Saisonstart in München Kovac und der neue Stil der Bayern

Läuft da doch was mit dem Kroaten Ante Rebic? Bayern Münchens neuer Trainer Niko Kovac überraschte beim Saisonstart mit manchen Äußerungen. Die Spielphilosophie des Rekordmeisters könnte sich künftig ändern.

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Aus München berichtet Florian Kinast


Nur ganz kurz ging es noch um die WM, um den dramatischen Erfolg der Kroaten am Sonntagabend gegen Dänemark. "Ich freue mich unheimlich", sagte Niko Kovac, der vor vier Jahren in Brasilien selbst noch die kroatische Auswahl betreut hatte, und fügte hinzu: "Ich hoffe, dass wir die nächste Runde auch noch überstehen." Dann aber sprach Kovac nur noch über den FC Bayern, bei seiner offiziellen Präsentation als neuer Trainer in München.

Wegen der Vielzahl an Anmeldungen hatte der Klub den Termin vom kleinen Presseraum an der Säbener Straße noch in die geräumige Medienlounge der Allianz-Arena verlegt. Was die rund 100 Journalisten von Kovac erzählt bekamen, waren erwartungsgemäß Nettigkeiten, vieles klang unverbindlich, wenig konkret. Wie froh er sei, bei diesem tollen Verein zu sein, wie groß die Erwartungen seien, dass er die Spieler besser machen wolle. Solche Sachen. Und doch gab es dann überraschende Neuigkeiten und interessante Anmerkungen, die aufhorchen ließen.

Etwa der Zeitpunkt des Trainingseinstiegs der Top-Stars. Kovac sagte, er sei "ein bisschen glücklich" über das frühe Aus der DFB-Elf, so bekomme er die Nationalspieler früher als gedacht. Allerdings werden sie nicht wie vermutet an der USA-Reise (23. bis 30. Juli) teilnehmen, sondern erst am 25. Juli ins Training einsteigen. Zudem werde Peter Hermann, der nach Saisonende schon seinen Rücktritt erklärte, weiter Co-Trainer bei den Bayern sein, wenn auch aus privaten Gründen erst ab 1. September.

Steilpass in Sachen Ante Rebic

Und dann kam noch die Frage zu einer möglichen Verpflichtung seines Landsmanns Ante Rebic, der vergangenes Jahr unter Kovac bei Eintracht Frankfurt für Furore sorgte und nun auch bei der WM überzeugt. "Ein toller Spieler, es freut mich, dass er so performt. Ein Spieler, der der Mannschaft gut zu Gesicht stehen würde." Das klang bemerkenswert, fast wie ein Steilpass an die Klub-Oberen, schnellstmöglich aktiv zu werden - wenn sie es nicht schon sind. Denn Rebic ist auch von anderen Top-Klubs umworben, mit jedem weiteren WM-Sieg Kroatiens wird er begehrter und vor allem teurer.

Ein Rebic-Transfer wäre nicht nur spektakulär, er könnte auch ein Indiz dafür sein, dass Kovac das Spielsystem der Bayern revolutionieren möchte. Rebic und der zuletzt schwächelnde und motzende Robert Lewandowski, dem Kovac erst kürzlich in einem persönlichen Telefonat gut zuredete und erklärte, wie wichtig er für die Mannschaft sei, die beiden also als Doppelspitze? Klingt interessant. Und warum nicht mal eine ganz andere Strategie?

Niko Kovac (links), Hasan Salihamidzic
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Niko Kovac (links), Hasan Salihamidzic

Nach fast einem Jahrzehnt, seit den Zeiten unter Louis van Gaal, in denen der Spielstil der Bayern meist über Ballbesitz definiert wurde und über die Dominanz, den Gegner erdrücken und ihm kaum Platz zur Entlastung geben zu wollen, wäre es vielleicht auch Zeit für eine Neuausrichtung. Denn die Taktik der Bayern begann langsam zu stagnieren, ihre Spielweise wurde durchschaubar. In der Liga reichte das für sechs Titel in Serie, in der Champions League fast immer fürs Halbfinale, aber eben auch nicht mehr.

Was den Bayern zuletzt fehlte, war Galligkeit. Das Bissige, die Entschlossenheit, in richtigen Momenten auch mal böse zu sein. So überlegen und dominant sie etwa gegen Real Madrid waren: Am Ende waren sie zu brav und zu wenig kaltschnäuzig, genau wie in den Jahren davor auch.

Unter Kovac könnte sich das nun ändern, und es war interessant, wie er dann doch noch über die WM sagte: "Man sieht, dass die Mannschaften, die gut verteidigen, weit gekommen sind." Und dass den Spaniern 80 Prozent Ballbesitz gegen Russland auch nichts geholfen hätten.

Weniger FC Barcelona, mehr Atlético

Es spricht viel dafür, dass der schon als Spieler sehr kernig agierende Kovac wie in Frankfurt körperbetonter spielen lassen möchte. Weniger Ballbesitz? Egal, Hauptsache mehr Härte. Weniger FC Barcelona, mehr Atlético. Ob all das so kommt, wird man in eineinhalb Monaten bei Saisonbeginn sehen, und auch, ob das überhaupt Erfolg hätte. Es wäre nach einer Phase schleichenden Stillstands bei den Bayern allemal einen Versuch wert.

Die Vorstellung des neuen Trainers im Video

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Wichtig wird für Kovac vor allem sein, vom ersten Tag an als Autorität aufzutreten, keine leichte Aufgabe nach der Zeit der großen Respektsperson Jupp Heynckes. Kovac muss Lewandowski weiter aufmuntern, und er muss die empfindlichen Altmeister Arjen Robben und Franck Ribéry in den Griff bekommen, die angesichts der jungen Konkurrenz auf den Flügeln um Kingsley Coman und Serge Gnabry womöglich öfters als Reservisten auf der Bank vor sich hinmurren. Auf Kovac warten reichlich Aufgaben.

Erstmals komplett ist der Kader nach der USA-Reise, dann beziehen die Bayern Anfang August ein Trainingslager am Tegernsee. Das letzte Mal waren sie dort vor zwölf Jahren, der Trainer damals war auch ein Freund des eher rustikalen Spielstils. Sein Name: Felix Magath.



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
!!!Fovea!!! 02.07.2018
1. Lustig....
Nachdem die SGE den DFB Pokal gewonnen hatte, gegen die Bayern, äußerte ich hier im Forum bereits die Vermutung, dass Kovic den Rebic (evtl./höchstwahrscheinlich) nach Bayern holen wird. Immerhin hat Rebic die "Mia san mia" Fraktion alleine "abgeschossen" und Bayern reagiert im allgemeinen immer so, den Schädling zu kaufen und in Quarantäne (Ersatzbank) zu setzen. Schade für die SGE, die eigentlich Europa League spielen will....
twocents 02.07.2018
2. Beuteschema des FC Bayern
Die Verpflichtung von Rebic würde in das uralte Beuteschema des FC Bayern passen: hat ein Spieler dem FC Bayern großen Schmerz zugefügt, muss alles daran gesetzt werden, ihn zu kaufen. Das fing schon mit Torstensson an. Auch wenn der teure Einkauf dann - wie damals del'Haye - nur auf der Ersatzbank sitzt, kann er dem Gegner wenigstens nichts mehr nützen.
sylkeheimlich 02.07.2018
3.
Zitat von !!!Fovea!!!Nachdem die SGE den DFB Pokal gewonnen hatte, gegen die Bayern, äußerte ich hier im Forum bereits die Vermutung, dass Kovic den Rebic (evtl./höchstwahrscheinlich) nach Bayern holen wird. Immerhin hat Rebic die "Mia san mia" Fraktion alleine "abgeschossen" und Bayern reagiert im allgemeinen immer so, den Schädling zu kaufen und in Quarantäne (Ersatzbank) zu setzen. Schade für die SGE, die eigentlich Europa League spielen will....
Ich habe mir die Pressekonferenz angeschaut. Kommt Rebic? Habe ich was verpasst? Kommt auch der Boateng? Wer kommt denn nun alles aus Frankfurt? Sie scheinen ja Bescheid zu wissen. Bitte klären Sie mich auf.
-volver- 02.07.2018
4. @Foeva
Für die Eintracht wirds so oder so traurig. Rebic wird wohl nicht zu halten sein. Wenn nicht zu Bayern, dann wo anders hin. Und mal ehrlich: Ein Rebic hat Qualitäten, die ein lewandowski nicht hat... Die Tore die Rebic gegen die bayern gemacht hat, hätte lewandowski mangels tempo nicht machen können. Bei Bayern unter kovac wäre er mehr als ein backup.
jnek 02.07.2018
5. Mythen, Legenden und kein Ende
Was würde das deutsche Fussballvolk nur ohne solch beliebte Mythen und Legenden machen? Die beiden Foristen möchte ich bitten, ihre Behauptungen zu belegen und konkrete Beispiele nennen die die luftigen Behauptungen etwas glaubwürdiger wirken ließe. Ja, auch ich kenne die üblichen Listen. Nur meine ich, dass man sich so ziemlich jede Liste basteln kann, sofern man es möchte. Nur ein Gegenbeispiel - Calle del Haye. Der war damals so ziemlich der besten Außenstürmer der BL und damit natürlich interessant für Vereine die größer und reicher waren als BMG. Heute würde halb Europa hinter ihm her sein. Zudem war BMG damals nicht mehr die Konkurrenz für die Bayern. Die hieß damals HSV. BMG hat z.b. in 78/79 in zwei Spielen 10:2 gegen die Bayern verloren, obwohl sie den uefacup gewannen. Außerdem hat del Haye in seiner ersten Saison in München recht oft gespielt, für einen Neuling. Und in seiner dritten Saison war er der am fünfhäufigst eingesetzte Spieler. Ja, er wurde dort nie glücklich. Aber wie es anderswo geworden wäre weiß auch keiner und er blieb dennoch 5 lange Jahre. Das hat auch er so entschieden.
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