Unruhe beim FC Bayern Sammer und die Brandstifter

Seit Guardiolas Abgang bekannt wurde, knistert es beim FC Bayern. Matthias Sammer will wieder Ruhe reinbringen - doch das wird nur mit sportlichem Erfolg gelingen.

Von Christoph Leischwitz, München

Sportvorstand Sammer: Bayerns Verteidigungsminister
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Sportvorstand Sammer: Bayerns Verteidigungsminister


Matthias Sammer wiederholt sich gerne. Nach fast jedem Sieg des FC Bayern München in der heimischen Arena - also eigentlich immer - benutzt der Sportchef das Bild eines Dauerläufers, der noch lange nicht am Ziel ist. "Die Bundesligasaison ist ein Marathonlauf", diktiert er dann den Journalisten, oder: "Der DFB-Pokal, das ist ein 10.000-Meter-Lauf." Und bei langen Läufen müsse man immer, immer, immer aufpassen, denn man könne jederzeit stolpern.

Am Mittwoch nun hat Sammer den gleichen Journalisten gesagt, dass sie die Stolpersteine seien.

Er habe ja ein Näschen, sagt Sammer, und dieses Näschen hat nun Brandgeruch detektiert. "Es ist ein kleines Zündeln, vielleicht spüren Sie das gar nicht." Doch es falle ihm auf, dass versucht werde, "die Liga noch mal spannend zu machen." Im Klartext: Es solle schlechte Stimmung hineingetragen werden in den Verein, weil das gerade eben bessere Storys hergebe als der x-te Bayern-Sieg.

Katar und Alkohol, ein schwieriges Thema

Sammer weiß, dass jetzt etwas passieren muss - dass es in der aktuellen Lage besonders auf ihn ankommt. Die Außendarstellung des Vereins leidet gerade. Ein Maulwurf hat internen Streit ausgeplaudert, die ganze Welt hat ein Foto von Medhi Benatias Gehaltsabrechnung gesehen. Und laut "Sport-Bild" hat Arturo Vidal im Trainingslager in Katar das Hotels mehrmals verlassen und ist angeblich in alkoholisiertem Zustand zurückgekehrt.

Alkoholkonsum im öffentlichen Raum könnte in Katar ganz schnell zu Ärger führen. So sehr, dass es möglicherweise sogar Sponsorenverträge gefährdet. Solch einen Deal hat man nach der Abreise aus Doha bekannt gegeben. Der FC Bayern will jedenfalls rechtlich gegen die Vidal-Berichterstattung vorgehen, auch der Spieler selbst wehrt sich. Sollten die Vorwürfe tatsächlich aus der Luft gegriffen sein, könnte man Sammers Verärgerung freilich verstehen. Auf jeden Fall haben sie ihm die Möglichkeit gegeben, nun in die Offensive zu gehen.

Seit Uli Hoeneß vor knapp zwei Jahren als Steuerhinterzieher verurteilt wurde, ist Sammer zur moralischen Instanz des Vereins geworden, zumindest im Auftreten nach außen. Er wird diese Rolle noch eine ganze Weile ausfüllen, auch wenn der Ex-Präsident kürzlich eine Haftverkürzung erwirkt hat und ab Anfang März wieder ein freier Mann sein wird - und vielleicht auch bald wieder Präsident.

Sammer stellt sich besser an als Rummenigge

Aktuell steht Sammer vor seiner schwersten PR-Aufgabe. Seitdem bekannt ist, dass Trainer Josep Guardiola den Verein nach der Saison verlassen wird, werden Unzufriedenheiten kolportiert. Sammer steckt in einem Dilemma: Nach außen muss er jene kritisieren, die darüber berichten. Obwohl er genau weiß, dass der oder die Maulwürfe das eigentliche Problem sind.

Sammer geht die Sache im Moment zumindest geschickter an als Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Dieser hatte schon am vergangenen Sonntag, nach dem 2:0-Erfolg gegen 1899 Hoffenheim, die Journalisten kritisiert. Und dabei sogar die Vermutung geäußert, dass der Maulwurf eine reine Erfindung sei. Sammer tut das nicht, er gibt zu, dass es im Verein "knistert".

Am Mittwoch folgte einer seiner bislang schärfsten Auftritte. Eigentlich war die Pressekonferenz anberaumt, um den neuen Innenverteidiger Serdar Tasci vorzustellen, doch dieser hatte sich kurz vorher eine Kopfverletzung zugezogen und wurde gerade untersucht. Mit wem der 28-Jährige zusammengeprallt war, wollte Sammer nicht sagen. Dass man in solch harmlosen Fällen Gerüchte bisweilen auch mit Offenheit vermeiden kann, schien ihm dabei nicht in den Sinn zu kommen.

Man solle Trainer Guardiola mit mehr Respekt begegnen, sagte Sammer. Und mit Blick auf die Causa Vidal sagte er noch: "Wenn einer von uns angegriffen wird, zu Unrecht - den werde ich immer verteidigen." Was eigentlich ja eine Selbstverständlichkeit ist.

Am Samstag spielt der FC Bayern bei Bayer Leverkusen, danach stehen weitere schwere Spiele in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League an. Erfolg und Misserfolg werden maßgeblich darüber entscheiden, wie ruhig oder unruhig es in den kommenden Wochen zugehen wird. Gut möglich, dass es Sammer sogar gelingt, die Reihen zu schließen. Nach außen. Was im Moment ganz offensichtlich fehlt beim FC Bayern, das ist einer, dem das auch nach innen gelingt.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
maxgil 04.02.2016
1. Für
mich völlig unbegreiflich, wieso der FCB den weiter wursteln lässt, obwohl der zur Konkurrenz geht und es schon Gerüchte gibt, dass der Spieler abwerben will. In der Wirtschaft würde man so einen Manager mit sofortiger Wirkung freistellen! Mir soll's Recht sein, wenn der FCB wackelt, je mehr, desto besser!!Heja BVB :-)
DocW 04.02.2016
2. Null mal null bleibt null
"Berichte" über Sammer, der für seine aussagekräftigen Nullnummern allmählich bekannt sein dürfte, bleiben zwangsläufig inhaltsleer. Was soll denn bitte dieser Hättekönntesollte-Beitrag?
bristolbay 04.02.2016
3. Wo ist Jupp?
Steht Heynkes schon bereit? Den Spanier (Katalane) würde ich sofort nach Katar in die Wüste schicken, der wird doch ausser Deutscher Meister, und das auch noch mit großem Fragezeichen, weder beim FCB noch bei Scheich-Scheck-City etwas auf die Beine stellen.
The Project 04.02.2016
4. @DocW #2
Zitat von DocW"Berichte" über Sammer, der für seine aussagekräftigen Nullnummern allmählich bekannt sein dürfte, bleiben zwangsläufig inhaltsleer. Was soll denn bitte dieser Hättekönntesollte-Beitrag?
Womit die Überschrift ihres Beitrages durch den Kommentar bewiesen wäre.
laffleur 04.02.2016
5.
Zitat von DocW"Berichte" über Sammer, der für seine aussagekräftigen Nullnummern allmählich bekannt sein dürfte, bleiben zwangsläufig inhaltsleer. Was soll denn bitte dieser Hättekönntesollte-Beitrag?
Nullnummern? Sehen Sie sich mal die Transfers der letzten Jahre an. Einen besseren Job kann man nicht machen. Er ist in seiner Position dafür verantwortlich. Punkt.
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