Drei Thesen zum Bundesliga-Auftaktspiel Bayern-Jäger wird man nicht durch viele Fouls

Hart verteidigen, schnell umschalten - so der Plan der Hoffenheimer in München. Dumm nur, wenn der nicht funktioniert. Auch auffällig: Ein Abgang von Jérôme Boateng würde wohl keine so große Lücke reißen, wie befürchtet.

Ermin Bicakcic (r.), Robert Lewandowski
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Ermin Bicakcic (r.), Robert Lewandowski

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Die Bayern gewinnen das Bundesliga-Auftaktspiel gegen Hoffenheim 3:1 - so weit, so gewöhnlich. Selbstverständlich war das nicht, stand der Rekordmeister doch nach der enttäuschend verlaufenen Vorsaison mit nur einem Titel und mit neuem Trainer an der Seitenlinie gleich im ersten Spiel unter genauer Beobachtung. Außerdem hatte Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann mit seiner Kampf-Ansage vor Saisonbeginn ("Wir wollen Titel") ein Ausrufezeichen gesetzt. Nach dem Spiel aber ist klar: Die Bayern lassen sich nicht aus der Ruhe bringen - und für die Hoffenheimer ist es bis zu Trophäen noch ein weiter Weg.

These 1: Bayern-Jäger wird man nicht durch viele Fouls

Hoffenheims Matchplan schien bereits nach Ansicht der ersten Hälfte klar: Hart verteidigen, schnell umschalten, durch die beiden Mittelstürmer Präsenz im gegnerischen Strafraum schaffen. Problem nur, dass das harte Verteidigen etwas aus dem Ruder lief: 21-mal wurden Bayern-Spieler gefoult. Auch das schnelle Umschalten gelang nur bedingt. Das lag mitunter auch an einem Vincenzo Grifo, der im Aufbau keine Rolle spielte. Lediglich 15 Ballaktionen hatte der Neuzugang von Mönchengladbach, ehe er zur Pause ausgewechselt wurde.

So sehr Hoffenheim zudem versuchte, die Stürmer in Stellung zu bringen: Sowohl Joelinton als auch Adam Szalai waren viel zu sehr in der Defensive eingebunden. Und wenn sie mal Bälle bekamen, standen sie in geschlossener Stellung mit dem Rücken zum Tor. Keine vielversprechende Ausgangslage für Chancen. Dementsprechend liest sich die Statistik: Nur zwei Torschüsse gelangen den Hoffenheimern innerhalb des Strafraums. Zum Vergleich: Bayern schloss zehnmal aus dem Sechzehner der TSG ab. Die zweite Hälfte sah aus Hoffenheimer Sicht schon viel besser aus, wirklich Zählbares sprang dabei - mit Ausnahme des Ausgleichtreffers von Szalai - nicht heraus.

These 2: Ribéry und Robben - die alten Männer sind die wertvollsten beim FC Bayern

Unberechenbarkeit, Unbekümmertheit und jugendlicher Elan: Diese häufig in den großen Fußball-Ligen gepriesenen Attribute für spielentscheidende Akteure treffen auf Franck Ribéry (35) und Arjen Robben (34) nicht zu. Doch mit ihrer Erfahrung sind die beiden Oldies im Team des FCB unersetzlich. Gegen Hoffenheim war es Ribéry mit seiner Cleverness, der den wohl spielentscheidenden Elfer gegen Havard Nordtveit herausholte.

Davor sorgte er auf dem linken Flügel für jede Menge Gefahr, war oft nur durch Fouls zu stoppen, riss Lücken und bereitete Torschüsse vor. Die Einwechslung des ob seiner Bankdrückerrolle sehr unzufriedenen Robben (45.+4) für den bis dahin überzeugenden Kingsley Coman, der sich erneut einen Syndesmosebandriss zugezogen hatte, war keine Schwächung, sondern spielerisch ein voller Erfolg. Robben gab in gut 45 Minuten drei Torschüsse ab und traf mit einem davon. Das zeigt: Beim FCB ist Erfahrung ein Pfund, mit dem auch in dieser Saison gewinnbringend gepunktet wird.

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These 3: Süle führt Bayerns Defensive

Die Startaufstellung des FC Bayern brachte manch einen Defensivvirtuosen bereits vor dem Anpfiff ins Schwitzen. Mats Hummels musste auf der Bank Platz nehmen: Jérôme Boateng und Niklas Süle starteten gegen Hoffenheim. Wer aber dachte, Süle sei, wie in der vergangenen Saison, wieder der junge Padawan der beiden Jedi-Meister, wurde in den folgenden 90 Minuten eines Besseren belehrt. Denn nicht der abwanderungswillige Boateng war im Münchner Defensivkonstrukt der Turm, sondern Süle.

Der 22-Jährige ist in der Vorbereitung unter Niko Kovac zum Abwehrchef gewachsen. Aus dem jungen Padawan wurde ebenfalls ein Jedi. Und was für einer: 95 Prozent seiner 75 Pässe brachte er an den Mitspieler, beides Bestwerte der Partie. Auch bei der Geschwindigkeit macht ihm kaum jemand etwas vor: 34,15 Kilometer pro Stunde läuft der 195 Zentimeter große Hüne, schneller als Coman oder Ribéry. Es scheint, als hätte Bayern einen neuen Abwehrchef gefunden, ohne ihn überhaupt gesucht zu haben.



insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
romeov 25.08.2018
1. Die lustigen Holzhackerbuam
Für mich hat Hoffenheim gestern Alls Sympathien verspielt. Die elf Rugby-Spieler werden auch dieses Jahr nicht um die Meisterschaft spielen, weil die Mitte der Saison alle verletzt sein werden, bei dem Gehacke.
immerfroh 25.08.2018
2. Bayernjäger
ist eine Wortschöpfung der Medien, die ihre eigene Existenz durch die Bayerndominanz in Gefahr sehen.
Objectives 25.08.2018
3. Hoffenheim spielerisch schwach
Nach den großen Worten von Nagelsmann hatte man Taten erwartet. Gesehen hat man nur Fouls. So findet man sich maximal im Bundesligamittelfeld wieder. Robben und Ribery sind für die Bundesliga noch stark genug, aber international gehören sie einfach nicht mehr zu den Besten dieser Welt. Mit Süle hat Bayern einen Toptransfer getätigt. Er wird auf absehbare Zeit der neue Abwehrchef sowohl bei Bayern als auch in der Nationalmannschaft.
dirk.resuehr 25.08.2018
4. Lücken
kann man beim FCB einige finden, sowohl in Abwehr als auch Angriff. Der FCB sollte bei abwanderungswilligen Spielern schnell zugreifen, weil mancher seinen Zenith schon lange überschritten hat,
hwdtrier 25.08.2018
5. Wer so hart einsteigt wie die
Hoffenheimer nimmt Verletzungen des Gegners billigend in Kauf oder hofft sogar drauf. Und ein Trainer der da nicht eingreift hat bei einer Spitzenmannschaft nix verloren.
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