Meisterschaft des FC Bayern Auf Jahre hin schlagbar

Die Bayern sind wieder Meister - wie langweilig! Aber auch die größte Dominanz findet irgendwann mal ein Ende. Vielleicht schon in der kommenden Saison.

Bayern-Spieler, Guardiola: Der Kader kommt an seine Grenzen
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Bayern-Spieler, Guardiola: Der Kader kommt an seine Grenzen

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Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Der FC Bayern. Wer sonst? Zum 25. Mal, zum dritten Mal nacheinander, diesmal vier Spieltage vor Saisonende. Die Älteren unter den Lesern erinnern sich vielleicht, dass es mal Meisterschaften gab, die erst am letzten Spieltag entschieden wurden.

In dieser Saison hat das Team von Josep Guardiola am fünften Spieltag die Spitze übernommen und geriet seitdem nicht im Ansatz in Gefahr, sie wieder abzugeben. Letzter Verein, der vor den Bayern auf Platz eins stand, war der SC Paderborn. Paderborn!

Die Meisterschaft der Münchner - sie ist wie eine Dämmerung, die niemals endet. Niemals? Es spricht tatsächlich einiges dafür, dass die erdrückende Dominanz des FC Bayern in der kommenden Saison endet. Dass der Titelkampf erstmals seit Jahren wieder spannend wird.

Eine Tendenz ist erkennbar.

  • Saison 2012/2013: Meister FC Bayern mit 25 Punkten Vorsprung auf den Vizemeister Borussia Dortmund.
  • Saison 2013/2014: Meister FC Bayern mit 19 Punkten Vorsprung auf den Vizemeister Borussia Dortmund
  • Saison 2014/2015: Meister FC Bayern mit - man muss einschränkend sagen - derzeit 15 Punkten Vorsprung auf den Vizemeister VfL Wolfsburg.

In der Rückrundentabelle liegen die Bayern nur einen Punkt vor Mönchengladbach in Front, Leverkusen und Wolfsburg folgen knapp dahinter.

Wolfsburg und Leverkusen heißen die Herausforderer

Es hat fast drei Jahre gedauert, aber jetzt gibt es in der Liga wieder Teams, die taktisch, personell und vor allem ökonomisch bereit sind, den Kampf mit dem FC Bayern aufzunehmen. Geld war in Leverkusen und Wolfsburg immer schon im Überfluss vorhanden. Gehapert hat es dagegen an einer sportlichen Führung. Wie sie beide Vereine jetzt besitzen.

In Wolfsburg ist mit Klaus Allofs ein Sportdirektor am Werk, der seinen in Bremen geschulten Fachverstand mit den paradiesischen finanziellen Bedingungen des VW-Vereins verknüpft. Dieter Hecking, ein lange Unterschätzter, bringt die sportliche Expertise ein. In Leverkusen ist es Sportdirektor Rudi Völler gelungen, mit Roger Schmidt jemanden auf der Trainerposition zu installieren, der Qualität und wasserdichtes Selbstbewusstsein miteinander zu verbinden versteht.

Das mag vielen nicht gefallen, Plastikklub, Werksteam und so weiter. Aber: Wolfsburg und Leverkusen - wenn sie ihren Weg aus dieser Saison in der nächsten Spielzeit konsequent so weitergehen, dürften sie die Hauptherausforderer des FC Bayern in der Zukunft bleiben.

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Dazu kommen mit den beiden Borussias aus Mönchengladbach und Dortmund zwei Mannschaften, die zwar nicht über die enormen finanziellen Möglichkeiten verfügen, aber dies mit ihrem Führungspersonal zu kompensieren versuchen. Lucien Favre und Max Eberl haben in Mönchengladbach eine Mannschaft gebaut, die jetzt schon reif genug war, in München verdient 2:0 zu gewinnen.

Und Borussia Dortmund hat sich mit Thomas Tuchel das spannendste Trainerprojekt der Liga gegönnt. Der BVB wird alles daran setzen, diese Saison vergessen zu machen. Tuchel ist es zudem bei Mainz 2009, 2010 und 2011 drei Jahre lang in Folge gelungen, den großen FC Bayern zu besiegen. Borussia Dortmund 2015/2016 hat etwas von Wundertüte. Mit Möglichkeiten in alle Richtungen - und, um es mal positiv zu drehen, befreit von der Mehrbelastung der Champions League.

Stützen des FC Bayern kommen in die Jahre

Lenkt man den Blick von der Konkurrenz weg auf die Bayern selbst, zeigt sich: Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Arjen Robben, Franck Ribéry, Xabi Alonso - alle haben die 30er-Grenze mindestens erreicht. Ihr Top-Niveau abzurufen wird von Jahr zu Jahr nicht leichter werden, das Beispiel Alonso hat das in der Rückrunde ziemlich deutlich gemacht. Und sich stets darauf zu verlassen, dass Spieler nach einer langen Verletzungspause so nahtlos an ihre alte Form anknüpfen können, wie es Thiago zu gelingen scheint, ist zumindest ein Risiko.

Javi Martínez, David Alaba, der ewige Pechvogel Holger Badstuber: Wer garantiert, dass sie nach so langen Auszeiten ihr Top-Niveau wieder problemlos abrufen können? Diese Spielzeit hat gezeigt, dass selbst der Kader der Bayern, so üppig er ist, unter der extremen Belastung einer Saison an seine Grenze kommen kann.

Der FC Bayern ist schon dreimal in der Bundesligageschichte dreimal nacheinander Deutscher Meister geworden. Viermal am Stück - das hat er noch nie geschafft.

Zusammengefasst: Es deutet einiges darauf hin, dass der FC Bayern in den kommenden Jahren an Dominanz einbüßt. Die Konkurrenten vor allem in Wolfsburg und Leverkusen holen auf, außerdem kommen einige Leistungsträger der Münchner in die Jahre.



insgesamt 290 Beiträge
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rheinischerfrohsinn 27.04.2015
1. Bei den Brüdern Grimm findet man
die Geschichte vom unbelehrbaren Spon, der immer wieder versucht den Ausgang von Fußballwettbewerben vorherzusagen und nie der zukünftigen Wahrheit auch nur nahekommt. Wer weiß es noch? Die große Rolle, die der HSV in der Bundesliga spielen wird. Die auf Dauer gebrochene Dominanz des FC Bayern München. Die "Wachablösung" im europäischen Vereinsfußball. Und so weiter und so fort ... Spon, bei Dir gibt es viel Sachverstand, zu laufenden Wettbewerben schreibst Du viel interessantes und zutreffendes - Deine Prognosen sind im Rahmen der Netikette nur schwer zutreffenend zu beschreiben ;-)
spon-41d-frm9 27.04.2015
2.
auch wenn ich FCB Mitglied bin, meine Freude über die Meisterschaft hält sich in Grenzen. Für das Geld ist es wohl der Mindeststandart dass sie Meister werden. Jetzt gibts nicht mal eine Meisterfeier weil man schon vom Tribble träumt. Das nervt
Wunderläufer 27.04.2015
3. Gepflegte Langeweile
Natürlich müssen Sportjournalisten allein schon aus beruflichen Gründen ein Interesse an einer spannenden Meisterschaft haben. Die sportliche Führung der Bayern hingegen dürfte ein anderes Interesse haben, denn schließlich findet man sich in der Bundesliga fehl am Platz. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die bayerischen Spielerfänger mit klingendem und prall gefülltem Beutel die Konkurrenz ausbluten werden
Korken 27.04.2015
4. Schön wärs
Wenn es an der Spitze mal wieder ebenso spannend würde wie am unteren Ende der Tabelle. Ob das auch einige "Fans" der Bayern gutheißen oder überhaupt verstehen würden, die bei anderen Vereinen Haß- und Schmähposts hinterlassen? Auch schade, dass ein gutes Team durch solche Hornochsen in den Dreck gezogen wird. Wahrscheinlich ist das eh die Gruppe der Loser im richtigen Leben und die wahren Fans zeigen Respekt.
WasserTrinker 27.04.2015
5.
Irgendwie klingt das wie das berühmte Pfeifen im Wald. Oh je, nur noch 14 Punkte, welch ein dramatischer Absturz. Was verleitet eigentlich Herrn Ahrens dazu anzunehmen, Bayern würde wegen dieser "exorbitanten Überalterung" nicht reagieren und gegensteuern?
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