Bayern-Aufsteiger Kimmich Guardiolas Lieblingsschüler

"Er hat Herz, er hat Leidenschaft, er hat alles": Bayern-Trainer Guardiola lobte Innenverteidiger Kimmich nach dem 0:0 in Dortmund überschwänglich. Der 21-Jährige ist beim Rekordmeister zu einem Schlüsselspieler aufgestiegen.

Von , Dortmund

  Josep Guardiola, Joshua Kimmich
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Josep Guardiola, Joshua Kimmich


Wenn Josep Guardiola über seine Spieler spricht, ist viel Erfahrung erforderlich, um brauchbare Bruchstücke aus dem Kauderwelsch des Trainers von Bayern München zu extrahieren. Bekanntlich lobt der Spanier die Profis seiner Mannschaften grundsätzlich mit seltsam klingenden Superlativen. Er wünsche sich "1000 Dantes", hat er mal über den ehemaligen Münchner Innenverteidiger gesagt, um den Brasilianer kurz darauf zum VfL Wolfsburg abzuschieben. Manche Leute meinen, man könne Guardiola nicht mehr ernst nehmen, wenn er von seinen Spielern redet.

Die Schwärmerei, die er am Samstagabend über Joshua Kimmich in die Welt setzte, zweifelte jedoch niemand an. Die 80.000 Zuschauer hatten mit eigenen Augen gesehen, was für einen großartigen 21-Jährigen die Bayern da haben. "Joshua hat Herz, er hat Leidenschaft, er hat absolut alles", erklärte Guardiola und fuhr fort: "Mit Joshua haben wir eine gute Verteidigung und einen sehr guten Aufbau. Ich liebe diesen Jungen."

Unmittelbar nach dem 0:0 zwischen dem BVB und Bayern München hatte der Trainer bereits eine wilde, gestenreiche Ansprache gegenüber dem Spieler gehalten, die aussah wie eine Mischung aus leidenschaftlicher Liebeserklärung und unerbittlicher Standpauke. Kimmich jedenfalls sah ziemlich verschreckt aus, während er das Wortgewitter und die hitzigen Liebkosungen über sich ergehen ließ. "Er will immer das Maximum aus einem rausholen und ist nie zufrieden", sagte Kimmich nach dem Spiel.

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Womöglich hat er selbst nur die Hälfte verstanden von Guardiolas Kauderwelsch. Klar ist aber, dass Kimmich gerade dabei ist, eine Schlüsselfigur in Guardiolas letzten zwölf Wochen als Bayern-Trainer zu werden. Im Champions-League-Achtelfinale in Turin hatte der 21-Jährige auch schon gut gespielt, dann aber schmerzlich erleben müssen, dass auf diesem Niveau kleine Fehler hart bestraft werden. Er war damals an beiden Gegentreffern beteiligt, was ihm aber verziehen wurde, schließlich hatte Guardiola ihn erst wenige Tage zuvor von einem wendigen, 1,76 Meter großen Mittelfeldstrategen in einen Innenverteidiger verwandelt, der sich gegen wuchtige Monsterstürmer wie Mario Mandzukic behaupten sollte. Nun kommt er in dieser Rolle immer besser zurecht und wurde zu einer Art Held des fabelhaft hochklassigen Fußballspiels von Dortmund.

Kimmich: "Der Trainer ist nie zufrieden"
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Kimmich: "Der Trainer ist nie zufrieden"

Mehrfach unterband Kimmich durch sein geschicktes Stellungsspiel im letzten Moment Dortmunder Angriffe, er spulte eine für einen Innenverteidiger unglaubliche Laufleistung von elf Kilometern herunter, seine Passquote lag bei 95 Prozent. In der entscheidenden Phase der Saison steht Kimmich im Mittelpunkt des Bayern-Konzeptes, dabei war der in der Jugendabteilung des VfB Stuttgart ausgebildete Schwabe im Sommer eigentlich als Ergänzungsspieler für einen der hinteren Kaderplätze von RB Leizpig zum FC Bayern gekommen.

Erst die Umschulung zum Innenverteidiger nach den Verletzungen von Boateng, Badstuber und Martinez beförderte ihn in den Mittelpunkt, und solche Lösungen sind eine Spezialität des Trainers. Guardiola hat Kimmich ja nicht einfach nur in die Innenverteidigung gestellt und gesagt: Mach mal! Vielmehr hat sich das komplette Spiel der Bayern mit dieser Maßnahme etwas verändert. Die Verteidigungsstrategie mit Kimmich sieht vor, dass möglichst viele hohe Bälle in den Strafraum verhindert werden, weil das Kopfballspiel nicht zu den Stärken der Viererkette gehört, in der neben Kimmich die ebenfalls kleinen Kollegen Alaba, Lahm und Bernat stehen. Und die Anzahl robuster Zweikämpfe mit körperlich überlegenen Gegenspielern soll auch reduziert werden, daran arbeiten alle mit.

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Sofern das einigermaßen gelingt, kann Kimmich seine Stärken als Stratege und wunderbarer Passspieler zur Geltung bringen. "Großes Kompliment für Bayern München und Michael Reschke für diese Verpflichtung", sagte Guardiola.

Und Sportdirektor Matthias Sammer sagte, er wolle selbstverständlich keine Empfehlung für den Bundestrainer aussprechen, aber "entweder bei Olympia in Rio oder bei der EM" in Frankreich werde Kimmich im kommenden Sommer ganz sicher das Nationaltrikot tragen. Joachim Löw, der im Stadion war, hat natürlich genau hingeschaut und sprach schon in der Halbzeit vom "besten Spiel dieser Saison".

Im Video: Pep Guardiolas Lobeshymne auf Joshua Kimmich

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johannesraabe 06.03.2016
1.
Schade für den VfB Stuttgart. Würde mich interessieren, welche Pfeife da die Freigabe erteielt hat.
Attila2009 06.03.2016
2.
Eventuell hat er gesagt " Dich nehme ich mit nach Manchester, da kannst Du richtig viel Geld verdienen " Kimmich war stark verbessert gegenüber dem Spiel im Mainz, ihn noch auf dem Platz vor allen Zuschauern anzumachen fand ich ungehörig.
AndreHa 06.03.2016
3.
Zitat von johannesraabeSchade für den VfB Stuttgart. Würde mich interessieren, welche Pfeife da die Freigabe erteielt hat.
Kimmich wollte zum FCB. So, wie jeder Profi dort hinwill. Die meisten landen allerdings auf der Reservebank. Kimmich hatte Glück, dass der FCB heuer so viele Ausfälle hat. Das war seine Chance. Und deswegen braucht sich der FCB auch nicht mehr um eigenen Nachwuchs zu kümmern. Das erledigen die anderen Klubs.
bobflag 06.03.2016
4. Experte Attila
Kimmich spielte gar nicht gegen Mainz. /grübel/
meinereinerunser 06.03.2016
5. Der Gag...
Zitat von Attila2009Eventuell hat er gesagt " Dich nehme ich mit nach Manchester, da kannst Du richtig viel Geld verdienen " Kimmich war stark verbessert gegenüber dem Spiel im Mainz, ihn noch auf dem Platz vor allen Zuschauern anzumachen fand ich ungehörig.
... war im DOPA schon nicht lustig. Aber schön, dass sie ihn bringen, zeigt es doch, dass sie zumindest da ein paar Szenen des Spiels gesehen haben. Sonst speisen sich ihre Analysen ja eher aus Hörensagen, Vermutungen und festgezurrten Vorurteilen. Und Kimmich gegenüber dem Mainz-Spiel eine Verbesserung zu attestieren, macht Sie jetzt schon zum "Tor des Monats".
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