Niederlage gegen Augsburg Bayern leidet am Barcelona-Blues

Drei Spiele ohne Tor, vier Pleiten in Serie: Dem FC Bayern scheint zum Saisonende die Kraft auszugehen. Vor dem schier aussichtslosen Rückspiel gegen Barcelona wirken die Münchner desillusioniert.

DPA

Von Sebastian Winter, München


Mario Götze saß auf dem Boden, die Enttäuschung war ihm anzusehen. Der 22-Jährige hatte engagiert gespielt, endlich einmal nach der ganzen Kritik. Doch er hatte nur den Pfosten getroffen und weitere Chancen ausgelassen. Götze vermochte also auch nicht, die 0:1-Heimniederlage von Bayern München gegen Augsburg zu verhindern. Die vierte Pleite in Folge, wenn man das Pokal-Aus im Elfmeterschießen gegen Dortmund dazurechnet.

Josep Guardiola hat so eine schwarze Serie als Trainer noch nie erlebt, und die Bayern auch seit vielen Jahren nicht. In den letzten drei Spielen schossen sie zudem kein Tor. Was Götze dazu sagen wollte? Fast nichts. "Sorry, aber am Dienstag dann." Erst nach dem Champions-League-Rückspiel gegen den FC Barcelona möchte er sich äußern.

Auch anderen, normalerweise auskunftsfreudigeren Angestellten der Münchner hatte es die Sprache verschlagen. Sportdirektor Matthias Sammer sagte, er habe Halsschmerzen. Manuel Neuer und Jérôme Boateng gingen wortlos nach Hause. Das Spiel hatte Spuren hinterlassen, obwohl es eigentlich bedeutungslos war, da die Bayern längst deutscher Meister sind.

Aber die Art und Weise, wie diese 90 Minuten zwischen den beiden Champions-League-Halbfinals gegen Barcelona abliefen, war exemplarisch für den Zustand einer desillusionierten Mannschaft. Die, wenn keine "unglaublichen Dinge passieren", wie es Bastian Schweinsteiger am Samstag ausdrückte, innerhalb von zwei Wochen gleich zwei Titel verliert. In München können so Krisen entstehen.

Guardiola stellte fast alle Stammspieler auf

Nach zwölf Minuten sah Bayern-Keeper Pepe Reina die Rote Karte wegen einer Notbremse. Manuel Neuer musste doch wieder ins Tor, Kapitän Philipp Lahm dafür aus taktischen Gründen vom Feld, es war einer der kürzesten Einsätze in der Karriere des Kapitäns.

Immerhin verschossen die Augsburger den Elfmeter, doch fatal war, dass die Bayern drei Tage vor dem ohnehin fast aussichtslosen Duell gegen Barcelona (Dienstag, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu zehnt gegen motivierte Augsburger kämpfen mussten. Zumal Guardiola überraschend fast die komplette Stammformation aufbot, wohl um sie im Rhythmus zu halten vor dem Rückspiel gegen die Katalanen. "Ich war kurz außer Atem, als ich die Aufstellung gelesen habe. Ich dachte, er will Spieler schonen, aber so war es nicht", sagte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl.

Ausgeruht waren die Münchner jedenfalls nicht nach den 90 Minuten, im Gegenteil. Und man fragt sich nach diesem Nachmittag erst recht, wie sie den Dienstag nur einigermaßen schadlos überstehen sollen. Denn Barcelona wird spielen wie Augsburg, schnell, konterstark - nur eben auf einem deutlich höheren Niveau.

"Müssen richtigen Mix finden"

Hoffnungsschimmer für die Bayern gab es kaum. Dante machte wieder fürchterliche Fehler, und auch bei anderen macht sich Frust breit. Als die Spieler nach dem Halbzeitpfiff hinab Richtung Kabine gingen, da echauffierte sich Bastian Schweinsteiger über Thomas Müller, der lautstark zurückbrüllte. Das Hackentor von Raúl Bobadilla zwanzig Minuten vor Schluss vollendete die Demütigung.

Die Bayern-Spieler liefen dann nicht in einer Gruppe zu ihren Fans, sondern als versprengter Haufen, und nur die Hälfte der Mannschaft. Schweinsteiger hatte fast väterlich den Arm um Götze gelegt. Lahm, der die Arena schon ein paar Minuten nach Spielende verließ, sagte mit Blick auf Dienstag noch: "Wir müssen versuchen, den richtigen Mix zu finden." Dann versuchte er sich schon mal an einem Saisonfazit: "Ich weiß, was schlechte Saisons sind, die schauen ganz anders aus."

Bayern-Stürmer Robert Lewandowski hatte immerhin eine gute Saison, er hofft nun darauf, "dass wir alles geben, was wir noch haben". Das klang arg nach einer Durchhalteparole, viel Kraft oder Esprit, um Barcelona ernsthaft in Gefahr zu bringen, dürften die Bayern nicht mehr haben. Nach allem, was in den jüngsten Wochen passiert ist.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 115 Beiträge
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geisterfahrerii 09.05.2015
1. Schau mer mal
Komplette Aussichtslosigkeit hat schon sehr oft ungeahnte Kräfte frei gesetzt. Wollen wir das Spiel am Dienstag noch nicht verloren geben, bevor es überhaupt stattgefunden hat.
ichsagemal 09.05.2015
2.
...ein weiterer Dortmunder wird zum FCB wechseln. Klopp, die Wette gilt!
vhn 09.05.2015
3. Bayern ist durch
Da ist die Luft raus für die Saison. Was soll auch noch kommen? Da weiß doch keiner der Spieler, für was er sich noch krumm machen soll...
Stäffelesrutscher 09.05.2015
4.
»Sportdirektor Matthias Sammer sagte, er habe Halsschmerzen.« Wohl in der Kabine zu laut gebrüllt?
claudio_im_osten 09.05.2015
5. Barcelona-Blues?
Die Bayern leiden schon etwas länger - und das Leiden begann mit dem Dortmund-Blues (man könnte ihn auch etwas neutraler den Pokal- oder Elfmeter-Blues nennen). Eigentlich ein schlimmer Zustand, wenn man sich ohne Triple gleich als Versager sieht, und das trotz dieser phänomenalen Bundesliga-Saison. Nur Deutscher Meister und in der Champions League im gleichen Jahr wahrscheinlich nur bis zum Halbfinale durchgekommen - welch eine Schmach... Es wird Zeit, dass man in München auf den Teppich zurück findet. Immer mehr, immer größer, immer teurer - bei diesem Prinzip ist schon Uli Hoeneß an seinen Grenzen des Wachstums gescheitert. Sein FC wird irgendwann folgen. Nur wenige Jahre später fühlen sich seine Bayern nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft auch wieder besser. Wetten?
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