit bin, brauche ich nur Rhythmus und Spiele."

Gegen Mainz trickste er sich selbst aus

Er scheint recht zu behalten. Gegen Mainz stand er nach 51 Wochen zum ersten Mal bei einem Heimspiel in der Startelf, nach zwei erfolgreichen Kurzeinsätzen gegen Darmstadt und Wolfsburg. Und auch, wenn er seine Rolle auf dem Platz nicht immer so ausfüllt, wie es sich Trainer Guardiola wünscht, erfüllte er doch dessen taktisch geprägtes Offensivspiel mit Leben.

Beim 1:2 gegen Mainz merkte man ihm allerdings an, dass noch Spielpraxis fehlt. Ribéry kam zwar auf beachtliche 114 Ballkontakte und lief sich häufig frei. Allerdings war sein Zweikampfwert mit 30 Prozent eher schwach, seine Passquote von 79 Prozent mittelmäßig. In der zweiten Hälfte konnte man in einer Szene besonders gut erkennen, dass die Kondition für 90 Minuten sowie sein altes Timing noch nicht komplett zurück sind. Er wollte einen überraschenden Haken schlagen, trickste sich dabei aber selbst aus - und landete neben dem ruhenden Ball auf dem Hosenboden.

Ribéry wird im Spiel gegen Dortmund zeigen müssen, in der Startelf oder als Joker, dass er auch noch bis zum Auslaufen seines Vertrags im kommenden Jahr wertvoll sein kann. Er freue sich schon auf Carlo Ancelotti, hat Ribéry kürzlich einmal gesagt, der italienische Trainer habe ihn 2009 schon zu Chelsea holen wollen. Vielleicht hat er ja doch noch eine große Zukunft vor sich.



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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
rumsi 04.03.2016
1. richtig von Pep..
ware gewesen, wenn er gesagt hätte, dass eine Weltklassemannschaft wie Bayern - mit lauter Weltstars , auch ohne einen Alonso oder Müller gewinnen muss. Es zeigt sich immer mehr, wieviel Wert Müller in dieser Mannschaft ist. Schade eigentlich, dass der Erfolg einer Elf oftmals von 2-3 Schlüsselspielern abhängt. Dies ist aber bei Barca oder Real nicht anders.
pb-sonntag 04.03.2016
2. Daumen drücken für Dortmund
Da hoffen wir doch alle, dass dem Franck nicht das Lachen vergeht.
borrussiad. 04.03.2016
3. Dortmund
Ganz Fussball-Deutschland fiebert auf einen Sieg der Borussia, damit die Liga mal spannend wird. Ich hoffe das Ribèry das Lachen vergeht und viele andere auch.
anr 04.03.2016
4.
Ganz Deutschland hofft auf einen Bayern-Sieg. Dann kann sich der Bvb voll auf den Europa-Cup konzentrieren. Dreifach-Belastung können die Dortmunder nämlich nicht.
nummer50 04.03.2016
5.
Ich hoffe nur eins, dass der Schiedsrichter neutral bleibt und sich im BVB Stadion nicht in die Hose macht.
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