Bayerns Kantersieg über Dortmund Das war ja einfach

6:0 gegen Dortmund - die Höhe ihres Erfolgs überraschte selbst die Bayern-Profis. Deutlichstes Zeichen, dass sie den BVB nicht mehr auf Augenhöhe sehen: Sie hatten sogar Mitleid mit dem einst ebenbürtigen Gegner.

Bayern-Profis jubeln
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Bayern-Profis jubeln

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Wer sich den sogenannten deutschen Clásico schönreden möchte, der hat als letzten Strohhalm die zweite Hälfte, denn die war für sich genommen lange offen. Borussia Dortmund traute sich ab und zu vor das Bayern-Tor, Bayern-Keeper Sven Ulreich bekam tatsächlich etwas zu tun, und die Entscheidung fiel auch erst drei Minuten vor Schluss, da staubte Robert Lewandowski ab. Ein knapper Sieg für die Bayern also.

Aber ein Spiel dauert 90 Minuten und deswegen hat es auch eine erste Hälfte gegeben, die aus Sicht des BVB 0:5 endete. "Ihr seid schlechter als der HSV", riefen die Bayern-Fans in der Südkurve. Es war ein ungleiches Duell, das mit dem einstigen Top-Duell der Bundesliga nichts mehr zu tun hat.

Am Ende spazierten die Bayern zu einem 6:0-Erfolg gegen ein überfordertes Borussia Dortmund, nach dem Spiel schlenderte Javi Martínez mit einem Becher Eis durch die Interviewzone, für den FC Bayern war der ganze Abend ein einziges Zuckerschlecken gewesen. Und dass die Münchner in der zweiten Hälfte fast ohne Druck spielten, lag laut Mats Hummels auch nur daran, dass sich das Team schon für das Champions-League-Viertelfinale am Dienstag beim FC Sevilla (20:45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) schonen wollte.

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Bundesliga-Analyse: Wie Bayern Dortmund deklassierte

Dass sich Dortmund mit Bayern nicht mehr auf Augenhöhe befindet, war vor dem Spiel bekannt. (Lesen Sie hier eine Analyse von Freitag.) Aber dass es am Ende so leicht gegen den BVB werden würde, überraschte dann auch einige Spieler. Arjen Robben wirkte bei der Analyse nach dem Spiel fast ratlos. Natürlich mache es immer Spaß, Spiele auf höchstem Niveau zu bestreiten. "Aber heute …", sagte Robben und zögerte: "Wir können das nicht ändern. Wir machen unser Ding. Dortmund war nicht gut drauf."

Der frühere Dortmunder Hummels sagte, die ehemaligen Mitspieler täten ihm leid. "Ich habe hier auch mal 5:1 verloren. Ich weiß, wie sich das anfühlt", sagte der Innenverteidiger. Auf dem Platz wirkte er allerdings so, als bereite es ihm irre viel Spaß, Gegenspieler Michy Batshuayi ins Leere laufen zu lassen. Der andere Ex-Dortmunder, Robert Lewandowski, schoss drei Tore (5. Minute, 44., 87.).

Wenn es aus Bayern-Sicht überhaupt einen Makel gegeben hat, dann diesen: Die Meisterschaft konnten sie wegen des Sieges der Schalker gegen Freiburg am 28. Spieltag noch nicht einfahren. "Das wäre schön gewesen für die Fans, nach so einem Spiel", sagte Robben, der mit dem FC Bayern nun im kommenden Auswärtsspiel beim FC Augsburg vorzeitig Deutscher Meister werden kann.

Unwahrscheinlich ist, dass bis zu diesem Termin der kommende Bayern-Coach feststehen wird. Hummels ließ nach dem Spiel deutlich durchblicken, dass er von der schwelenden Trainerfrage nicht gerade begeistert ist. "Es ist gut, dass das jetzt auch von allen Seiten akzeptiert wird", sagte er nach einer Aussage von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zur Zukunft von Jupp Heynckes. Erstmals hatte die Bayern-Führung offen gesagt, dass der 72-Jährige zum Saisonende aufhören wird und eine Trainerbekanntgabe für Ende April vorgesehen ist.

Die Absage von Thomas Tuchel habe Hummels "nüchtern hingenommen", sagte er mit tiefer Stimme. Wer nun Trainer werde, wisse er nicht: "Ich frage ab und zu neugierig nach, aber wahrscheinlich vertrauen sie mir nicht, dass ich es für mich behalte." Mit anderen Worten: Auch die Spieler würden langsam gerne wissen, wer sie in der kommenden Saison trainiert.

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Bayern mit Kantersieg gegen BVB: Party ohne Schale

Doch die ungeklärten Fragen schlagen sich eben nicht negativ auf die Leistung nieder. Zwar erwischte Robben diesmal nicht seinen besten Tag, Franck Ribéry machte dafür sein fünftes Saisontor, er hat alle erst nach der Winterpause erzielt. Für beide Flügelspieler, beide 34 Jahre alt, stehen noch Vertragsverlängerungen im Raum.

Robben richtete den Fokus nach dem Spiel sofort auf die kommenden Aufgaben. "Jetzt kommt der Monat April, da müssen wir gut anfangen - das haben wir gemacht", sagte Robben, der dafür plädiert, am Dienstag in FC Sevilla "ruhig und entspannt" zu bleiben, sich nichts auf den deutlichen Sieg in der Generalrobe einzubilden. "Das kann beim nächsten Mal schon wieder ganz anders aussehen", sagte er. Vorstellen kann man sich das nach dem 6:0 aber beim besten Willen nicht.

Bayern München - Borussia Dortmund 6:0 (5:0)
1:0 Lewandowski (5.)
2:0 James (13.)
3:0 Müller (23.)
4:0 Lewandowski (44.)
5:0 Ribéry (45.+1)
6:0 Lewandowski (87.)
Bayern München: Ulreich - Rafinha, Jérôme Boateng, Hummels, Alaba (46. Kimmich) - Martínez - Robben (69. Rudy), Müller, James (65. Thiago), Ribéry - Lewandowski
Borussia Dortmund
: Bürki - Piszczek, Sokratis, Akanji, Schmelzer - Dahoud, Castro (29. Weigl) - Pulisic (75. Philipp), Götze (78. Sahin), Schürrle - Batshuayi
Schiedsrichter: Bastian Dankert
Gelbe Karten: Ribéry / Weigl
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)

insgesamt 17 Beiträge
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bert_baller 01.04.2018
1. Ach, keine Bange...
...die Dortmunder kommen schon wieder auf Augenhöhe. Wir müssen nur mal eben die Mannschaft, den Trainer und vor allem die Vereinsführung austauschen. Nimmt jemand ein paar gebrauchte Große-Klappen-Besitzer?
scooby11568 01.04.2018
2. Natürlich kann das ganz anders laufen...
das ist CL, Gurken gibt es da keine mehr. Konnte man am Spiel gegen Barca sehr schön sehen. Aber wenn Bayern auf dem Niveau weiter macht, werden sie schwer zu schlagen sein.
heinzi55555 01.04.2018
3.
was haben die Verantwortlichen der Dortmunder mit dem ganzen Geld gemacht, das sie ja reichlich hatten? Anscheinend haben über Jahre falsche Entscheidungen zur jetzigen Situation geführt. Geld weg, sportlicher Erfolg weg...erinnert an den HSV. Wenn die so weiter machen, muss der FC Bayern mit ein paar Millionen aushelfen.
romeov 01.04.2018
4. Ganz nebenbei
... da waren schon ein paar atemberaubende Spielzüge dabei und die erste Halbzeit war ein Sahneauftritt, auch wenn das, wegen der Diskussion über das Quo vadis des BVB, etwas vergessen wird.
leonardo da v 01.04.2018
5. Erstaunlich
wie der BVB sich selbst deklassiert! Und da der Fisch bekanntlich vom Kopf her zu stinken beginnt, erinnert man sich nur zu gerne an erfolgreiche Trainer wie Tuchel und fehlende Führungsqualitäten von Watzke und Co.. Vielleicht hat das Debakel ja auch was Gutes - nämlich Einsicht.
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