Niko Kovac beim FC Bayern "Das wird funktionieren"

Jupp Heynckes ist sicher, dass es gut geht: Er lobt seinen Nachfolger Niko Kovac in höchsten Tönen. Die Entscheidung für den Neuen ist der erste Erfolg von Hasan Salihamidzic. Die Macht des Sportdirektors könnte wachsen.

Niko Kovac
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Niko Kovac

Von Florian Kinast, München


Jupp Heynckes wirkte aufgeräumt, fröhlich. Bester Laune kam er am frühen Freitagnachmittag in den Medienraum an der Säbener Straße zur obligatorischen Pressekonferenz vor einem Spiel in der Bundesliga.

Aber natürlich ging es kaum um die 100. Partie gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag, es ging um zwei ganz andere Themen. Die Halbfinalauslosung in der Champions League gegen Real Madrid. Und die Verpflichtung von Niko Kovac als neuer Trainer des FC Bayern. Ein bedeutsamer Tag für den Verein. Einer, an den man sich in vielen Jahren vielleicht noch erinnern wird.

"Ich kann mir vorstellen, dass die Journalistenseele hoch zufrieden ist", scherzte Heynckes gleich zu Beginn. Das CL-Halbfinale nannte er eine "herausragende Begegnung", Real ein "Top-Team mit überragenden Spielern", Cristiano Ronaldo den "besten Spieler der Welt zusammen mit Lionel Messi".

Vieles an seiner Reaktion zu den anstehenden Spielen gegen den europäischen Dauerrivalen war erwartbar. Am ehesten ließ noch sein kleiner Seitenhieb gegen Karl-Heinz Rummenigge aufhorchen, schließlich wird der Klub-Boss bis heute nicht müde, für das Viertelfinal-Aus 2017 in Madrid den Schiedsrichter zu beschuldigen. "Ich halte davon gar nichts, Schiedsrichterentscheidungen zu kritisieren", erklärte er, bevor die Frage kam, was er von einem Endspiel gegen den FC Liverpool halte, von einem Wiedersehen mit Jürgen Klopp wie beim Finale 2013 gegen Borussia Dortmund. "Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir das wünschen."

Heynckes: "Das wird funktionieren"

Viel bemerkenswerter war aber das, was Heynckes über Niko Kovac sagte. Um 13.10 Uhr, genau 20 Minuten vor Beginn der Medienrunde, hatte der Klub per Pressemeldung offiziell bestätigt, was mehrere Medien bereits am Donnerstagabend als fix vermeldeten: Die Verpflichtung des 46-jährigen Noch-Trainers von Eintracht Frankfurt ab dem 1. Juli samt Dreijahresvertrag.

Heynckes ließ erkennen, dass er sehr wohl als Berater in die Entscheidung miteingebunden gewesen sei. "Hasan Salihamidzic (der Sportdirektor - d. Red.) hat mich involviert und um Rat gefragt. Ich habe mich dann auch informiert über Kovacs Werdegang und habe gesagt, dass er auf mich einen guten und sehr positiven Eindruck macht. Der Niko ist sehr fleißig." Und weiter: "Das wird funktionieren."

Es war interessant, dass Heynckes nur von Salihamidzic sprach und nicht von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Tatsächlich verbindet Salihamidzic und Kovac seit der gemeinsamen Spielerzeit beim FC Bayern eine enge Freundschaft. Vieles deutet darauf hin, dass dem bisher eher farblos wirkenden Sportdirektor die Verpflichtung seines Kumpels Niko helfen könnte, seine eigene Position im Klub zu stärken und mit dem neuen Trainer ein Gespann zu formen - bestenfalls ein mächtiges Duo.

Heynckes wurde nicht müde, seinen Nachfolger in höchsten Tönen zu loben, es war ihm anzumerken, dass er selbst sich auf die Rückkehr auf seinen Bauernhof am Niederrhein freut.

Real als Zwischenstation auf dem Weg zum Titel

Natürlich wird er die Entwicklung von Niko Kovac von dort aus genau verfolgen. Dem aber wird man Zeit geben müssen. Wie hatte Heynckes noch am Freitag gesagt? "Schauen Sie sich die Milliarden von Paris St. Germain, Manchester United und Manchester City an. Den Champions-League-Titel kann man sich nicht kaufen. Den Titel gewinnt die homogenste Mannschaft. Und das braucht Geduld. Das muss zusammenwachsen." Zusammenwachsen müssen nun auch Kovac und der FC Bayern.

Im Idealfall wird es für die Münchner so sein, dass sie an diesen Freitag noch lange mit Freude zurückdenken werden. Mit einem neuen und langfristig erfolgreichen Trainer und mit Real Madrid als einem Halbfinalgegner, der nur eine vorletzte Zwischenetappe auf dem Weg zum Henkelpott war.

Tatsächlich ging es am Ende der Fragerunde doch noch um Borussia Mönchengladbach, seinen Heimatklub. "Das ist etwas Besonderes, weil es mein endgültig letztes Spiel gegen die Borussia ist", sagte Heynckes, blickte ins Auditorium und ergänzte: "Ich sehe einige grinsen hier. Nein, nein, das wird nicht mehr passieren. Mit 80 vielleicht, wenn der Jogi nicht mehr will, übernehme ich die Nationalmannschaft."

Ein letzter Scherz, bald darauf verabschiedete er sich. Aber nur von den Reportern. Aus München will sich Heynckes mit drei Titeln verabschieden.



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
RalfHenrichs 13.04.2018
1. Ob es funktionieren wird,
ist einfach Spekulation. Wie bei jedem Verein - und bei Bayern noch mehr - wird dies einfach von den Ergebnissen abhängen. Ich sage mal, wenn die Bayern von den ersten 10 Saisonspielen maximal 1 verlieren, wird Kovac sicher im Stuhl sitzen. Verliert er 2 oder mehr Spiele wird er Probleme bekommen. So sind die Ansprüche bei den Bayern. Und damit meine ich nicht unbedingt die Bayern-Verantwortlichen sondern die Medien und die Fans (auch wenn mir nun einige Fans natürlich widersprechen werden). Er hat halt kein Renomee wie Pep, Ancelotti oder Heynckes hatten, die Misserfolge am Start hätten abfedern können, weil sie mit großen Mannschaften bewiesen haben, dass sich der Erfolg früher oder später einstellen wird. Und wie die ersten 10 Spiele laufen werden, weiß logischerweise heute noch niemand.
jnek 13.04.2018
2. Naaaaja
Zitat von RalfHenrichsist einfach Spekulation. Wie bei jedem Verein - und bei Bayern noch mehr - wird dies einfach von den Ergebnissen abhängen. Ich sage mal, wenn die Bayern von den ersten 10 Saisonspielen maximal 1 verlieren, wird Kovac sicher im Stuhl sitzen. Verliert er 2 oder mehr Spiele wird er Probleme bekommen. So sind die Ansprüche bei den Bayern. Und damit meine ich nicht unbedingt die Bayern-Verantwortlichen sondern die Medien und die Fans (auch wenn mir nun einige Fans natürlich widersprechen werden). Er hat halt kein Renomee wie Pep, Ancelotti oder Heynckes hatten, die Misserfolge am Start hätten abfedern können, weil sie mit großen Mannschaften bewiesen haben, dass sich der Erfolg früher oder später einstellen wird. Und wie die ersten 10 Spiele laufen werden, weiß logischerweise heute noch niemand.
Also das mit dem "Erfolge wegen eines großen Namens abfedern können" hat bei Ancelotti ja nun nicht soooo toll geklappt. Oder? Ich denke, es wird auf die Umstände ankommen und auf das Gesamtbild. Kovac wird seine Zeit bekommen, die wird länger sein als 10 Spiele und ich denke, dass sie länger sein wird als z.b. bei Klinsmann.
ottoreuter 13.04.2018
3. Frischer Wind....endlich
RalfHenrichs kann ich mich nur anschließen, dass der Erfolg bei Bayern München einfach an Erfolgen und das permanent in 3 Wettbewerben gemessen wird. Wenn man sich aber die letzten 20 Jahre des Klubs anschaut, sind die die meisten am Bayern-Gen gescheitert. Kovac hat als ehemaliger Bayernprofi das Gen und mit Salihamicic einen echten Rückhalt. Wichtig ist auch die Personalie des Bruders, die beiden gibt es nur im Paket. Also ein Kritiker immer an seiner Seite. Was er in Frankfurt und in der kroatischen Nationalmannschaft abgeliefert hat, speziell mit richtig schweren Charakteren umzugehen lässt vermuten, dass er als Chefcoach das bei Bayern München fortsetzt. Einen Robben und Ribery mit eventuell neuen Verträgen kann er auf "Augenhöhe" sagen wo es langgeht. Er war selbst ein exzellenter Fussballer. Als Nichtbayernfan kann ich nur sagen, schade für die Eintracht und Chapeau für den rot-weißen Rekordmeister.
Nonvaio01 13.04.2018
4. Pep hatte auch kein renomee
Zitat von RalfHenrichsist einfach Spekulation. Wie bei jedem Verein - und bei Bayern noch mehr - wird dies einfach von den Ergebnissen abhängen. Ich sage mal, wenn die Bayern von den ersten 10 Saisonspielen maximal 1 verlieren, wird Kovac sicher im Stuhl sitzen. Verliert er 2 oder mehr Spiele wird er Probleme bekommen. So sind die Ansprüche bei den Bayern. Und damit meine ich nicht unbedingt die Bayern-Verantwortlichen sondern die Medien und die Fans (auch wenn mir nun einige Fans natürlich widersprechen werden). Er hat halt kein Renomee wie Pep, Ancelotti oder Heynckes hatten, die Misserfolge am Start hätten abfedern können, weil sie mit großen Mannschaften bewiesen haben, dass sich der Erfolg früher oder später einstellen wird. Und wie die ersten 10 Spiele laufen werden, weiß logischerweise heute noch niemand.
als er bei Barca anfing, Zidane hatte auch keines bei Real, ich hab mir keine Frankfurt spiele angeschaut und kann daher nichts zum neuen Trainer sagen, da Frankfurt aber sehr gut plaziert ist muss er ja etwas richtig machen. Wenn es nicht klappt wird man fruehzeitig die handbremse ziehen, so wie in dieser saison auch. Jendenfalls kann kader planung und einkaeufe nun abgestimmt werden.
inge-p.1 13.04.2018
5. Was sollte auch Heynckes auch anderes sagen, ...
... als seinen Nachfolger zu loben? Wassen Brot ich (fr)ess, dessen Lied ich sing - alter deutscher Spruch. Und hoffendlich wird Kovac nicht nur eine "Zwischenstadion".
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