Irritation um Heynckes-Verbleib bei Bayern Warum hat der Uli das gesagt?

Die Freundschaft zwischen Jupp Heynckes und Uli Hoeneß wird oft gepriesen. Hoeneß' Alleingang in Sachen Vertragsdauer sorgte nun für Irritationen. Das kennt man schon.

Uli Hoeneß (Mitte), Karl-Heinz Rummenigge (links), Jupp Heynckes
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Uli Hoeneß (Mitte), Karl-Heinz Rummenigge (links), Jupp Heynckes

Aus München berichtet Florian Kinast


So unruhig wie aktuell war es beim FC Bayern seit der Trennung von Carlo Ancelotti im September nicht mehr. Das liegt weniger an der ersten Niederlage unter dessen Nachfolger Jupp Heynckes, dem 1:2 gegen Mönchengladbach am Samstag, sondern an der erstaunliche Äußerung von Uli Hoeneß am Tag zuvor, eine Verlängerung mit dem Trainer über 2018 hinaus sei möglich und "nicht ausgeschlossen".

Wie sehr Heynckes davon irritiert war, sah man an seiner Reaktion am Samstag: "Ich weiß nicht, was den Uli bewegt hat, so etwas zu sagen." Und wie Rummenigge mittlerweile erkennen ließ, war Heynckes auch am Montag wohl immer noch angefasst.

"Er hat mich gefragt, warum der Uli das gesagt hat", so Rummenigge, worauf er dem Jupp erwidert hätte, dass die Stimmung bei der Jahreshauptversammlung halt so gut und harmonisch gewesen sei. "Damit wollte Uli seine Wertschätzung gegenüber Heynckes kundtun", sagte Rummenigge äußerst diplomatisch.

Auf Nachfrage, ob ihn selbst die Aussage überrascht habe, sagte Rummenigge schmunzelnd: "Ich kenne den Uli ja schon seit 43 Jahren." Heißt: Nach so langer Zeit überrascht ihn bei Hoeneß gar nichts mehr.

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Heynckes und Hoeneß kennen sich sogar noch länger, Freunde wurden sie 1972 in der Nationalmannschaft. Oft erzählt wurden die Episoden, als Hoeneß nach seinem Flugzeugabsturz 1982 von Heynckes am Krankenbett angerufen wurde, und der damalige Bayern-Manager sagte: "Du wirst einmal bei uns Trainer." Er wurde es sogar viermal. Oder auch, als Hoeneß nach der Haftentlassung 2016 bei seinem ersten Auftritt eine Laudatio auf Heynckes hielt, bei einer Ehrung in Mönchengladbach.

Doch es kam auch immer wieder zu Störungen. Gerade am Ende von Heynckes' dritter Amtszeit wirkte das Verhältnis unterkühlt. So sorgte bereits Hoeneß' Ankündigung kurz nach dem verlorenen Champions-League-Finale 2012, im Sommer 2013 "höchstwahrscheinlich einen neuen" Trainer zu verpflichten, bei Heynckes für Unmut. Auch die Kritik von Hoeneß an Stürmer Mario Gomez wenige Wochen später ("Er ist gut, aber nicht sehr gut. Wäre er sehr gut, hätten wir die Champions League gewonnen") stieß dem Trainer sauer auf. "Unsinn" entgegnete Heynckes. "Mario ist ein Weltklasse-Stürmer. Manchmal gilt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold."

Doch die Reibereien gingen weiter. Schmallippig reagierte Heynckes im Januar 2013 auf die Presseerklärung, mit der der Klub die Verpflichtung von Pep Guardiola zur neuen Saison bekannt gab - weniger wegen der Personalie an sich, vielmehr wegen der Überschrift der Erklärung: "Jupp Heynckes beendet Karriere." Was Heynckes als Affront empfand. "Das stimmt nicht, dass ich das gesagt habe", grummelte er, "das will ich schon selbst verkünden."

Keine zwei weitere Monate dauerte es bis zur nächsten Missstimmung, als Rummenigge erklärte, er wünsche sich einen Verbleib von Heynckes über die Saison hinaus, etwa mit einem Sitz im Verwaltungsbeirat: "Wir haben ihm angeboten, weiterhin beim FC Bayern dabei zu sein", so Rummenigge.

"Mein Verein? Borussia Mönchengladbach"

Ein Angebot, von dem Heynckes aber wohl gar nichts wusste: "Das überrascht mich. Es wäre besser gewesen, wenn er erst einmal mit mir gesprochen hätte." Auf die Frage, ob ihn der Job interessiere, sagte er: "Nein, vor allem nicht, wenn ich davon aus den Medien erfahre." Schließlich stichelte Heynckes noch: "Vor einiger Zeit hat mein Verein mir auch das Amt des Vizepräsidenten angeboten, auch das habe ich abgelehnt." Sein Verein? "Das ist Borussia Mönchengladbach", sagte Heynckes.

Und nun also der nächste Aufreger, der erste in der vierten Amtszeit von Heynckes.

Vehement dementierte Heynckes, über Sommer 2018 hinaus in München bleiben zu wollen: "Wir haben eine ganz klare Vereinbarung", sagte der Bayern-Trainer nach der Niederlage bei seinem Verein in Mönchengladbach, und deutete an, man dürfe Hoeneß nicht so ernst nehmen: "Das war in der Generalversammlung, da ist man emotional, und das war er sicher."

Doch emotional war Hoeneß im Moment seiner Aussage ganz und gar nicht. Die Halle hatte sich schon weitgehend geleert, als Hoeneß vor Kameras und Mikrofonen sachlich und unaufgeregt Stellung bezog. Rummenigge sagte nun, er gehe davon aus, dass Heynckes wie vereinbart am 30. Juni die Bayern verlassen wird: "Jupp hat das kundgetan. Und das wird so sein, ja."

Falls sich Hoeneß doch wieder anders äußert, soll sich Heynckes nicht mehr grämen, sondern so gelassen bleiben wie Rummenigge. Man kennt den Uli ja inzwischen.

insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
rainer60 28.11.2017
1. warum
warum tut sich heynckes den fc Bayern überhaupt noch an. nach den bisherigen alleingängen von Hoeneß hätte er ihn besser im eigenen saft schmoren lassen, denn eigentlich sollte er , nach den vergangenen vorfällen, wissen was für eine r....... hoeneß ist.
andreasm.bn 28.11.2017
2. Dampfplauderer halt!
So kennt man den Uli, da vermischen sich schon mal Vision und Wirklichkeit.
lancerfoto 28.11.2017
3. Meine Bitte als Ergänzung:
Zitat:"Falls sich Hoeneß doch wieder anders äußert, soll sich Heynckes nicht mehr grämen, sondern so gelassen bleiben wie Rummenigge. Man kennt den Uli ja inzwischen." Und der SPON bitte auch!
fairgame 28.11.2017
4. Trainersuche
Im Hintergrund suchen die Bayernbosse intensiv nach einem neuen Trainer, der Heynckes beerben soll. Hoeness' Aussage kann zweierlei bedeuten: Entweder hat man noch keinen Kandidaten in Aussicht oder ein Favorit zaudert und soll so sanft unter Druck gesetzt werden. Im zweiten Fall hätte Heynckes dem Uli mit seiner klaren Absage einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Vielleicht ist bei Hoeness auch schon eine Portion Altersstarrsinn mit im Spiel. Dafür spricht auch die unaufgeregte Reaktion von Rummenigge.
GueMue 28.11.2017
5. Wille und vorstellung
Hat bei Hoeness oft eine Welt gemacht. Nicht immer gut fuer ihn. Oft aergerlich und anmassend fuer andere. Insgesamt etwas kriminell, verlogen, hinterhaeltig im Kleinformat, aber spannend.
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