Drei Thesen zu Frankfurts Supercup-Debakel Bayern-Gegner müssen mutig sein

Will dem FC Bayern in der Bundesliga eine Mannschaft gefährlich werden, muss sie aktiv nach vorne spielen. Eintracht Frankfurt zeigte im Supercup, wie ein Team chancenlos gegen die Münchner ist.

Thiago Alcántara (l.) und Kingsley Coman jubeln
Getty Images

Thiago Alcántara (l.) und Kingsley Coman jubeln

Von und Stephan Spiegelberg


Wer die Bayern schlagen will, muss mitspielen

Das Debüt endete in einem Debakel - Trainer Adi Hütter hat bei Eintracht Frankfurt einen Fehlstart in die Pflichtspielsaison hingelegt. Aber der Reihe nach: Der Österreicher hatte seine Mannschaft im Supercup-Finale in einer sehr defensiven Formation auf den Platz gebracht. Der zum FC Bayern gewechselte Ex-Frankfurter Niko Kovac ließ im Pokalfinale im Mai noch ein aktiveres 4-3-3 gegen die Münchner spielen.

Durch die defensive Taktik geriet Frankfurt unter Dauerdruck. Sicher, das ist nicht der einzige Grund für die 0:5-Pleite am Sonntagabend. Man darf auch nicht vergessen, dass in der Offensive mit Kevin-Prince Boateng und Marius Wolf zwei absolute Leistungsträger weggegangen sind. Da fiel das Mitspielen gegen den FC Bayern ungleich schwerer. Die Münchner hatten zwar auch schon im Pokalfinale deutlich mehr Ballbesitz, Torschüsse oder Ecken, aber damals hielt Frankfurt mit Mut und dem Glauben an die eigene Chance dagegen.

Fotostrecke

9  Bilder
Niko Kovac: Zwei Spiele, zwei Titel

Einer muss noch gehen

Renato Sanches und auch der kolumbianische Superstar James standen Trainer Kovac nicht zur Verfügung - für Leon Goretzka gab es dennoch keinen Platz in der Startelf des FC Bayern. Das verdeutlicht das Luxusproblem, das der neue Coach trotz des Abgangs von Arturo Vidal zum FC Barcelona hat: Für drei Positionen im zentralen Mittelfeld stehen Kovac mindestens sieben Spieler (Martinez, Rudy, Thiago, Tolisso, Goretzka, Sanches und James) zur Verfügung. Da dürfte der eine oder andere Akteur auch bei Doppel- und Dreifachbelastung nicht zu den erhofften Einsatzzeiten kommen. Und das wird dem Klima in der Mannschaft nicht zuträglich sein.

Warum immer der Torwart?

Nach der 0:5-Niederlage der Frankfurter war für viele in den sozialen Netzwerken klar: Der Torwart ist schuld. Sicher, bei sieben Schüssen auf das Tor von Frederik Rönnow und fünf Gegentoren liegt der Verdacht nahe, dass der dänische Schlussmann (Nachfolger von Lukas Hradecky, nach Leverkusen gewechselt) nicht seinen besten Tag hatte. Hatte er auch tatsächlich nicht - Schuld an der Niederlage oder ihrer Höhe war er jedoch nicht.

Das zweite Tor, bei dem Rönnow durch den eigenen Fünfmeterraum irrte, geht auf sein Konto. Bei den weiteren Treffern war der 26-Jährige schuldlos. Selbst beim 0:4 durch Kingsley Coman, als Rönnow dem Franzosen unglücklich den Ball servierte, stellt sich die Frage: Was hätte er tun sollen? Gar nicht eingreifen? Dann wäre der Ball mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Tor gewesen.

Frederik Rönnow
DPA

Frederik Rönnow

Vielmehr ging er Risiko, hatte keine Angst vor Fehlern - als einer der wenigen Frankfurter. Am Ende war es ein unglücklicher Abend für den neuen Frankfurter Schlussmann. Durch die destruktive Spielweise des Teams wurde es aber nicht einfacher für ihn. Im Gegenteil: Bayern kam dem Tor der Frankfurter immer näher, weil diese immer tiefer verteidigten. Auch das ist eine Erklärung für die fünf Gegentreffer.



insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gnarze 13.08.2018
1. Gefährlich
Frankfurt hatte es ja mit frühem Pressing versucht, ist aber auch damit grandios gescheitert, da alle Spieler des Gegners sich technisch aus diesen Situationen befreien können. Mal schauen, wie mutige Spielweise bei besseren Teams funktioniert.
torsten_raab 13.08.2018
2. Genau - offensiv spielen und komplett zerlegen lassen
"Will dem FC Bayern in der Bundesliga eine Mannschaft gefährlich werden, muss sie aktiv nach vorne spielen." ...und dann 8:0 zerlegen lassen wie der glorreiche HSV? Die Eintracht hat massiv Leistungsträger auf und neben dem Platz verloren. Niemand dürfte überrascht gewesen sein, nicht mal aufgrund der Höhe des Ergebnisses. Die einzigen, die wirklich fluchen, dürften 38 Millionen Polen sein, die sich fragen "wieso hat der xxxxxxx bei der WM nicht so gespielt???"
Frankona 13.08.2018
3. Frankfurter Katastrophe
Die Leistung von Eintracht Frankfurt war einfach katastrophal. Hat man denn bei der WM nicht beobachtet, wie man Lewandowski mit einfachsten Mitteln ausschalten kann? Stattdessen schauen zwei Verteidiger zweimal zu, wie dieser eine Flanke, die sehr lange in der Luft war, einfach nur einnickt. Und bei dessen dritten Tor dreht sich der Verteidiger angstvoll zu Seite, anstatt zu versuchen, den Torschuss einfach abzublocken. Bayern kann sich sogar den erneuten Totalausfall Müller und einen "Torjäger" Wagner, der meterweit am leeren Tor vorbeischießt, leisten, und deklassiert trotzdem den Pokalsieger. Schöne Aussichten für die neue Saison!
skeptikerin007 13.08.2018
4. Was ist für sie Mut?
Wenn sie die Brutalität der Frankfurter als mangelnde Mut interpretieren, dann gute Nacht Fußball.
nummer50 13.08.2018
5. Respekt
Diese Frühform hätte ich den Münchner nicht zugetraut. Robben muss um seinen Startplatz fürchten, Coman war eindeutig besser.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.