Bayern-Aus gegen Barcelona Kein Wunder!

Der FC Bayern München schlägt den FC Barcelona und scheidet doch im Halbfinale der Champions League aus. Pep Guardiola hatte schon vor dem Spiel gewusst, was nicht passieren durfte - es geschah dann doch. Alles Wichtige zum Duell der Giganten.

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Die Ausgangslage: Verheerend. Aussichtslos. Nach einem 0:3 in Barcelona konnte nur ein sogenanntes Fußballwunder in München helfen, 6,7 Prozent betrug laut den Rechnungen schlauer Menschen die Wahrscheinlichkeit auf ein Weiterkommen. Also nahe Null. Umso vehementer, wen wundert es, wurden erfolgreiche Aufholjagden aus der Vergangenheit bemüht, vornehmlich aus Zeiten der Schwarz-Weiß-Fernseher. Und ein Datum, der 12. Mai 1976. Damals gewannen die Bayern den Landesmeistercup gegen den AS St. Etienne.

Der Soundtrack zum Spiel: "Wunder gescheh'n" (Nena); "I wish" (Stevie Wonder).

Die Aufstellungen

FC Bayern: Neuer - Rafinha, Benatia, Boateng, Bernat - Alonso, Lahm (68. Rode), Schweinsteiger (87. Javi Martinez), Thiago - Müller (87. Götze), Lewandowski.
FC Barcelona: ter Stegen - Alves, Pique, Mascherano, Jordi Alba - Busquets - Iniesta (75. Xavi), Rakitic (72. Mathieu) - Messi, Suárez (46. Pedro), Neymar.

Ergebnis: 3:2 (1:2) - Die Tore für Barcelona schoss Neymar (15., 29.), für die Bayern trafen Benatia (7.), Lewandowski (59.) und Müller (74.).

Erste Halbzeit: Rakitic lief schon nach drei Minuten auf Neuer zu, doch der parierte großartig. Wenig später ein erster Gegenstoß der Bayern über Müller, dessen Rückgabe Thiago nicht richtig traf. Nach einer Ecke von Xabi Alonso war es schließlich Medhi Benatia, der völlig frei zum 1:0 einköpfte (7.). Wundervoll!

Dann stand es plötzlich 1:1. Mitten hinein in eine Drangphase des FC Bayern spielte Messi einen Schnittstellenpass auf Suárez, der legte quer auf Neymar (15.). Dann stand es plötzlich 1:2. Mitten hinein in eine Drangphase des FC Bayern verlängerte Messi per Kopf auf Suárez, der legte quer auf Neymar (30.). Warum das kein Wunder war?

Torwart ter Stegen: Mehrmals Weltklasse
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Torwart ter Stegen: Mehrmals Weltklasse

Deshalb: Man kann die Natur des Fußballers wohl einfach nicht ändern. Er will nach vorn, er will Tore erzielen, vor allem, wenn er ein 0:3 aus einem Hinspiel aufholen muss. Wenn er sogar früh in Führung geht. Pep Guardiola wusste, dass die Natur des Fußballers gegen das konterstarke Barcelona das Verderben sein kann, er wollte in diesem Spiel Kontrolle, vor allem. Und er bekam: zwei Konter.

Weitere Highlights (feat. Marc-André ter Stegen): Müller Kopfball, ter Stegen dran (19.). Lahm auf Müller, Schuss Lewandowski, ter Stegen dran (18.). Thiago Dribbling, Übersteiger, Pass auf Müller. Schüsschen (28.). Kopfball Schweinsteiger, ter Stegen dran (38.). Lewandowski frei aus acht Metern. Ter Stegen Weltklasse (40.).

Zweite Halbzeit: Wurde zu einer Art Freundschaftsspiel mit deutlichen Vorteilen für die Bayern - und zwei herrlichen Toren. Lewandowski traf nach Thiago-Pass ins lange Eck (59.), Müller traf nach Schweinsteiger-Vorlage aus 20 Metern (74.).

Revitalisierung des Spiels: Interessant war zu beobachten, was die plötzliche Führung mit Pep Guardiola und dessen Assistenz-Aggressiv-Leader Matthias Sammer machte. Wie mit virtuellen Sauerstoffflaschen ausgestattet wirkten die beiden wie aufgedreht und regten sich so herrlich über vermeintliche Schiedsrichterfehlentscheidungen auf, dass man sich fast wünschte, das Spiel wäre die ganze Zeit knapp gewesen. Und nicht schon nach einer halben Stunde entschieden.

Trainer Guardiola: Wie aufgedreht
AFP

Trainer Guardiola: Wie aufgedreht

Übeltäter des Spiels: Rafinha. Mitte der ersten Halbzeit klatschte der Brasilianer Jordi Alba auf den Rücken, und auch wenn es freundschaftlich gewesen sein sollte (was es nicht war), hätte er in dieser Szene die Rote Karte sehen müssen.

Erkenntnis des Bayern-Aus (feat. Franz Beckenbauer, vor dem Spiel): "Das bedeutet für Guardiola und den FC Bayern, dass sie ausgeschieden sind."

Erkenntnis des Bayern-Aus (feat. Philipp Lahm, nach dem Spiel): "Entscheidend waren die letzten zwei Minuten des Hinspiels."

Sprint des Spiels: Müller hatte es sich nach dem Spiel gerade im ZDF-Studio bei Oliver Welke und Oliver Kahn gemütlich gemacht, da musste er schon wieder gehen: Guardiola wollte in der Kabine ein paar Worte an seine Mannschaft richten. Kurz darauf war Müller zurück - und gab Entwarnung. Der Trainer habe sich nur bedankt, nicht verabschiedet.

Epilog: Barcelona gegen Bayern, das waren schon immer aufgeladene Duelle. Ob die Münchner Barça 2013 auf dem Weg zu ihrem Triple demütigten oder Jürgen Klinsmanns Mannschaft 2009 im Camp Nou vernichtet wurde: Der Sieger gewann anschließend jeweils das Triple, aber immer waren die Partien auch wegweisend für den Unterlegenen. Klinsmann musste wenig später gehen, Barcelona wurde von Jupp Heynckes' Truppe die Notwendigkeit eines Umbruchs förmlich ins Gesicht gebrüllt. Und jetzt?

Die Bayern werden mit viel Geld das Gesicht ihrer Mannschaft verändern, und sie werden das mit Trainer Josep Guardiola tun. Grund für radikale Veränderungen gibt es nicht. Die Saison war trotz gegenteiliger Behauptungen ein Erfolg. Und das Spiel gegen Barcelona hat auch gezeigt: Der Trainer hat Lösungen selbst für eine Übermannschaft wie Barca. Seine eigene muss sie nur umsetzen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 154 Beiträge
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Attila2009 13.05.2015
1.
Koan Wunder , genau ! Barca war zwei Nummern zu groß für die Bayern und am Ende haben die noch drei Gänge runtergeschaltet um keine dumme gelbe Karte incl. Sperre zu riskieren. Ein Genuß wie die Techniker Suarez und Neymar die "beste Abwehr der Welt" oder so ähnlich ausgespielt haben. Wie im Training.
thrashmail 13.05.2015
2. Josep ist entlarvt .....
mit ...."das was er schon vor dem Spiel gewusst hat", lag er auf eine Schiene mit weiteren 25 Mio Fußballfans. Selbstverständlich würde Barca in München mindestens 1 Tor schießen. Für diese Erkenntnis brauchst du keinen Trainerschein.
tobo5824-09 13.05.2015
3. Nach Berlin
Heute konnte man den AA-Gassenhauer (manche nennen ihn auch "Tinnitus") auch anders verstehen: "Münchens wahre Liebe, FCB". Nu geht's nach Berlin wohl erst wieder gegen die Hertha. Andere fahren schon vorher nochmal hin...
stefan.wirz 13.05.2015
4. Das erste Tor ging an den FC Bayern.....
....daher kann es die von Ihnen beschriebenen Spielstände in Ihrer Fotostrecke von 0:1 und 0:2 nie gegeben haben....just for info!! Ein bißchen mehr Liebe zum Detail, bitte. Danke.
marco1217 13.05.2015
5. Gegen die Besten der Welt...
...darf man mal verlieren! Außer Form und mit einer solchen Verletztenliste ist nicht mehr drin...leider! Dennoch braucht sich keiner zu verstecken. Die Spieler haben alles gegeben und v.a. eine fantastische Stimmung in der Allianz-Arena (trotz Erfolgsfans!), sollte auch mal erwähnt werden. Bayernhasser dürfen sich freuen, aber letztlich erreicht kein deutscher Verein im Moment auch nur ansatzweise das Niveau der Bayern! Das klingt arrogant, ist aber nur realistisch.
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