Kritik am Ex-Trainer Ribéry tritt gegen Guardiola nach

Franck Ribéry rechnet mit Ex-Bayern-Coach Guardiola ab: "Er ist ein junger Trainer, mit wenig Erfahrung." Auch sonst macht der Franzose deutlich, was er von dem Katalanen hält.

Franck Ribéry (l.), Josep Guardiola (Archivbild)
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Franck Ribéry (l.), Josep Guardiola (Archivbild)


Für Franck Ribéry läuft es derzeit blendend. In der Vorbereitung auf die kommende Bundesligasaison zählt er bisher zu den auffälligsten Akteuren, so auch auf der PR-Reise des FC Bayern München durch die USA. Im Anschluss an das jüngste Testspiel gegen den AC Mailand lobte Neu-Trainer Carlo Ancelotti, der Franzose sei "einer der Besten" im Team.

Ribéry sprüht vor Spielfreude und scheint jeden Moment der Gegenwart zu genießen. Nebenbei rechnet der 33-Jährige mit der Vergangenheit ab. Genauer: mit Josep Guardiola. Vor wenigen Tagen übte er noch relativ versteckt Kritik an seinem ehemaligen Trainer, der vor einem Monat zu Manchester City übergesiedelt war.

Befragt nach den ersten Eindrücken von Ancelotti setzte Ribéry zu einer Lobeshymne auf den Italiener an - und konnte sich einen Seitenhieb in Richtung des Vorgängers nicht verkneifen. "Unter Ancelotti spüre ich endlich wieder Vertrauen", sagte er kürzlich dem "Kicker" und führte aus: "Er ist ein großartiger Trainer. Ich brauche Menschen wie ihn, Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld." Der Name Guardiolas kam ihm dabei nicht über die Lippen. Die Genannten wüssten in den Augen Ribérys nämlich, "wie man mit großen Spielern umgeht".

Ribéry vermisste Rückendeckung

Der trickreiche Flügelstürmer und der spanische Fußballphilosoph pflegten in den vergangenen drei Jahren nie ein allzu herzliches Verhältnis. Das war auch vor Kurzem beim Testspiel zwischen Guardiolas altem und neuem Verein zu besichtigen: Zwischen den beiden gab es keine herzliche Umarmung, noch nicht einmal ein freundschaftliches Händeschütteln tauschten sie zur Begrüßung aus.

Der Gefühlsmensch Ribéry, den Ancelotti schon 2009 zum FC Chelsea holen wollte, gibt sich selten Mühe, mit seiner Meinung hinter dem Berg zu halten. Nun scheint der Rechtsfuß jegliche Zurückhaltung abgelegt zu haben und sprach Guardiola offen die Expertise ab. "Pep hat noch keine lange Karriere als Trainer gehabt. Er ist ein junger Trainer, mit wenig Erfahrung", polterte er auf einer Pressekonferenz in Chicago gegenüber Medienvertretern.

Ancelotti hingegen pries er als einen "guten Menschen, eine große Persönlichkeit. Das haben wir vorher vermisst." Außerdem rede Guardiola nach Meinung Ribérys "manchmal zu viel", obwohl Fußball doch an sich ein einfaches Spiel sei.

"Kannst keinen Fehler machen in einem Halbfinale"

Außerdem warf er Guardiola Fehler im Champions-League-Halbfinale gegen Atlético Madrid vor. "Du musst große Namen, die Besten auf dem Platz haben", sagte er und spielte damit auf das verlorene Halbfinal-Hinspiel gegen die Spanier (0:1) an, bei dem er selbst neben Thomas Müller auf der Bank Platz nehmen musste.

Dass bei Ribéry und Guardiola zwei verschiedene Fußball-Welten aufeinandergeprallt sein müssen, wird spätestens dann klar, wenn man liest, was der Spieler von Guardiolas Idee des Ballbesitzfußballs hält: "Wichtig ist: schnell nach vorne, Tor machen. Nicht so viel hin und her." Größer können Differenzen zwischen Spieler und Trainer wohl kaum sein.

lst



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comfortzone 28.07.2016
1. Schade
dass Ribery sich jetzt selbst so disqualifiziert. Es mag sein, dass er mit Guardiola nicht zurecht kam und die Spielidee des Katalonen zu komplex oder intelligent für ihn war - allerdings kann er nur für sich sprechen. Ein Fussballer muss auch dann Top-Leistungen bringen, wenn er nicht vom Trainer gehätschelt und getätschelt wird. Guardiola hat den FC Bayern meilenweit vorangebracht - nur einer hat das offenbar nicht gemerkt: Ribery !
judas30 28.07.2016
2. Einerseits hat er Recht
Andererseits sollte er nicht vergessen, dass im CL-Halbfinale immernoch eine großartige MANNSCHAFT auf dem Platz stand. Da geht es im Fußball auch drum. Bestes Beispiel? Der Gegner. Atletico Madrid.
ge1234 28.07.2016
3. Ach Frooonck...
... man weiß ja, dass Du so Deine Probleme mit Systemtrainern hast, die Dich in eine Rolle drängen wollen.War ja mit van Gaal nicht anders. Guardiolas Erfolge solltest Du allerdings nicht absprechen, dafür sind es dann doch eindeutig zu viele, auch in den vergangenen drei Jahren als Bayerntrainer. Und was das Halbfnale gegen Atletico anbelangt: Vergiss nicht, dass Du nach insgesamt 1jähriger (!) Verletzungspause gerade mal wieder 3 Wochen auf dem Platz warst. Vielleicht wiederholt sich ja die Geschichte: Nach dem Systemtrainer van Gaal kam der "Kuscheltrainer" Heynckes, der aufbauend auf dem System seines Vorgänger nur die menschliche Komponente vestärkte und die CL gewann. Und Ancelotti, bekannt für sein Händchen im Umgang auch mit "schwierigeren" Stars, hat ja schon angekündigt, nur wenig an Peps System ändern zu wollen.
omop 28.07.2016
4. Zutreffend..
wer Spielern nicht die Hand gibt..oder als erste Amtshandlung Pizza und Cola verbietet, wird sicherlich nicht alles aus einer Mannschaft herausholen. Man muss es leider sagen..mit dem Kader der letzten drei Jahre hätten Ancelotti/Heyneckes mind. einmal die CL geholt.
hador2 28.07.2016
5. Diva...
Ribery ist, wenn er fit ist, ein toller Spieler. Vom Charakter aber (bestenfalls) eine Diva, hat man ja auch schon bei der Nationalmannschaft gesehen wo er u.a. deswegen rausflog.
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