Saisonvorbereitung des FC Bayern Bloß nicht rumeiern

Der FC Bayern hat die PR-Reise in die USA beendet. Nun beginnt die echte sportliche Vorbereitung auf die neue Saison. Die Kaderplanung scheint dabei noch lange nicht abgeschlossen zu sein.

David Alaba (l.) und Niko Kovac (r.)
JOE SKIPPER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

David Alaba (l.) und Niko Kovac (r.)

Von Christoph Leischwitz


Zuletzt hat der FC Bayern München viele Stunden in der Luft verbracht, doch die Chefs fanden ein einfaches Mittel, um in der Zwischenzeit im Gespräch zu bleiben: Beim Einchecken einfach richtig einen raushauen und damit die Themen setzen für die am Boden Gebliebenen.

So hatte Präsident Uli Hoeneß vor dem Abflug zur einwöchigen PR-Reise in die USA den zurückgetretenen Nationalspieler Mesut Özil scharf attackiert. Am Sonntagabend Ortszeit in Miami, kurz vor dem Rückflug nach München, war dann Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dran mit einem Rundumschlag. So vergeht die Zeit bis zum Pflichtspiel-Start wie im Flug.

Rummenigge geht 50+1 an

Die Woche im Ausland, inklusive Besuchen bei potenten NFL- und Major-League-Unternehmen, hat Rummenigge nur in seinem ewigen Unterfangen bestärkt, auf mehr Internationalität im deutschen Fußball zu setzen. Er prangerte das "Rumgeeiere" in Sachen 50+1-Regel an, die Vereine sollten die Chance bekommen, sich für ausländische Investoren zu öffnen - damit die Bundesliga leistungsfähiger wird.

Karl-Heinz Rummenigge
Getty Images

Karl-Heinz Rummenigge

Natürlich steckt hinter diesen Aussagen viel Egoismus: Der FC Bayern hat wenig davon, Dauermeister einer Liga zu sein, der im Ausland niemand zusehen mag. Der deutsche Markt hinkt der Marktentwicklung des FC Bayern hinterher.

Allerdings stehen die jüngsten Aussagen Rummenigges in Kontrast zu dem, was auf dem Trainingsgelände in der Säbener Straße passiert. Dort ist in den vergangenen Monaten eine gewisse Bodenständigkeit eingekehrt. Zum einen wurde die diesjährige Auslandsreise im Vergleich zum vorigen Jahr (China, Singapur) nach hausinterner Kritik deutlich abgespeckt. Die Vorstellung von Niko Kovac als neuem Trainer sowie des Offensivmannes Serge Gnabry geriet Anfang Juli auffällig unaufgeregt.

Mehr Durchlässigkeit für den Nachwuchs - mal wieder

Etliche Spieler aus dem eigenen Nachwuchs geraten langsam in den Fokus, und das nicht nur deshalb, weil gleich 13 von ihnen mit in die USA reisen durften. Unter Kovac soll die Durchlässigkeit zwischen dem so genannten FC Bayern Campus und dem Profikader höher werden als unter den Trainern Pep Guardiola und Carlo Ancelotti. Wieder einmal.

Meritan Shabani (l.)
AFP

Meritan Shabani (l.)

Immerhin machte Meritan Shabani in Miami schon einmal mit einem Kopfballtor zum zwischenzeitlichen 1:0 gegen Manchester City auf sich aufmerksam. Auch wenn der 19-Jährige vorerst noch nicht zum engeren Kreis jener gehört, denen man einen dauerhaften Durchbruch bei den Profis zutraut. Dazu gehören eher der Angreifer Oliver Batista Meier, 17, oder der verletzte Innenverteidiger Lars Lukas Mai, 18. Auch der zuletzt verliehene und eigentlich schon abgeschriebene Renato Sanches, 20, bekommt noch einmal eine Chance.

Boateng und Vidal dürfen gehen

Dagegen darf Jérôme Boateng, 29, zu Paris Saint-Germain wechseln, wenn das Angebot stimmt. Arturo Vidal, 31, liebäugelt mit Inter Mailand. Auch er kann gehen, obwohl die Bayern bei seinem Weggang unbestritten einen Aggressive Leader verlieren würden.

Arturo Vidal (l.) und Jérôme Boateng (r.)
DPA

Arturo Vidal (l.) und Jérôme Boateng (r.)

Natürlich achtet der Verein im Hintergrund darauf, dass bei solchen Transfers die Vermarktung im Ausland nicht leidet. Der Kolumbianer James Rodríguez kann den Chilenen Vidal diesbezüglich problemlos ersetzen. Auf Instagram etwa hat Vidal 5,8 Millionen Abonnenten, James fast 40 Millionen. Doch tendenziell wird der Kader der Bayern gerade verjüngt.

Ziel: Champions-League-Erfolg

Weder diese Verjüngungskur, noch die beiden Niederlagen gegen Juventus Turin (0:2) und Manchester City (2:3) können Rummenigge davon abhalten, den 46-jährigen Trainer unter Druck zu setzen, ja, die Anforderungen sogar zu erhöhen: "Wir wollen das, was wir 2013 mit dem Sieg in London erlebt haben, in naher Zukunft wieder erreichen." Das bedeutet: Der "frische Bursche" Kovac soll bitte schon bald einen Champions-League-Erfolg präsentieren.

Von Nationalspielern wie Manuel Neuer, Thomas Müller, Mats Hummels oder auch Robert Lewandowski, die am Freitag in München wieder ins Training einstiegen, erwartet Rummenigge nicht weniger als "Vollgas", um ihre WM-Enttäuschungen zu kompensieren.

Das ist die sportliche Komponente. Die wirtschaftliche scheint Rummenigge aber mindestens ebenso wichtig zu sein: "Auf dieser Reise hat man einmal mehr festgestellt, welchen Stellenwert die Champions League international hat."

Verjüngungskur noch nicht abgeschlossen

Das alles hört sich wiederum nicht so an, als ob Rummenigge der Verjüngungskur gänzlich vertraut. Und auch nicht so, als sei die Kaderplanung der Bayern schon abgeschlossen.

Am Donnerstag reisen die Bayern zum Trainingslager an den Tegernsee. Zum ersten Mal seit 2006 bleibt das Team in Bayern, der Verein verzichtet darauf, mit der unmittelbaren Saisonvorbereitung neue Märkte zu erschließen. Am Sonntag präsentiert sich die Mannschaft erstmals dem Heimpublikum, in einem Freundschaftsspiel gegen Manchester United. Am 12. August steht der Supercup bei Kovacs ehemaligem Verein Eintracht Frankfurt an.

Die ganz weiten Reisen sind erst einmal vorbei. Sollte jedoch der August nicht zur Zufriedenheit der Bayern-Bosse verlaufen, dann wird der Verein nicht herumeiern, sondern sich Verstärkungen umschauen. Und zwar nicht im FC Bayern Campus, sondern auf dem internationalen Transfermarkt.

insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
spon_2937981 30.07.2018
1. Nichtssagend
Leischwitz mal wieder... Hat nichts Substantielles zu sagen, möchte aber wie immer seiner Abneigung Ausdruck verleihen und das Gefühl erzeugen, beim FC Bayern sei irgendwie alles doof... Nicht international genug, aber Bodenständigkeit ist auch irgendwie falsch. Kader zu alt, aber mit jungen Leuten wird's auch nix. Lange kam kein Nachwuchsspieler, war falsch. Jetzt will man wieder mehr auf Nachwuchsspieler setzen, scheint auch falsch zu sein. Für Herrn Leischwitz kann der FC Bayern nur alles falsch machen. (Oder ist's egal, was der FC Bayern tut - Herr Leischwitz muss ein paar Zeilen tippen (in die eine oder andere Richtung), um Geld zu verdienen...)
tanzbaer211 30.07.2018
2. Auf eigene Jugendspieler setzen
Es wird höchste Zeit für die Verjüngung der Mannschaft. Robbery sollen nun dem Nachwuchs noch ein Jahr Dampf machen. Hoffentlich wird auch intensiv an die Torwartposition gedacht. Es muss unbedingt ein gaanz junger Torwart aufgebaut werden. Denke Manu macht noch max 2 Jahre.
cinkor 30.07.2018
3. Wenn...
...die Vereinsbosse bis irgendwann in den August warten um auf dem internationalen Mark ihre Einkäufe zu tätigen, würde es mich nicht wundern, wenn überhaupt noch etwas zum Einkufen gibt.
steveleader 30.07.2018
4. Ich werde das Gefühl...
nicht los, dass Herr Kovac nur eine Übergangslösung ist, bis ein ganz Großer frei wird. Die großen Investitionen werden in der Übergangszeit vorbereitet.
Oihme 30.07.2018
5. Sie haben den Artikel ...
Zitat von spon_2937981Leischwitz mal wieder... Hat nichts Substantielles zu sagen, möchte aber wie immer seiner Abneigung Ausdruck verleihen und das Gefühl erzeugen, beim FC Bayern sei irgendwie alles doof... Nicht international genug, aber Bodenständigkeit ist auch irgendwie falsch. Kader zu alt, aber mit jungen Leuten wird's auch nix. Lange kam kein Nachwuchsspieler, war falsch. Jetzt will man wieder mehr auf Nachwuchsspieler setzen, scheint auch falsch zu sein. Für Herrn Leischwitz kann der FC Bayern nur alles falsch machen. (Oder ist's egal, was der FC Bayern tut - Herr Leischwitz muss ein paar Zeilen tippen (in die eine oder andere Richtung), um Geld zu verdienen...)
.. offenbar nicht richtig gelesen. Dessen Fazit zu den aktuellen Bayern-Absichten ist eben kein "falsch", wie Sie das unterstellen, sondern ein etwas hämisch-resigniertes "mal wieder"! Denn jedes Jahr gibt es in München die gleichen, heiligen Besserungs-Versprechen hinsichtlich geduldiger Nachwuchsförderung und Team-Verjüngung - aber Robbery spielt immer noch! Denn wehe, man gewinnt trotz Umbruch "nur" einen Titel, dann lieber keinen Umbruch!
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