FC Bayern einsam an der Tabellenspitze Harmonisch zum Meistertitel

Nach mühsamem Start überzeugten beim 4:2 des FC Bayern gegen Bremen vor allem die Offensivkräfte James Rodriguez und Thomas Müller mit munteren Kombinationen. Am Ende waren in München wieder alle zufrieden - fast alle.

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Von Florian Kinast, München


Thomas Müller verabschiedete sich mit einem Lächeln. Minutenlang hatte er von seinen Bundesliga-Treffern 99 und 100 in diesem eigenartigen Spiel gesprochen. Dann über die Zeit seit dem Amtsantritt von Jupp Heynckes, als die Zukunft, wie Müller meinte, zunächst "nicht rosig" ausgesehen habe. "Aber dann hat sich das Blatt gewendet, wir haben viele Spiele gewonnen, und außerdem ist sich die Konkurrenz nicht ganz einig, wer da vorne mitmischen will." Hätte er gewusst, dass zwei Stunden später auch Schalke 04 gegen Hannover beim 1:1 Punkte liegen ließ, Müller hätte sicher noch mehr gelacht.

Auch wenn die Heimpremiere des Kalenderjahrs 2018 für den FC Bayern lange eine eher holprige Angelegenheit war und sich der Meister gegen tapfer kämpfende Gäste aus Bremen schwertat - am Ende reichte es mit dem umkämpften 4:2 dann doch wieder für einen Sieg. Der Vorsprung auf den Tabellenzweiten Leverkusen beträgt nun 16 Punkte. Zum Vergleich: Zwischen Bayer 04 und Werder liegen 15 Zähler. Bremen ist auf Platz 16. Rechnerisch ist der Tabellenzweite der Relegation näher als dem Meistertitel.

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Münchener Heimsieg gegen Werder: Am Ende jubeln doch die Bayern

Resümee dieses Spiels war so auch weniger, dass die Bayern auf dem Weg zum sechsten Titel in Serie nicht mehr aufzuhalten sind. Die wesentliche Erkenntnis bestand darin, dass sich die Bayern derzeit deutlich unterfordert fühlen. Neun spielfreie Tage lagen zwischen dem 3:1 beim Rückrundenauftakt in Leverkusen und dem Sonntagsspiel gegen Bremen. Zu viel, wie auch Thomas Müller befand: "Es war schon extrem lang, die Trainingswoche hat sich hingezogen, vielleicht war das ein kleiner Grund, dass wir anfangs nicht sofort da waren."

Man hörte zwischen den Zeilen die Sehnsucht nach dem anstrengenden Rhythmus mit aufreibenden Spielen alle drei bis vier Tage heraus: Bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus - genau das, was die Bayern mögen und was sie brauchen.

Die Rückkehr des Raumdeuters

Die zweite, und für Jupp Heynckes noch viel wichtigere Erkenntnis, gerade für die schon wehmütig vermissten Englischen Wochen ab Februar: In der Offensive harmonieren die Bayern immer besser. Die Spieler haben nun so langsam sich selbst, ihre eigenen Positionen und die ihrer Mitspieler gefunden. Gerade das schon blinde Verständnis zwischen James Rodriguez und Thomas Müller dürfte dem Trainer gefallen haben - umso mehr, da es nach der Verpflichtung des Kolumbianers Diskussionen über die künftige Rolle Müllers gab. Ob die beiden nun Konkurrenten seien, ob es nun heiße: James oder Müller? Der Sonntag machte klar: Am besten geht es mit James und Müller.

Thomas Müller (rechts) mit James Rodriguez
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Thomas Müller (rechts) mit James Rodriguez

Joshua Kimmich und Niklas Süle erklärten das Zusammenspiel der beiden nach dem Abpfiff ganz anschaulich: "James hat das gute Gefühl für den Raum, er hat einfach die Fähigkeit, den Ball dahin zu bringen, wo er ihn haben möchte", sagte Kimmich, bevor Süle ergänzte: "Der Thomas bewegt sich immer gut in den Räumen, die der Gegner nicht erwartet." In den Räumen, die James sucht und findet. Beim Spiel gegen Bremen wurde klar, was Müller damit meinte, als er sich einmal als "Raumdeuter" bezeichnete.

Der beste Beleg für die Spielfreude der Angreifer war die Entstehung des letzten Tores zum 4:2: ein herrlicher Heber von James über die Bremer Abwehr in den Lauf des unnachahmlich heranstelzenden Thomas Müller, der nach seinem Ausgleich zum 1:1 das Spiel als Doppeltorschütze beendete. So wie auch Robert Lewandowski, der mit den Treffern 16 und 17 die Torjägerliste der Liga souverän anführt. So schienen nach Abpfiff alle Münchner glücklich. Bis auf einen der ihren. Bis auf Arjen Robben.

Robben hatte auf seiner rechten Seite kaum einen Ball bekommen, die meisten Aktionen der Bayern liefen über links über den emsigen, wenn auch oft traditionell übermotivierten Franck Ribéry. Als Jupp Heynckes den Holländer nach einer knappen Stunde gegen Kingsley Coman auswechselte, trabte Robben mit einem eisigen Grinsen vom Feld und verschwand gleich in den Katakomben. Robben weiß, dass er gerade eine schwierige Phase durchlebt, beim Spiel in Leverkusen überzeugte er genauso wenig wie gegen Bremen.

Vor fast genau einem Jahr verlängerten die Bayern den Vertrag mit Arjen Robben bis Sommer 2018. Von einer nun weiteren, von ihm so ersehnten Verlängerung bis 2019 ist Robben im Moment weit entfernt. In dieser Form ist er nicht der Unverzichtbare, der er einmal war. Unverzichtbar macht sich im Moment eher das illustre und sich perfekt ergänzende Trio im Angriff: Lewandowski, Müller, James. Der Torjäger. Der Raumdeuter. Und der Raumfinder.

FC Bayern München - SV Werder Bremen 4:2 (1:1)
0:1 Gondorf (25.)
1:1 Müller (41.)
1:2 Lewandowski (63.)
2:2 Süle (75., Eigentor)
3:2 Lewandowski (76.)
4:2 Müller (84.)
Bayern: Ulreich - Kimmich, Boateng, Süle, Bernat - Martínez (58. Vidal) - Robben (58. Coman), Müller, James, Ribéry - Lewandowski
Bremen: Pavlenka - Bauer (46. Gebre Selassie), Veljkovic, Moisander, Augustinsson - Bargfrede - M. Eggestein, Delaney - Junuzovic, Gondorf (72. Kainz) - Kruse
Schiedsrichter:
Kampka
Gelbe Karten: - / Bauer, Bargfrede
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)



insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
apollo69 21.01.2018
1. Gähn...
Fußball ist langweilig. Lieber Handball gucken oder Skispringen. Immer Bayern immer Extremkommerz. Das bringt’s irgendwann, also jetzt sozusagen, nicht wirklich mehr
DerDifferenzierteBlick 21.01.2018
2. Warum Bayern den Vertrag mit Robben verlängern wird
Wenn Bayern mit Robben nicht verlängert, dann haben sie (Stand jetzt) in der nächsten Saison nur noch 2 Flügelspieler für 2 Flügelpositionen: Den talentierten, aber noch nicht gleichwertigen Coman und den dann in der entscheidenden Phase der kommenden Saison knapp 36-jährigen und leicht verletzungsanfälligen Ribery! Sie müssten dann also 2-3 starke Flügelspieler in diesem Sommer holen (man sollte jede Position doppelt besetzen), die sich erst einmal integrieren müssten (mit ungewissem Ausgang). Das halte ich bei der jetzigen Marktsituation doch für sehr unwahrscheinlich. Also: Mit Robben verlängern, mind. einen sehr starken (kann auch teuer werden) Flügelspieler à la Alexis Sanchez (den sich anscheinend jetzt ManUnited schnappt) und eventuell noch einen weiteren jungen mit Potenzial. Sanchez hätte den Vorteil gehabt, dass er für ein paar Jahre die Lücke füllt (so dass nicht beide Flügel von sehr jungen Spielern besetzt sind) und man dann eventuell Sané für die Position holen könnte (wenn der seinen Vertrag nicht verlängert und Guardiola nicht mehr bei City ist, durchaus möglich).
doppelnass 22.01.2018
3. Tja
Wieder mal geht eine der Oimschnen Thesen flöten : dass Bayern ab der 60.Minute einbricht Bin gespannt auf Neues
Pela1961 22.01.2018
4.
Zitat von doppelnassWieder mal geht eine der Oimschnen Thesen flöten : dass Bayern ab der 60.Minute einbricht Bin gespannt auf Neues
Er wird wahrscheinlich aufgrund der Anfangsschwierigkeiten diagnostizieren, dass die Einstellung falsch war und das Warmmachen nicht optimal verlief, was auf massive Differenzen zwischen Vorstand, Trainer und Mannschaft hindeutet. Spätestens (!) im Sommer bricht das alles auseinander. Und Pleite sind sie dann sowieso. :-)
Zwiling 22.01.2018
5. Die Bayern
kaufen die Vereine leer wenn sie merken dass die Vereine ihnen gefährlich werden können. Sie haben das Geld dazu und das macht auch ihre Überheblichkeit aus. Dann haben sie noch diverse Schiedsrichter die gerne und oft Fouls bei den Bayern übersehen und auch ein Spiel mal fast 100 Minuten laufen lassen, bis das Ergebnis stimmt.( z. B. Leipzig um nur ein Spiel zu nennen.) Nur deshalb, und nicht weil sie so gut sind, sind sie auf Platz 1.
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