Bayern auf dem Rathausplatz Münchner Meisterfeierchen

Es gab die Order, die Sau rauszulassen - doch so ganz wollte das den Spielern des FC Bayern trotz gewonnener Meisterschaft nicht gelingen. Die verordnete Fröhlichkeit blieb zäh, auch bei den Fans.

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Von Christoph Leischwitz, München


Am 11. Mai 2013 war der Münchner Marienplatz eine Stunde nach dem letzten Bundesligaspiel der Saison nicht mehr zu betreten. Es gab kein Vor und Zurück, und entlang des Autokorsos des FC Bayern, von Schwabing zum Marienplatz, feierten die Fans ein Volksfest.

Ein Jahr später hat der Verein erneut zur Meisterfeier geladen, doch das Szenario ist gänzlich anders. Um 19.30 Uhr ist der Platz zwar gut gefüllt, doch Passanten haben genug Platz, ihre Einkäufe ruhigen Schrittes zur U-Bahn zu tragen. Ein Fan mit Stuttgart-Trikot ruft: "Bayern, ich höre nichts!" Entlang der Ludwig- und der Leopoldstraße sind viele Lücken in der Menschenkette, 100 Meter nördlich des Odeonsplatzes hat die Polizei sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Straße abzusperren.

Gesänge gibt es nicht. Die 24. Meisterfeier des FC Bayern scheint für die meisten Fans nicht viel mehr als ein Pflichttermin zu sein. "Etwas dürftig hier", sagt auch Reinhard Giebeler, "irgendwie ist die Luft raus." Der Endvierziger aus der Nähe von Köln war extra mit seiner Frau für die Feier angereist.

Gedrückte Stimmung bei den Fans

Nun war es nicht besonders überraschend, dass sich die Euphorie dieses Mal in Grenzen hielt. Beim FC Bayern geht es eben nie einfach nur um eine Meisterschaft. Das hochverdiente Ausscheiden gegen Real Madrid in der Champions League ist erst elf Tage her, und ein richtig gutes Spiel haben die Fans schon sehr lange nicht mehr zu sehen bekommen. Auch nicht am 34. Spieltag, beim knappen 1:0-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart. "Seit sie sicher Meister waren, haben sie nicht mehr so schönen Fußball gespielt", sagt der 20-jährige Münchner Janis Ganzenmüller, der am Marienplatz auf die Mannschaft wartet. Er sagt, das habe sicherlich auch zur gedrückten Stimmung unter den Fans beigetragen.

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FC Bayern: Party auf dem Rathausbalkon
Zunächst wirkten auch die Spieler nicht sonderlich in Feierlaune. Ohnehin wurde der einstige Korso aus schicken Sponsoren-Cabrios diesmal auf eine Busfahrt mit Blaskapellen-Geleit reduziert. Im Meisterbus feierten dann fast nur Thomas Müller und Arjen Robben, auch der lange verletzte Holger Badstuber tanzte auffällig lebhaft zur Basslinie von "Seven Nation Army". Der Rest stand eher beiläufig daneben, Mario Götze hob lächelnd einen Daumen Richtung Fans, Daniel van Buyten schrieb SMS.

Wenigstens einer freute sich richtig: Dieter Reiter

Später gab es doch noch jene Momente, in denen der Funke übersprang - und zwar von den Spielern zu den Fans. Auf dem Rathausbalkon mimte Thomas Müller nicht nur einen begabten Alleinunterhalter, auch Rafinha beeindruckte - wie schon nach dem Champions-League-Erfolg im vergangenen Jahr - mit einer Imitation von Jazzlegende Louis Armstrong.

Es gab auch noch den Nebendarsteller Dieter Reiter, der stolz verkündete, an seinem zehnten Arbeitstag als Oberbürgermeister Münchens schon seine Fußball-Idole empfangen zu dürfen. Reiter ist bekennender Bayern-Fan - im Gegensatz zu seinem Parteifreund und Vorgänger Christian Ude (SPD): Der Anhänger des TSV 1860 wurde in den vergangenen 21 Jahren bei jeder Meisterfeier der "Roten" ausgepfiffen.

Nachdenklich trotz Weißbier-Dusche

Doch den meisten Applaus holte sich Trainer Pep Guardiola ab, für zwei Sätze, die er offensichtlich lange geübt hatte: "Ich bin ein Münchner. Mia san mia!" Er hatte zwar im Stadion aus Versehen die Meisterschale fallen lassen. Doch seine Ansprache auf dem Balkon sowie sein Lederhosen-Outfit schienen die zuletzt oft enttäuschten Fans mehr als nur milde zu stimmen.

Während die Feier vor einem Jahr der Lohn für eine gute Saison war, so schien es diesmal, als wolle man sich Mut anfeiern. Sportvorstand Matthias Sammer ließ dann auch durchscheinen, dass die Spieler eine Woche vor dem DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund geradezu den Befehl erhalten hatten, die Sau rauszulassen.

Gegenüber dem Bayerischen Fernsehen sagte Sammer: "In Promille und im Ausflippen Obergrenze, würde ich sagen" - das sei die Marschroute für die bevorstehende Nacht, die der Verein im Postpalast nahe der Hackerbrücke verbrachte. Es hätten in den vergangenen Wochen "ein paar Prozent gefehlt", so Sammer, auf diesem Wege sollten sich die Spieler diese zurückholen. Er selbst wirkte dabei jedoch viel nachdenklicher als vor einem Jahr, als er noch, mit Weißbier geduscht, gemeinsam mit den Spielern tanzte und schunkelte.



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Seite 1
ausmisten 11.05.2014
1. Koennte es sein...
dass die Menschen in Muenchen andere Probleme haben? Wo wohnen und wie die Miete bezahlen ?Panem et circenses zieht wohl nicht mehr wirklich in dieser Stadt jenseits der taeglichen Realitaet .
maestro86 11.05.2014
2. Nix los also am Marienplatz?
Sehr merkwürdig, dass die Münchner Ubahn und Sbahn die Station Marienplatz in München gestern am frühen Abend gesperrt hatten, die Ubahnen und Sbahnen fuhren einfach durch. Der Grund war: Zu viele Fans vorm Rathaus am Marienplatz...was die wohl da gemacht haben? Vielleicht die Mannschaft des Fc Bayern würdig gefeiert nach der grandiosen Saison?
hatschon 11.05.2014
3. Pomadig bis zum ....
Geht nicht mehr !
jujo 11.05.2014
4. ...
Zitat von sysopGetty ImagesEs gab die Order, die Sau rauszulassen - doch so ganz wollte das den Spielern des FC Bayern trotz gewonnener Meisterschaft nicht gelingen. Die verordnete Fröhlichkeit blieb zäh, auch bei den Fans. http://www.spiegel.de/sport/fussball/fc-bayern-muenchen-meisterfeier-auf-dem-rathausplatz-a-968740.html
Ich glaube da wirkt noch der Schock der Niederlagen gegen Real Madrid nach. Nicht das verloren wurde, sondern das WIE! Der BVB scheint z.Z. in Topform zu sein, für mich der Favorit am Samstag in Berlin.
matthäuspassion 11.05.2014
5. Feiern 2.0?
Same procedure as last year, zumindest in Teilen, kann man sagen. Biedrduschen im Stadion, happy hour-Korso zum Marienplatz und dann die Rathaus-Was-sind-wir-doch-für eine-tolle-mia-san-mia-Burleske. Alles gut, alles prima, aber wer distanziert zuschaute, konnte erkennen, es fehlt(e) etwas dieses Jahr und das bereitet dem erfahrenen Fußballbeobachter Sorgen nicht nur in Hinsicht auf das Pokalfinale gegen den BVB, der einmal mehr eine saubere und schaut-her-wir-sind bereit-Leistung ablieferte. Beim FCB hat man den Eindruck, dass keiner so Recht ausgelassen Freude am Feiern hat und als Pep's einstudierter Balkon-Event ihn durch Ribery's kindische Gröl-Attacke beinahe an den Rand eines Contenance-Verlustes brachte, war klar, da steht zusammen, was vielleicht nicht mehr lange zusammen gehört. Wie werden sehen, nächste Woche könnte das Pokalfinale eine Art "Schicksalspiel" für den Verein FC Bayern werden und es könnte Überraschungen geben, die alle für unmöglich gehalten haben, Stand gestern Abend.
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