Von Tim Röhn, Leverkusen
Warum der FC Bayern zum sechsten Mal in dieser Saison ein Bundesligaspiel verloren hat? Den Verantwortlichen fiel es nicht schwer, nach dem 0:2 bei Bayer Leverkusen Gründe zu liefern. "In der ersten Halbzeit hatten wir riesige Tormöglichkeiten, die wir nicht nutzen. Das ist die Crux, die uns im Moment begleitet", sagte Jupp Heynckes. Der Trainer weiter: "Wenn man aber die Tormöglichkeiten nicht nutzt, kann der Schuss nach hinten losgehen - das war heute der Fall."
Sportdirektor Christian Nerlinger sagte, die Mannschaft habe dem Gegner in der zweiten Halbzeit Raum zum Kontern gegeben: "Das haben sie zweimal getan - daraus ist diese enttäuschende Niederlage resultiert."
Erst kein Glück vor dem Tor und dann Pech, dass der Gegner seine Chancen nutzt, so wollten Trainer und Sportdirektor das selbsternannte Ende der Meisterschaftsträume auf den Punkt bringen. Es zeigt das wohl größte Problem der Bayern: Die offiziellen Erklärungen für den Misserfolg greifen entweder zu kurz - oder sind schlichtweg falsch. So hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach dem 0:1 in Basel von den Spielern mehr Engagement gefordert, dabei mangelte es schlichtweg an Kreativität.
Das Zustandekommen der Pleite in Leverkusen spricht nun vielleicht stärker denn je in dieser Saison für eine grundlegende Misere. Nach guten, aber torlosen 30 Minuten zerfiel die Mannschaft mit zunehmender Spielzeit immer weiter, bis sie nur noch ein Haufen Individualisten war.
Nach der Partie in Basel waren Offensivspieler Thomas Müller und Innenverteidiger Holger Badstuber in der Kabine lautstark aneinandergeraten. In Leverkusen ging Innenverteidiger Jérôme Boateng auf Müller los. Boateng soll Müller vorgeworfen haben, nicht nach hinten zu arbeiten. Klar ist: Die Nerven liegen blank beim Rekordmeister.
Immer wieder für Unruhe sorgt auch die Personalie Arjen Robben. Ungeachtet der Treueschwüre seitens der Bayern-Bosse für den Niederländer gibt es innerhalb der Mannschaft weiterhin Vorbehalte gegen den Flügelspieler. Außerhalb des Platzes sei Robben ein "netter Mensch", heißt es im Team, auf dem Rasen aber vergäße er seine Mitspieler.
Heynckes ist überzeugt von Robbens Nutzen, aber er versäumt es, bei den genervten Spielern für Verständnis für den Niederländer zu werben. Öffentlich setzen sich die Bosse zwar für Robben ein. Was jedoch fehlt, ist eine interne Debatte, die viel wichtiger wäre.
Das liegt nicht an mangelndem Einsatz oder der viel bemühten schlechten Chancenverwertung - zumal der BVB statistisch gesehen mehr Chancen für ein Tor braucht als die Bayern. Dortmund berauscht sich an sich selbst und kommt so zu Siegen. Trainer Jürgen Klopp motiviert und nimmt den Druck von seinen Spielern, die unbeschwert kicken können. Für die Bundesliga reicht das.
Bei den Bayern ist Heynckes angesichts des Drucks von oben gezwungen, Dinge schnell zu verändern. Wie seine Vorgänger bekommt er kaum Zeit, eine Philosophie zu entwickeln. Und die vorhandene Zeit nutzt der Trainer nicht konsequent, um Basisarbeit zu leisten und den Spielern, die weniger gefestigt sind, Vertrauen zu geben.
Anders als bei Heynckes' Vorgängern werden die Bosse den Trainer nicht öffentlich in Frage stellen. Präsident Uli Hoeneß, seit vielen Jahren mit Heynckes befreundet, blieb nach dem Abpfiff sehr ruhig. Aber das ist bei Hoeneß ja meist nur die Ruhe vor dem Sturm.
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