Hummels und Martínez Beim FC Bayern nur noch zweite Wahl

Statt auf Rotation setzt Niko Kovac künftig auf eine eingespielte Stammformation. Das Umdenken fordert zwei Opfer: Mats Hummels und Javi Martínez. Das wird vor dem Spiel in Amsterdam noch mal deutlich.

Mats Hummels
imago/ Eibner

Mats Hummels

Von Florian Kinast


Kurz vor dem Abflug nach Amsterdam sprach am Dienstag noch Hasan Salihamidzic. Das Thema, über das der Sportdirektor des FC Bayern derzeit am liebsten redet, ist seine eigene Rolle und seine Verdienste im Verein. Was die Anwesenden eigentlich hören wollten, war Konkretes zu den Altstars des FC Bayern.

Nachdem Arjen Robben (34) kürzlich seinen Abschied nach dieser Saison beim FC Bayern bekanntgegeben hatte, sprach Salihamidzic auch über das nahende Ende der Zeit von Franck Ribéry (35) in München. "Der Präsident (Uli Hoeneß, d. Red.) hat davon gesprochen. Ich denke, so wird es auch sein. Es ist ein Jahr der Veränderungen."

Ein Jahr der Veränderungen ist es aber auch für zwei weitere Profis des FC Bayern, die am Dienstagvormittag zwar mit in die Niederlande flogen, denen aber beim entscheidenden Spiel um den Gruppensieg bei Ajax Amsterdam erneut nur die Rolle als Ergänzungsspieler droht: Mats Hummels und Javi Martínez. Beide durchleben gerade die schwierigste Phase ihrer Zeit beim FC Bayern, sind derzeit die großen Verlierer unter Niko Kovac und stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Anfang der Saison, als Kovac auf der Suche nach dem richtigen System unbeirrt und schwindelerregend rotierte, kamen noch alle Profis regelmäßig zu ihren Einsätzen. Doch das hat sich geändert. Auch weil der Trainer erkannt hat, dass seine Experimente wenig brachten - außer schlechte Spiele und Misserfolg.

Hummels und Martínez haben im System keinen Platz

Daher verabschiedete sich Kovac vom munteren Durchwechseln und erklärte noch vor dem 3:0 gegen den 1. FC Nürnberg: "Rotation wird es in der Form nicht mehr geben, weil es so nicht funktioniert hat. Rotation wird stattfinden, aber nur dann, wenn einer verletzt oder total am Boden ist." Und schob dann noch nach: "Für die, die hinten dran stehen, ist das nicht angenehm, aber jeder muss damit klarkommen. Es ist egal, wer es ist."

Er hätte auch sagen können: Auch Hummels und Martínez müssen damit klarkommen. Zwei Beispiele, die zeigen, wie schnell es gehen kann auf dem Weg vom kaum verzichtbaren Stammspieler zum frustrierten Reservisten.

Goretzka, Martínez, Kimmich und Hummels (v.l.)
DPA

Goretzka, Martínez, Kimmich und Hummels (v.l.)

Drei Siege feierten die Bayern in den vergangenen drei Spielen, in der zentralen Defensive spielte dabei immer das gleiche Quartett. In der Innenverteidigung Jérôme Boateng und Niklas Süle, davor auf der Doppel-Sechs Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Zwei harmonierende Pärchen, die sich gefunden und eingespielt haben. Hummels und Martínez haben da im System von Kovac keinen Platz. Außer auf der Ersatzbank. Und das nicht zu Unrecht.

Als Kovac noch rotierte, zeigte Hummels bei seinen Einsätzen oft durchwachsene Leistungen, gerade in Laufduellen offenbarte er meist massive Tempodefizite. Für Missstimmung bei seinem Trainer sorgte er vor allem beim 2:3 in Dortmund - als Hummels trotz massiver Erkältung und körperlicher Beschwerden auf einen eigenen Einsatz drängte und sogar noch in der Pause darauf beharrte, weiterzuspielen. Obwohl er sich nach eigenen Angaben "dumpf und verschwommen im Kopf" fühlte.

Seitdem spielte Hummels in der Bundesliga noch genau zwei Minuten: gegen Fortuna Düsseldorf, als er in der Nachspielzeit eingewechselt wurde. Um hinten abzusichern. Da führte Bayern noch 3:2. Kurz danach fiel der Ausgleich.

Dass Leipzigs Yussuf Poulsen am Sonntag auch noch im "Doppelpass" von Sport1 ätzte, er würde lieber gegen Mats Hummels als gegen Niklas Süle spielen, passte irgendwie ins momentane Bild. Keine guten Zeiten für den Weltmeister von 2014. Genauso wenig wie für Martínez.

Martínez braucht Heynckes

Noch in der vergangenen Saison brillierte der Spanier unter seinem Förderer und Mentor Jupp Heynckes, der ihn 2012 aus Bilbao nach München geholt hatte. Doch auch er baute inzwischen sichtlich ab, von der einstigen Dynamik und der Fähigkeit, das Spiel aus dem defensiven Mittelfeld heraus aufzubauen und zu gestalten, war in dieser Spielzeit noch nichts zu sehen.

Jupp Heynckes (l.) mit Javier Martínez
Getty Images

Jupp Heynckes (l.) mit Javier Martínez

Auf der Pressekonferenz am Dienstagabend wurde Kovac gefragt, ob er die Doppel-Sechs an den beiden Namen Kimmich und Goretzka festmache oder ob er sich auch andere Spieler dort vorstellen könnte. Kovac sagte: "Unabhängig von den beiden Namen: Wir haben mit Thiago einen Spieler, der bis zu seiner Verletzung mit der beste Spieler von uns war, der so langsam wieder kommt, einer, der diese Position auch spielen kann." Von Martínez sprach Kovac mit keinem Wort.

Am dritten Advent wird Hummels 30, Martínez ist es schon. Sollte sich ihre Rolle als Ersatzspieler langfristig manifestieren, könnten sie anfangen, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Als Profis haben sie sicher noch einige Jahre vor sich. Vielleicht aber nicht mehr beim FC Bayern.

insgesamt 58 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hooge789 12.12.2018
1. Beides gute Spieler
Hummels und Martinez habe beide schon viel für den FCB geleistet, aber natürlich muss sich jeder jeden Tag beweisen. Ich traue dem Trainer Kovac schon zu, dass er sieht ob ein Sühle oder ein Hummels besser spielt. Das gleiche gilt für Martinez versus Kimmich und Goretzka.
laberbacke08/15 12.12.2018
2.
Man könnte sagen typisch Bayern. Beim Alten Verein wäre er Stammspieler, jetzt verdient er seine Millionen eben im sitzen, vielleicht kann er seiner Frau ja beim influencen helfen (Kamera halten und so)
troy_mcclure 12.12.2018
3.
Momentan sitzen beide völlig zurecht auf der Bank und scheinen ihre Rolle ja zu akzeptieren. In diesem Tagesgeschäft kann es so schnell passieren, dass einer oder beide wieder Stammspieler werden, von daher ist alles gut
jujo 12.12.2018
4. ...
Die beiden werden es schwer haben einen Topverein zu finden. Auch Vereine mit Perspektive nach oben sollten sich körperlich fitte Spieler holen, keine ausgelaugten, den Leistungszenit überschrittenen ehemaligen Spitzenleute.
spon_2937981 12.12.2018
5.
Allein sportlich ist es aus meiner Sicht nicht zu erklären, dass Boateng Hummels vorgezogen wird. Sicher war Hummels nicht gut, aber Boateng m.E. noch viel schlechter. Das hat m.E. auch oder vor allem nicht-sportliche Gründe. Aber Hummels wird wiederkommen, denke ich. Martinez hingegen ist weit weg von seiner Topform und m.E. auch nicht mehr in derr Lage, sie (beim FC Bayern) zu erreichen. Er ist vollends außen vor, befürchte ich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.