Neues Nachwuchsleistungszentrum Mehr Bayern für die Bayern

Teure Stars kauft der FC Bayern oft und gerne. Eigene Jugendspieler schaffen es nicht mehr zu den Profis. Das neue Nachwuchsleistungszentrum soll das ändern. Der Rekordmeister will künftig mehr Identifikationsfiguren ausbilden.

Bayern-Präsident Hopfner (2.v.l.), Vorstandsboss Rummenigge (M.): Stein auf Stein
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Bayern-Präsident Hopfner (2.v.l.), Vorstandsboss Rummenigge (M.): Stein auf Stein

Von Christoph Leischwitz, München


Als die ersten Steine mit Mörtel bedeckt wurden, stand Uli Hoeneß in einer der hintersten Reihen, rund 15 Meter entfernt.

Der ehemalige Präsident des FC Bayern München, derzeit Freigänger der Justizvollzugsanstalt Rothenberg, hält sich bei öffentlichen Auftritten im wahrsten Wortsinn weiterhin zurück - selbst an diesem Ort, an dem er in den kommenden Jahren wahrscheinlich sehr viel Zeit verbringen wird. Stattdessen griffen Präsident Karl Hopfner und der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Karl-Heinz Rummenigge, zusammen mit Münchens Bürgermeister Dieter Reiter zu den Kellen.

Bei der gedanklichen Grundsteinlegung für die neue Sportanlage war Hoeneß, der sich im Hintergrund der Jugendarbeit angenommen hat, zumindest beteiligt. 2006 hatte er noch als Präsident veranlasst, das 30 Hektar große Gelände am Münchner Nordrand zu kaufen, in Blickweite der zwei Kilometer entfernten Fußball-Arena. Damals wollte Hoeneß dort einen anderen Traum verwirklichen, den der vereinseigenen Halle für die Basketballer. Diese haben in der Zwischenzeit schon eine Bleibe gefunden und könnten in Kooperation mit Red Bull im Olympiapark bald noch eine modernere erhalten.

Hoeneß (l.), Finanzvorstand Dreesen, Bürgermeister Reiter (r.): Mehr mia san mia
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Hoeneß (l.), Finanzvorstand Dreesen, Bürgermeister Reiter (r.): Mehr mia san mia

So entsteht auf dem Areal nun ein Nachwuchsleistungszentrum mit acht Fußballfeldern, eines davon soll ein Stadion für bis zu 2500 Zuschauer werden, dazu ein Fußball-Internat, Büros, eine Dreifachturnhalle. Das Investitionsvolumen wird auf 70 Millionen Euro geschätzt, schon zu Beginn der Saison 2017/18 soll der zweite Standort des FC Bayern fertig sein. Das fällt zeitlich genau auf das Ende der dreieinhalbjährigen Haftstrafe für Uli Hoeneß - der allerdings darauf hoffen darf, einen großen Teil der Strafe zur Bewährung ausgesetzt zu bekommen.

Für den Neubau gibt es naheliegende Gründe. Ohnehin war es in der alten Heimat des FC Bayern an der Säbener Straße im beschaulichen Stadtteil Harlaching viel zu eng geworden. Außerdem müsse man es zugestehen: "Wir haben Nachholbedarf", sagte Präsident Hopfner während seiner kurzen Ansprache in einem provisorischen Zelt auf dem Baugelände. Es passt nicht mehr zum Selbstbild des Vereins, wie sehr die Nachwuchsarbeit vernachlässigt wurde.

Nachdem die U23 der Bayern 2011 aus der dritten Liga abgestiegen war, hatte der Verein einen Schlingerkurs vollzogen. Mal wurde kolportiert, der FC Bayern wolle richtig viel Geld in die Hand nehmen, dann hieß es, die Befürworter könnten sich nicht durchsetzen. Der Kurs wurde klarer, seit Hoeneß die Jugendarbeit als seine Hauptaufgabe ansieht. Jetzt spricht Rummenigge von "Volldampf", Hopfner von einem "Meilenstein", der nun gesetzt werde.

Änderungen sind nötig, denn nicht einmal deutschlandweit ist der Nachwuchs erfolgreich. Die U19 wurde zuletzt 2004 Deutscher Meister, die U17 wurde nur einmal Erster der Staffel Süd/Südwest (2007). International fällt der Vergleich noch verheerender aus: In der parallel zur Champions League ausgetragenen Youth League setzte es für die A-Junioren der Bayern viele deutliche Niederlagen, gegen Manchester City etwa kassierte man eine 0:6-Klatsche - kürzlich hat man sogar gegen Olympiakos Piräus verloren.

Mittlerweile ist David Alaba, 23, der einzige Stammspieler der Profis, der unter 26 Jahre alt ist und aus dem eigenen Nachwuchs stammt. Deshalb ist der Verein gezwungen, 19-jährige Spieler wie Kingsley Coman von Juventus Turin auszuleihen - eigene Spieler erreichen das gewünschte Niveau nicht mehr.

Da könnte es auf Dauer billiger kommen, selbst wieder Spitzenspieler heranzuziehen - selbst wenn allein für die Infrastruktur eine 70-Millionen-Investition nötig ist. "Wir haben jetzt hier kein Preis-Leistungs-Verhältnis errechnet", sagt Rummenigge mit Blick auf kommende Stars und deren Marktwerte. Man werde sowieso in Zukunft weiter gute Spieler zukaufen.

Bayernpräsident Hopfner: "Wir haben Nachholbedarf"
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Bayernpräsident Hopfner: "Wir haben Nachholbedarf"

Es gebe aber noch einen wichtigeren Ansatz: "Wir wollen weiter dafür sorgen, dass wir eine bayerische Konkurrenz beim FC Bayern erhalten", sagt Rummenigge. Das "mia san mia", der Corporate-Identity-Slogan des Vereins, solle verstärkt über die Jugend transportiert werden, sagt auch Präsident Hopfner: "Wir alle wünschen uns wieder Spieler wie Philipp Lahm, Thomas Müller, David Alaba oder Holger Badstuber."

Der wichtigste Grund für den Neubau ist die Hoffnung auf einen bayerischen Identitätsschub. Die Grundsteinlegung fällt nun in eine Zeit, in der Identifikationsfigur Bastian Schweinsteiger nach 17 Jahren den Verein verlassen hat und die Mannschaft immer internationaler wird. Der große Nachteil für die künftigen U9- bis U19-Spieler: Sie bekommen ihre Idole bald kaum noch zu sehen. Die Profis werden nämlich weiter an der Säbener Straße trainieren.



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
ekel-alfred 17.10.2015
1. Hoam ins Reich....
Da lacht das Bayern Herz! Bisher war ja der BvB die Ausbildungszentrale und das musste ja den Fans in der Seele schmerzen, ausgerechnet von der Konkurrenz die besten Spieler kaufen zu müssen. Jetzt kann man den Ausbildungsbetrieb wieder hoam holen......
Nonvaio01 17.10.2015
2. was heisst hier
Eigene Jugendspieler schaffen es nicht mehr zu den Profis. Das nicht immer die ganze erste mannschaft aus eigenen talenten besteht ist doch wohl klar. Momentan sind beim FCB eine ganze reihe eigene talente in der Mannschaft, dazu noch ausgeliehene spieler. Das neue zentrum ist dazu da um sicher zu stellen das es auch in zukunft weiterhin talente beim FCB gibt.
taylor26 17.10.2015
3.
Der schritt ist absolut richtig will man nicht nur fertige spieler kaufen müssen. Es kann sogar sein das es gut für die konkurrenz ist.?
Greg84 17.10.2015
4.
Zitat von ekel-alfredDa lacht das Bayern Herz! Bisher war ja der BvB die Ausbildungszentrale und das musste ja den Fans in der Seele schmerzen, ausgerechnet von der Konkurrenz die besten Spieler kaufen zu müssen. Jetzt kann man den Ausbildungsbetrieb wieder hoam holen......
Wie genau war denn der BVB bitte Ausbildungszentrale? Weil Bayern zwei Spieler in der Mannschaft hat, die mal in Dortmund gespielt haben? Wobei davon auch nur Götze in Dortmund ausgebildet wurde.
McManaman 17.10.2015
5. @ekel-alfred
Inwiefern ist jetzt der BVB genau die "Ausbildungszentrale"? Weil sie Götze ausgebildet haben?
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